Hummel im Anflug auf die Blüte einer Jelängerjelieber in einem Garten im Saalekreis
Bildrechte: MDR/Gerald Perschke

Sex, Drugs und zu wenig Blüten Das große Hummelsterben

Wer in diesen Tagen in Jena, Leipzig oder Magdeburg beim Gang durch die Stadt nach unten schaut, der sieht nicht selten tote Hummeln. Sie sterben massenweise, vor allem unter Lindenbäumen. Die Spaziergänger wundern sich und rufen den Naturschutzbund Deutschland an. Der hat nach den Ursachen gesucht und jetzt liegt die Antwort auf dem Tisch. Die Hummeln sind verhungert.

Hummel im Anflug auf die Blüte einer Jelängerjelieber in einem Garten im Saalekreis
Bildrechte: MDR/Gerald Perschke

Stadtflucht

Biologen und Naturschützer beobachten das Phänomen schon lange. Immer im Sommer, Ende Juli bis Anfang August, tritt es auf. Dann sind vor allem unter Lindenbäumen massenhaft tote Hummeln zu finden. Alle verhungert. Und dafür haben sie jetzt auch die Gründe gefunden. In den vergangenen Jahren sind die Hummeln in die Stadt geflohen. Denn auf dem Land finden sie wegen der großen landwirtschaftlich genutzten Flächen mit ihren Monokulturen kaum noch Nahrung. „Wir haben noch Getreide, Raps und Maisfelder. Was anderes gibt es kaum noch“, sagt Umweltschützer Ernst-Paul Dörfler. “Sehr eintönig und wenn man sich den Acker mal anschaut und ein paar Schritt weiter rein geht, sieht man, hier wächst nichts, außer dieser einen Getreideart. Keine Wildkräuter, keine Blütenpflanzen, deshalb auch keine Insekten.“              

Sex and Drugs and Rock'n'Roll findet mehr in der Stadt statt, als auf dem Land

Prof. Robert Paxton, MLU Halle-Wittenberg

Experten der Martin Luther-Universität Halle-Wittenberg bestätigen das.  Prof. Robert Paxton ist dort der Leiter der Zoologie und kennt vor allem die Gegend um Halle. “Wir haben Weizen, Gerste, vielleicht Roggen. Für Hummeln, Honigbienen und andere Bienen sind diese Pflanzen nutzlos. Sie produzieren keinen Nektar, haben keine Blüten.“ Deshalb wandern die Hummeln in die Stadt und das bringt noch mehr Probleme mit sich. Denn mehr Hummeln bedeuten auch mehr Parasiten, sagt Hummel-Experte Prof. Paxton: “Sex and Drugs and Rock'n'Roll findet mehr in der Stadt statt, als auf dem Land.“

Warum gerade Linden?

Hummeln sterben viel zu früh. Der Grund sind Parasiten und fehlende Nahrung.
Bildrechte: NABU / Peter Hildebrand

Kranke Hummeln und zu wenig Nahrung. Das ist also der Grund. Forscher der Universität Münster haben die toten Hummeln untersucht und festgestellt: die Zuckerreserven waren aufgebraucht. Aber warum findet man sie gerade unter Krim- und Silberlinden? Lange dachte man, die Bäume würden Giftstoffe enthalten. Das ist aber nicht der Fall. Im Gegensatz zu den einheimischen Lindenarten blühen diese mehrere Wochen später. Und jenseits der Lindenblüten finden die Hummeln jetzt im Hochsommer kaum noch Nahrung. Biologen vermuten, dass sich zum einen zu viele Tiere um zu wenig Nektar an den Linden streiten und außerdem viele Hummeln bereits so geschwächt sind, dass sie bei Entdeckung der Bäume nicht einmal mehr Nahrung aufnehmen können.

Was kann ich tun?

Mehr Blüten in den Garten und auf den Balkon, das empfiehlt der NABU allen, die die Hummeln über den Sommer retten wollen. Möglichst keine Exoten, sondern eher Wildblumen, nektar- und pollenreiche Pflanzen. Der Sommerflieder gehört zum Beispiel dazu, Lavendel, Artischocke, Heidekraut, Klee oder Malven. Damit schaffen es die Brummer vielleicht bis in den September. Dann allerdings sterben sie. Nur die Königin überlebt und wird im kommenden Frühjahr einen neuen Staat gründen.

Zuletzt aktualisiert: 09. August 2016, 23:40 Uhr