Ig-Nobelpreis Forschung zu Geld-Bakterien und Briefträger-Hoden ausgezeichnet

Die Harvard-Universität in Boston hat die kuriosesten Forschungen mit dem "renommierten" Ig-Nobelpreis für 2019 ausgezeichnet. Geld gab's nicht, aber Applaus für Windelmaschinen und Kratz-Genuss-Messung.

Eine Fotomontage aus Nahaufname von US-Dollarnoten und einer Lupe, die Bakterien vergrößert.
U.a. US-Dollarnoten sollen besonders gefährliche Bakterien verbreiten Bildrechte: imago/STPP, fStop Images, Science Photo Library (M, MDR)

Muss man untersuchen, welche Temperaturunterschiede im Bereich des Hodensacks bei nackten und angezogenen französischen Briefträgern bestehen? Nein. Kann man aber, haben sich Roger Mieusset und Bourras Bengoudifa schon vor über zehn Jahren gedacht – aus welchen Beweggründen auch immer – und dafür jetzt den Ig-Nobelpreis in der Kategorie Anatomie erhalten.

Deutschland punktet mit fast erfolgreicher Lächel-Forschung

Auch Wissenschaftler aus Deutschland haben sich erfolgreich um eine Auszeichnung bemüht: Der Würzburger Psychologie-Professor Fritz Strack hat herausgefunden, dass es einen glücklicher macht, wenn man mit einem Stift im Mund lächelt – und schließlich entdeckt, dass das doch nicht so ganz stimmt. Den Preis gab's trotzdem.

Dokument auf dem das Patent der Windelwechselmaschine zu sehen ist, inkl. Strichzeichnung der Maschine, die an einen Geschirrspüler erinnert.
Erinnert irgendwie an eine Spülmaschine: Patent der Windelwechselmaschine Bildrechte: Screenshot

Bei den Ig-Nobelpreisen werden auch Erfindungen geehrt, die selbst Dipl.-Ing. Daniel Düsentrieb vor Neid gehörig erblassen ließen. In der Kategorie Technik gewann dieses Jahr eine Gerätschaft aus dem Iran, mit der sich das Wickeln von Babys automatisieren lässt. Wohl gedacht für Eltern, die sich den Nachwuchs etwas geruchsneutraler vorgestellt haben.

Andreas Voss (l) und sein Sohn Timothy Voss, aus den Niederlanden erhalten den Ig-Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften für die Prüfung, welches Papiergeld das beste bei der ܜbertragung gefährlicher Bakterien ist.
Andreas Voss (l.) und Sohn Timothy haben Papiergeld auf Bakterienfreundlichkeit untersucht Bildrechte: dpa

Geld aus Rumänien und den USA ist besonders pfui

Regelrecht sinnvoll erscheint dagegen die Forschung dreier Niederländer, die untersucht haben, welches Papiergeld aus welchem Land am besten gefährliche Bakterien verbreitet. Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem US-Dollar und rumänische Leu besonders dafür prädestiniert sind.

Alle weiteren Ig-Nobelpreisträger 2019

Medizin: Ein Wissenschaftler aus Italien und den Niederlanden hat Beweise gesammelt, dass Pizza, die in Italien hergestellt und gegessen wird, gegen Krankheiten und Tod schützt.

Medizinische Lehre: Wissenschaftler aus den USA haben die einfache Tier-Training-Technik names "Clicker Training" dafür benutzt, Chirurgen beizubringen, orthopädische Operationen durchzuführen.

Biologie: Wissenschaftler aus Frankreich haben festgestellt, dass tote magnetisierte Kakerlaken sich anders verhalten als lebende magnetisierte Kakerlaken.

Chemie: Wissenschaftler aus Japan haben haben das tägliche Spucke-Volumen geschätzt, das ein typisches fünfjähriges Kind produziert. 500 Milliliter übrigens.

Physik: Ein internationales Forschendenteam hat untersucht, warum Wombats würfelförmig kacken.

Frieden: Ein weiteres internationales Team an Wissenschaftlern hat versucht, den Genuss beim Kratzen einer juckenden Körperstelle zu messen.

Ig-Nobelpreis (offiziell Ig® Nobel Prize) ist ein Wortspiel mit dem englischen Wort ignoble, das unwürdig bedeutet. Die Preise wurden bereits zum 29. Mal verliehen und sollen "das Ungewöhnliche feiern und das Fantasievolle ehren". Für Ehre ist allerdings wenig Zeit: Die Reden der Wissenschaftler dürfen nur sechzig Sekunden dauern. Wer länger braucht, wurde dieses Jahr von einem achtjährigen Mädchen mit den Worten "Bitte aufhören, ich langweile mich" unterbrochen. Während der Zeremonie fliegen Papierflieger durch die Luft, auf der Bühne werden Sketche und bizarre Kurzopern gezeigt. Wie jedes Jahr reisten auch diesmal wieder echte Nobelpreisträger an.

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2019, 14:49 Uhr

0 Kommentare

Liebe Nutzer*Innen, wir haben unseren Kommentarbereich weiter entwickelt! Grundlage dafür waren auch die vielen konstruktiven Hinweise von Ihnen, wie z.B. zu doppelten Nutzernamen und das direkte Antworten auf einzelne Kommentare. Um nun mitzudiskutieren, registrieren Sie sich mit einer funktionierenden E-Mail-Adresse und klicken den Bestätigungslink an. Dann sollte es schon losgehen.
Einmal eingeloggt, können Sie in allen kommentierbaren Artikeln bei MDR.DE mitdiskutieren, können Ihre Kommentare verwalten und jederzeit einsehen. Wir können besser in die Diskussion kommen, Kommentare können von Ihnen bewertet und auch beantwortet werden, es ist ein übersichtlicherer Austausch möglich. Kommentare funktionieren in allen modernen Browsern. Gegebenenfalls müssen Sie ihren Browser aktualisieren.