Antwort auf die ewige Frage Deshalb muss das Ei vor dem Huhn da gewesen sein

Das Ei kam vor dem Huhn, darin sind sich Evolutionswissenschaftler und Philosophen einig. Und nicht mal die Schöpfungsgeschichte schließt diese Theorie zwingend aus.

Was war zuerst da - Huhn oder Ei? Diese Frage wurde schon in der Antike von Plutarch gestellt. Sogar Goethe hat sich damit beschäftigt. Und es gibt eine Antwort, das heißt, es gibt sogar mehrere. Es kommt nämlich darauf an, mit welchem Hintergrund man fragt.

Die Mutation macht's

Zuerst sollte man sich darüber im Klaren sein, ob man an die Evolutionstheorie glaubt. Dann ist die Antwort nämlich eindeutig: Das Ei war zuerst da. Denn der Vorfahre des Huhns hat sich nicht einfach im Laufe seines Lebens verändert und war plötzlich ein Huhn, erklärt der Biologe und Molekulargenetiker Diethard Tautz vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön.

Das Individuum als solches kann sich evolutionär nicht verändern, aber seine Nachkommen können verändert sein.

Prof. Diethard Tautz, Evolutionsbiologie

Durch Mischung und Mutation der elterlichen Gene im Ei entwickelte sich ein Nachkomme mit neuen Merkmalen. Heraus kam ein Vogel, der der erste seiner Art war und fortan als Huhn bezeichnet wurde. Die neue Art ist aber nicht erst mit dem Schlüpfen des Kükens existent, sondern entsteht eben bereits im Ei. Das heißt also: Das Ei war zuerst da. An welchem Punkt und warum die neue Art sich von ihren Vorfahren unterscheidet, wird übrigens von Wissenschaftlern festgelegt, die die Merkmale des Tieres genau untersuchen.

Die Philosophen sollen sich streiten

Laut Diethardt Tautz ist die Frage für Evolutionswissenschaftler längst beantwortet, aber die Philosophen könnten sich gern weiter darüber streiten. Und das tun sie natürlich.

Porträt von Prof. Johannes Hübner von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg vor einer orang-bräunlichen Ziegelwand. Er trägt eine schwarze Brille, einen schwarzen Anzug und ein dunkelblaues Hemd.
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Allerdings kommt auch Johannes Hübner, Professor für Theoretische Philosophie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, zum selben Schluss.

Für ihn wird es allerdings interessant, wenn ein theistischer bzw. kreationistischer Standpunkt, sprich Religion, mit ins Spiel kommt.

Hier gibt es aber auch wieder zwei Möglichkeiten. Beide haben gemeinsam, dass ganz am Anfang weder Huhn noch Ei, sondern Gottes Plan stand.

Die eine Möglichkeit geht davon aus, dass Gott die Welt geschaffen und fertige Hühner auf die Erde gesetzt hat. In diesem Fall war natürlich das Huhn zuerst da. Laut Hübner ist das aber eine sehr naive Weltsicht, die gar nicht versucht, die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Schöpfungsgeschichte mit einzubeziehen.

Gott hat die Evolution geplant

Die Evolutionsbiologie muss aber gar nicht im Widerspruch mit der göttlichen Schöpfungsgeschichte stehen, sagt Johannes Hübner.

Vielleicht hat Gott sein Konzept erdacht, alle Naturgegebenheiten geschaffen und den Dingen mit dem Urknall seinen Lauf gelassen.

Prof. Johannes Hübner, Philosoph

In diesem Fall hat Gott die Evolution als Teilkonzept in die Schöpfung miteingebaut. Und wir kommen damit auch wieder zu dem Schluss: Das Ei war zuerst da. Wie wir es also drehen und wenden, das Ei war und ist Fortpflanzungsmethode Nr.1. Sowohl bei Fischen, Amphibien, Reptilien, Dinosauriern und Vögeln hat es sich bewährt. Und auch beim Menschen ist eine befruchtete Eizelle Quelle neuen Lebens. Die Sache mit dem Ei ist also eine runde Sache - naja, fast rund zumindest.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP Radio | 30. März 2018 | 15:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. April 2019, 16:34 Uhr