Lachender Orang-Utan
Bildrechte: imago/Rüdiger Wölk

Bedrohte Tierarten Hoffnung für den Orang-Utan?

Dass Orang-Utans vom Aussterben bedroht sind, ist nichts Neues. Bisher dachten Forscher aber, diese Tiere könnten ohne Regenwald nicht überleben. Eine neue Studie zeigt nun, dass wir sie unterschätzt haben.

von Annegret Faber

Lachender Orang-Utan
Bildrechte: imago/Rüdiger Wölk

Gemächlich schwingen sie sich von Ast zu Ast - die Menschenaffen mit den roten, langen Haaren. Auf ihre Erforschung hat sich Maria Voigt spezialisiert, Doktorandin an der Max-Planck-Gesellschaft für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig in der Abteilung Primaten. Sie zeigt ein Foto. Darauf ist ein Orang-Utan zu sehen, der auf einer Schiene sitzt.

Ein Orang-Utan sitzt auf einer Eisenbahnschiene
Bildrechte: Serge Wich

Das ist ein super starkes Bild, weil es bedeutet: Sie sind flexibel und sie können koexistieren. Aber irgendwann ist Schluss - wenn sie in die Ecke getrieben sind, wenn die Bäume fehlen, wenn sie kein Fressen mehr finden.

Maria Voigt

Wo leben Orang Utans?

Orang-Utans leben ausschließlich auf Sumatra, Indonesien und Borneo. "Orang Hutan" - "Mensch des Waldes", so heißen die Tiere auf Indonesisch. Allein die Insel Borneo verliert jährlich mehr als 8.000 Quadratkilometer Regenwald, so die Umweltschutzorganisation WWF. Statt Regenwald stehen da jetzt Palmöl-Plantagen. Oder die Bäume werden gefällt, um daraus Möbel zu bauen. Der Orang-Utan bezahlt das mit seinem Leben. Mittlerweile gibt es nur noch so wenige Tiere, dass Insulaner und Jäger deren Schicksal in der Hand zu haben scheinen.

Wir wissen, dass ein großer Faktor die Jagd und das Töten in Konfliktsituationen ist, und das Fangen von Orang-Utan-Babys für den Handel.

Maria Voigt

Wie tragfähig sind die Zahlen?

Die meisten Tiere, also 70 Prozent, seien in den letzten 16 Jahren in den Wäldern erschossen wurden, in ihrem natürlichen Lebensraum. Was letztendlich daran liegt, dass dort die meisten Orang-Utans leben und es insgesamt nur noch sehr wenige sind. Zwischen 70.000 bis 100.000, schätzen Forscher, nachdem sie in der neuen Studie Beobachtungsdaten von 38 Forschungseinrichtungen zusammengetragen haben. Aber auch diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, denn Orang-Utans zu zählen sei sehr schwer, sagt der Primatenforscher Hjalmar Kühl.

Da kommen wir in Gebiete, in denen Menschenaffen sehr scheu sind, weil sie gejagt werden. Das heißt, wir können nicht in den Wald gehen und einfach anfangen, die Menschenaffen zu zählen.

Hjahmar Kühl

Wie zählt man eigentlich menschenscheue Waldbewohner?

Die Forscher gehen stattdessen auf Spurensuche. Bestes Indiz seien Baumnester, in denen die Affen schlafen. Die Daten zeigen den Forschern aber auch, dass Orang-Utans mittlerweile so in die Enge getrieben wurden, dass sie ihren gewohnten Lebensraum verlassen.

Orang-Utan-Forschering Maria Voigt steht neben einem großen Baum.
Bildrechte: Maria Voigt

Vorher hat man gedacht, die brauchen diesen ursprünglichen, unangetasteten Regenwald oder diese Sumpfgebiete. Wir sehen jetzt, dass sie auch in Wäldern überleben können, wo man selektiven Holzeinschlag hat oder in Landschaften, wo eine Koexistenz zwischen Wäldern und landwirtschaftlich genutzten Flächen besteht.

Maria Voigt

Das Foto mit dem Orang-Utan auf der Eisenbahnschiene sei insofern zwar ein sehr trauriges, mache aber auch Hoffnung. Denn er scheint sich nicht seiner verheerenden Situation zu beugen. Aber bleibt der Druck, dem er derzeit ausgesetzt ist, bestehen, sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Orang-Utan ausgestorben ist.

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2018, 18:00 Uhr