Artensterben durch Klimawandel Den Hummeln wird es zu heiß

In Europa und Nordamerika sterben die Hummeln. Ihre Chance an bestimmten Orten zu überleben, ist im Laufe einer einzelnen menschlichen Generation um durchschnittlich über 30 Prozent gesunken. Die Vermutung, dass das etwas mit dem Klimawandel zu tun hat, ist nicht neu. Forscher der Universität Ottawa haben jetzt eine Technik entwickelt, die Auswirkungen des Klimawandes auf das Artensterben vorhersagen soll - in der Hoffnung, noch eingreifen zu können.


Eine Erdhummel
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Heißere Temperaturen und häufigere Wetterextreme machen vielen Arten zu schaffen, und so auch den Hummeln. Das Forscherteam der Universität Ottawa spricht vom "sechsten Massensterben der Erdgeschichte", von der größten und schnellsten globalen Krise für die Artenvielfalt seit dem Aussterben der Dinosaurier. Und sie zeichnen ein besorgniserregendes Bild der Zukunft:

Hummeln sind die besten Bestäuber, die wir in wilden Landschaften haben, und die effektivsten Bestäuber für Pflanzen wie Tomaten, Kürbis und Beeren. Unsere Ergebnisse zeigen, dass wir eine Zukunft mit viel weniger Hummeln und viel weniger Vielfalt vor uns haben, sowohl im Freien als auch auf unseren Tellern.

Biologe Peter Soroye, Biologe an der Universität Ottawa

In der Hoffnung, mit einer rechtzeitigen Vorhersage etwas dagegen tun zu können, entwickelten die Wissenschaftler eine entsprechende Methode: Sie dokumentierten, in welchen Regionen tatsächlich extreme Wetterereignisse wie z.B. Hitzewellen und Dürren auftreten. Gleichzeitig sollen die Temperaturtoleranzen der einzelnen dort einheimischen Arten betrachtet werden. Anhand der Hummel hat das Team um den Biologen Peter Soroye das Szenario bereits ermittelt:

Wir haben eine neue Methode entwickelt, mit der wir für jede Hummelart einzeln feststellen können, ob der Klimawandel in den einzelnen Regionen für Temperaturen sorgen wird, die höher sind, als es die Hummel verkraften kann. Und daraus schlussfolgern wir dann das lokale Aussterberisiko.

Dr. Tim Newbold, Universität von Ottawa

Hummeln sterben dort, wo es zu heiß ist

Anhand von Daten zu 66 verschiedenen Hummelarten in Nordamerika und Europa, die über einen Zeitraum von 115 Jahren (1900-2015) gesammelt worden waren, untersuchten die Biologen, wie sich die einzelnen Populationen verändert hatten: Wo es bestimmte Arten früher gab und wo es sie noch heute gibt. Dabei stellten sie fest, dass sie vor allem in Gebieten, in denen die Temperaturen gestiegen sind, ausgestorben sind.

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Hummel im Anflug auf die Blüte einer Jelängerjelieber in einem Garten im Saalekreis
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Auf dieser Grundlage können wir jetzt Veränderungen sowohl für einzelne Hummelarten als auch für ganze Hummelgemeinschaften mit einer überraschend hohen Genauigkeit vorhersagen.

Peter Soroye, Biologe

Soroye sieht in diesem Ergebnis den Anfang für weitere Vorhersagemöglichkeiten, das Prognoseinstrument funktioniere nicht nur für Hummeln sehr gut, es könne theoretisch auf alle Organismen angewendet werden. Er geht sogar noch einen Schritt weiter:

Wenn wir frühzeitig vorhersagen können, wo genau ein Artensterben droht, können wir es vielleicht verhindern.

Der Klimawandel sei schließlich durch den Menschen verursacht. Und so läge es auch in der Hand des Menschen, bedrohte Arten zu schützen - indem er zum Beispiel den hitzeempfindlichen Hummeln Schutz bietet. In Bäumen, Sträuchern und in Schatten von Hügeln könnten sie Schutz vor der Sonne finden.

Jede Maßnahme, die wir zur Reduzierung der Emissionen ergreifen, wird helfen. Je früher, desto besser.

Prof. Jeremy Kerr, Professor für Makroökologie, Universität Ottawa

Klimawandel nur ein Faktor für Hummelsterben

Und das betrifft nicht nur Maßnahmen gegen den Klimawandel. Denn der ist nicht der einzige Aspekt der in der Studie untersucht wurde, so Prof. Dr. Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Halle in einer Reaktion auf die Untersuchungen.

"Wichtig ist auch noch hervorzuheben, dass die Autoren den Klimawandel als einen der Faktoren für den Rückgang der Bestäubervielfalt untersucht haben,"so Settele, "zugleich aber auch klar machen, dass andere Faktoren hier eine Rolle spielen, insbesondere die Interaktion zwischen Klima- und Landnutzungswandel – ein wichtiger Punkt zur Einordnung der Studie." Denn die intensive Landwirtschaft ist heute der bekannteste Parameter für den Rückgang der Hummeln, so Prof. Dr. Axel Hochkirch, Vorsitzender des Komitees zum Schutz wirbelloser Tiere des Weltnaturschutzverbandes in einer Stellungnahme zur Veröffentlichung.

Link zur Studie

Die Studie mit dem Titel "Der Klimawandel trägt zu einem weit verbreiteten Rückgang der Hummeln auf allen Kontinenten bei" ist im Magazin Science erschienen.

krm

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