Hundertjährige Frau im Dorf Vilcabamba im Tal der Hundertjährigen, Ecuador, Südamerika.
Bildrechte: imago/blickwinkel

Weltbevölkerung So viele Hundertjährige gab es noch nie

Am Tag der Weltbevölkerung haben noch nie so viele Hundertjährige gelebt wie heute. Und ihre Zahl wächst – schneller als die Weltbevölkerung selbst. Das zeigen neue Zahlen, die die UN jetzt veröffentlicht haben.

Hundertjährige Frau im Dorf Vilcabamba im Tal der Hundertjährigen, Ecuador, Südamerika.
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Wenn alle Menschen, die hundert Jahre oder älter sind, in einer einzigen Stadt wohnen würden, dann hätte die fast die Größe von Dresden. Und wenn sie sich auf ein paar Städte verteilen würden, liesen sich die fünf größten Orte Thüringens - Erfurt, Jena, Gera, Weimar und Gotha - nur mit Über-Hundertjährigen bevölkern.

Seit zwanzig Jahren deutlicher Anstieg

533.000 – so viele Menschen, die hundert Jahre oder älter sind, gab es noch nie auf der Welt. Mit 80 Prozent sind die meisten von ihnen Frauen. Das gaben die Vereinten Nationen zum Weltbevölkerungstag bekannt. Gerade im Zeitraum seit der Jahrtausendwende hat es einen deutlichen Anstieg der Hundertjährigen gegeben: Im Jahr 2000 waren es erst etwa 150.000.

Natürlich ist in dieser Zeit auch die Weltbevölkerung gewachsen, jedoch deutlich langsamer. Im Jahr 2000 waren es noch 25 (Über-)Hundertjährige pro eine Millionen Menschen. Im Jahr 2019 sind es bereits 69. Nach den Schätzungen der Vereinten Nationen leben die meisten Menschen über Hundert in den Vereinigten Staaten, gefolgt von Japan, China, Indien und Brasilien.

Allerdings haben diese Länder auch sehr viele Einwohner. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl hat aber Japan die Nase vorn, dort werden die Menschen also besonders alt. Als Tal der Hundertjährigen gilt Vilcabamba in Ecuador, dessen Bewohner besonders alt sein sollen – wissenschaftlich erwiesen ist das jedoch nicht.

Auffällig ist, dass in reichen Ländern besonders viele Menschen mit einem Alter über Hundert leben. Gerade einmal 0,3 Prozent kommen aus Ländern in der unteren Einkommensgruppe. Fast zwei Drittel dagegen aus Ländern mit besonders hohem Einkommen – also Ländern mit einer Gesundheitsversorgung auf hohem Niveau und ausreichender Versorgung mit Nahrungsmitteln.

Und es werden weiterhin mehr, auch in Deutschland: Inzwischen wird hierzulande jedes dritte neugeborene Mädchen das hundertste Lebensjahr erreichen. Das sagt zumindest eine aktuelle Studie des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung. Immerhin: Jeder zehnte heute in Deutschland geborene Junge wird hundert oder älter.

Beim Rezept für ein hohes Alter an erster Stelle steht: Man sollte in einem wohlhabenden Land leben. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Menschen mit hohem Einkommen und damit einer höheren Rente länger leben. Doch gerade die hohe Lebenserwartung in Industrienationen bringt Probleme mit sich. Die Liste ist lang: Wenn Menschen älter werden, braucht es mehr Ärzte und Pflegeangebote. Gleichzeitig, so die Prognosen, sinkt aber auch der Gesamtbevölkerungsbestand.

In Sachsen etwa konnten seit der Deutschen Wiedervereinigung nur die Metropolen Dresden und Leipzig signifikante Zuwächse erzielen. Das ostsächsische Jonsdorf hingegen hat eine Bevölkerung, die im Durchschnitt zehn Jahre älter ist. Großstädte mit 500.000 Hundertjährigen wird es aller Wahrscheinlichkeit nach zwar erstmal nicht geben. Die Zahlen zeigen aber: Wir kommen dem Szenario einer Seniorenstadt immer näher.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 28. Juni 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2019, 00:45 Uhr