Renaissance eines Baustoffes Wolkenkratzer aus Holz

24 Stockwerke, 84 Meter – das größte Holzhaus der Welt entsteht gerade in Wien. HoHo, so der Name, ist vorläufiger Höhepunkt eines neuen Architekturtrends, der zeigt, welches Potential im Holz steckt. Denn weltweit entstehen Hochhäuser aus dem Baustoff – auch in Leipzig.

Holzhochhaus in Brummundal in Norwegen.
So soll der Blick von der Dachterasse des 80 Meter hohen Holzwolkenkratzers in Norwegen sein. Bildrechte: VOLL Arkitekter

Als die University of British Columbia in Vancouver/Kanada 2016 ihr neues Studentenwohnheim einweihte, interessierte das jenseits von Kanada fast nur Architekten. Dabei war es eine kleine Sensation: 53 Meter hoch, aus Holzelementen in Fertigbauweise. Pfeiler, Wände, Decken – die Teile waren vorgefertigt und wurden auf der Baustelle zusammengesetzt, durchaus vergleichbar mit den Neubauten in Halle-Neustadt, Leipzig-Grünau oder Jena-Lobeda.

Auch in Europa "wachsen" Holz-Hochhäuser

Noch halten die Kandier den Höhenrekord – aber nicht mehr lange. Denn in Europa entstehen gleich zwei Wolkenkratzer aus Holz. In Brummundal (Norwegen) begannen am 1. April 2017 die Bauarbeiten für das Projekt Mjøstårnet - 18 Geschosse, 80 Meter hoch. Und den neuen Weltrekord wollen sich Österreicher holen, mit ihrem Porjekt "HoHo". In der Wiener "Seestadt", einem der größten Städtebauprojekte Europas,  entsteht der 84 Meter hohe Holz-Wolkenkratzer.

Fünf Etagen in Leipzig

Und auch Leipzig ist mit dabei, beim Holzbautrend in der City. Ein Kran, Baugerüste und Zäune: Auf den ersten Blick sieht das Eckgrundstück im Leipziger Westen aus wie eine normale Baustelle. Doch das Haus ist aus massivem Holz. Entworfen hat es Architekt Dirk Stenzel. Der Leipziger will selbst in eine der vier Wohnungen ziehen, die hier gerade entstehen. Die knapp 25 Zentimeter dicken Holzwände kamen in vorgefertigten Teilen aus einer Torgauer Tischlerei. Vor Ort wurden sie zusammengesetzt – in nur fünf Wochen stand der Rohbau des fünfstöckigen Gebäudes.

Bautrend Galerie: Wolkenkratzer aus Holz

Holz hat ein riesiges Potential. Im wahrsten Sinne des Wortes. 18, 20, 24 Geschosse - weltweit entstehen immer höhere Wolkenkratzer aus Holz. Das Comeback eines Naturbaustoffs.

Holzhochhaus Leipzig
Mitten in Leipzig entsteht ebenfalls ein Holzhaus. Bildrechte: Clemens Haug
Holzhochhaus Leipzig
Mitten in Leipzig entsteht ebenfalls ein Holzhaus. Bildrechte: Clemens Haug
Holzhochhaus Leipzig
Am 31. März 2017 ist Richtfest gefeiert worden. Bildrechte: Clemens Haug
Holzhochhaus Leipzig
Auch dieser Fünfgeschosser verwendet außen und innen Holz. Bildrechte: Kristin Kielon
Holzhochhaus Leipzig
Gut zu erkennen: Die Holzwandkonstruktion bis zum Dach. Wer vorbei schauen will, findet das Haus in der Zschocherschen Straße in Leipzig. Bildrechte: Kristin Kielon
Ein fünfgeschossiges dreieckiges Holzhaus zwischen zwei Straßen, die in einem spitzen Winkel aufeinandertreffen. Die Ecke des Hauses ist abgerundet.
Und so sieht das fünfgeschossige Holzhaus fertig aus. Bildrechte: MDR Wissen/Jennifer Schollbach
Passanten stehen vor einem Hochhaus.
Das Studentenwohnheim der University of British Columbia in Vancouver. 53 Meter hoch. Aus Holz - und Glas. Bildrechte: IMAGO
Besucher des Hochhauses schauen sich die Holzstruktur im Inneren des Hauses an.
Der Bau in Vancouver ist 2016 in rund drei Monaten hochgezogen worden. Bildrechte: IMAGO
Holzhochhaus in Brummundal in Norwegen.
Noch höher hinaus wollen die Architekten in Brumunddal in Norwegen. 18 Geschosse, 80 Meter. 1. April 2017 war Baubeginn. Bildrechte: VOLL Arkitekter
Holzhochhaus in Brummundal in Norwegen.
Holz bis zum Dach, bzw. in diesem Fall der Dachterasse. MIt dem Aufbau ist das Gebäude 85,4 Meter hoch. Der Blick geht auf den Mjøsa, Norwegens größten See. Bildrechte: VOLL Arkitekter
Gerenderte Darstellung des Holzhochhauses in Wien. Außenansicht.
Das "HoHo" in Wien wartet auf Mieter. 84 Meter, 24 Etagen und 25.000 Quadratmeter Fläche. Bildrechte: cetus Baudevelopment GmbH und Rüdiger Lainer und Partner Architekten ZT GmbH
Gerenderte Darstelllung des Restaurants im Holzhochhaus.
Holz bestimmt im HoHo natürlich auch die Inneneinrichtung - hier im geplanten Restaurant. Bildrechte: cetus Baudevelopment und cy architecture
Gerenderte Darstellung eines Zimmers im Holzhochhaus.
Holz in den Wohnungen soll für natürliches Raumklima sorgen. Bildrechte: cetus Baudevelopment und cy architecture
Gerenderte Darstellung des Wellnessraumes.
Und natürlich wird auch der Wellnesbereich von Holz dominiert. Bildrechte: cetus Baudevelopment und cy architecture
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So ein mineralischer Rohbau ist immer ein bisschen unschön und schmutzig und ein Holzrohbau hat natürlich immer eine positive Assoziation, weil ich das Holz einfach angenehm finde – deswegen fragt jetzt jeder: Warum wird die Wand da verkleidet? Aber die ganzen Außenwände werden innen nochmal verkleidet.

Dirk Stenzel, Architekt

Sind Holzhäuser sicher?

Dahinter verschwinden dann Kabel und Rohre. Die Holzwand muss nämlich intakt bleiben, damit sie ihre guten Eigenschaften nicht verliert: Feuchtigkeit kann entweichen, Wärme wird gleichzeitig gespeichert. Der Baustoff Holz hat Stenzel aber auch wegen seiner Nachhaltigkeit überzeugt: Holz wächst nach und speichert CO2. Einen großen Nachteil gibt es jedoch: Holz brennt. Das ist der große Haken, erklärt der Architektur-Professor Alexander Stahr von der HTWK Leipzig:

Das Bauen mit dem Holz ist speziell unter dem Eindruck der Kriege sehr stark zurückgegangen, die brennenden Städte haben sich in das Bewusstsein der Menschen hineingefressen und es gab nach dem Zweiten Weltkrieg eine rigide Verschärfung der Bauvorschriften.

Alexander Stahr, Architektur-Professor HTWK Leipzig

Skepsis auch auf den Ämtern

Holzhochhaus Leipzig
Innenausbau im Holzhochhaus Leipzig: aus Holz. Nur das Treppenhaus ist aus Beton. Bildrechte: Kristin Kielon

Deshalb ist es nicht immer einfach, Genehmigungen für große Gebäude aus Holz zu bekommen. Doch Architekt Dirk Stenzel hat in Leipzig positive Erfahrungen gemacht. "Die haben im Prinzip erkannt, dass es eine Tendenz gibt zu dieser Bauweise und dass man sich nicht unendlich dagegen sträuben kann als Verwaltung und deswegen war da ein sehr positiver Dialog von Anfang an."

So konnte auch das Problem mit dem Feuer gelöst werden: Das Treppenhaus als Fluchtweg zum Beispiel ist auch im Holzhaus aus Beton. Das erste moderne Holzhaus Leipzigs begeistert auch Architektur-Professor Alexander Stahr.

Es braucht diese positiven Beispiele, um auch in den Köpfen der Menschen, die nichts mit dem Bauen zu tun haben, zu verankern, dass es nicht nur gesund ist, in einem Holzhaus zu wohnen, sondern, dass man dort auch sicher ist.

Alexander Stahr

Warum Holz ein idealer Baustoff ist

Für den Architektur-Professor ist Holz gerade für Städte der ideale Baustoff. Denn Holz ist leicht – und eignet sich in Zeiten der Wohnungsnot auch für Aufbauten auf bestehenden Gebäuden. "Ich denke – und ich bin nicht der einzige, der so denkt – dass das Holz der Baustoff der Zukunft ist. Also wenn Beton der Baustoff des 20. Jahrhunderts war, dann ist Holz mit Sicherheit der Baustoff des 21. Jahrhunderts."

Über diese Thema berichtet der MDR im Fernsehen LexiTV | 20.04.2017 | 15:00 Uhr