zwei hechelnde Wölfe auf einer Wiese
Europäische Grauwölfe sind die größten Hunderatigen Tiere (Canide). Ausgewachsen bringen sie etwa 40 Kilogramm auf die Wage. Verglichen mit gleich schweren Deutschen Schäferhunden haben sie höhere Beine (ihre Schulten sind in etwa 75 Centimetern Höhe). Außerdem haben sie eine gerade Rückenlinie. Das graue Fell kann einen gelblichen, rötlichen oder braunen Einschlag haben, die Unterseiten der Schnauzen und die Kehlen sind deutlich heller gefärbt, die Rückseiten der Ohren rötlich. Bildrechte: IMAGO

Nächstes Ziel Süddeutschland Zahl der Wölfe in Deutschland steigt weiter

Vor 17 Jahren kamen die Wölfe aus Polen wieder nach Deutschland. Die dünn besiedelte Lausitz war nur ihre erste Heimat, inzwischen haben sie sich über ganz Norddeutschland ausgebreitet und werden nun auch in Bayern heimisch.

von Clemens Haug

zwei hechelnde Wölfe auf einer Wiese
Europäische Grauwölfe sind die größten Hunderatigen Tiere (Canide). Ausgewachsen bringen sie etwa 40 Kilogramm auf die Wage. Verglichen mit gleich schweren Deutschen Schäferhunden haben sie höhere Beine (ihre Schulten sind in etwa 75 Centimetern Höhe). Außerdem haben sie eine gerade Rückenlinie. Das graue Fell kann einen gelblichen, rötlichen oder braunen Einschlag haben, die Unterseiten der Schnauzen und die Kehlen sind deutlich heller gefärbt, die Rückseiten der Ohren rötlich. Bildrechte: IMAGO

Wölfe fühlen sich wieder wohl in Deutschland und erobern sich immer neue Lebensräume. Laut dem Natuschutzbund Deutschland (NABU) wurden zwischen dem ersten Mai 2016 und dem 30. April 2017 insgesamt 60 Wolfsrudel in der Bundesrepublik gezählt, das sind 13 mehr als im Jahr zuvor. Die meisten Tiere leben nach wie vor in Sachsen und Brandenburg, wo sie vor knapp 17 Jahren in der Region Lausitz zuerst wieder heimisch wurden. Inzwischen ist die Zahl der Bundesländer mit dauerhaft sesshaften Tieren aber auf sieben gestiegen.

Neben Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen ist nun auch erstmals Bayern offiziell Wolfsland. Dort leben zwei Wolfspaare im Bayerischen Wald und in der Oberpfalz in freier Wildbahn. Nach Schätzungen der Experten gibt es damit inzwischen mindestens 150 bis 160 erwachsene Wölfe in Deutschland. Bei der Zählung gibt es aber große Unsicherheiten: Wild lebende Jungtiere sterben sehr häufig, dadurch gibt es starke Jahreszeitliche Schwankungen.

Hauptgefahr Straßenverkehr

Die Daten zeigen nach Ansicht des NABU eine konstante Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum liege das aktuelle Wachstum leicht unter dem langjährigen Mittel von 33 Prozent pro Jahr, sagte Bundesgeschäftsführer Leif Miller. "Wachstumsraten von rund 30 Prozent sind in der Wildbiologie für Tierarten, die geeignete Lebensräume neu besiedeln, völlig normal und freie Territorien und Lebensräume gibt es genügend in Deutschland", so der Naturschützer.

Aus Sicht der Natürschützer ist vor allem der Straßenverkehr eine Hauptgefahr für die Wölfe, daneben kommt es auch immer wieder zu illegalen Abschüssen. Im aktuellen Monitoringjahr kamen bei Autounfällen insgesamt 47 Wölfe um. Die Zahl der illegalen Tötungen nahm von zwei auf insgesamt fünf zu.

Bei Datenerhebung orientieren sich die Beobachter an den Fortpflanzungszyklen der Wölfe. Die Zählungen finden daher jeweils von Anfang Mai bis Ende April des Folgejahres statt. Zusammengeführt und veröffentlicht werden die Daten dann jeweils im Herbst.

Konflikte mit Schäfern

Die Fläche der Wolfsgebiete dürfte auch in Zukunft weiter wachsen. Da jedes Rudel ein eigenes Territorium beansprucht und gegen andere Wölfe verteidigt, kann nur eine begrenzte Zahl von Tieren in einem Revier leben. Diese Gebiete sind je nach Nahrungsangebot zwischen 103 und 375 Quadratkilometern groß. Werden die Jungtiere geschlechtsreif, verlassen sie das elterliche Territorium und suchen sich eigene Jagdgründe.

Beute finden sie in Deutschland reichlich, weil sich besonders Rehe, Hirsche und Wildschweine in den vergangenen Jahrzehnten stark vermehrt haben. Da die Wölfe allerdings nicht zwischen Wild- und Nutztieren unterscheiden, kommt es immer wieder zum Konflikt mit Tierhaltern, vor allem mit Schäfern. Zwar stellen Nutztiere laut Analysen der Senckenberg-Gesellschaft für Naturkunde gerade einmal ein Prozent der Beute der Raubtiere dar. Deutschlandweit waren das 2016 aber immerhin 862 Schafe. Insgesamt wurden 1086 Nutztiere getötet, darunter sogar 67 Rinder. Die Zahlen zeigen aber auch: Wo es bereits Erfahrungen mit Wölfen gibt, können die Übergriffe auf die Herden reduziert werden.

Alle Länder müssen sich auf Wölfe vorbereiten

In Brandenburg, mit 25 Wolfsfamilien inzwischen Wolfsland Nummer eins, wurden 2016 insgesamt 248 Nutztiere gerissen, das entspricht etwa zehn Tieren pro Rudel, beziehungsweise 1:10. Etwas schlechter ist dieses Verhältnis in Sachsen, wo 18 Wolfsgruppen insgesamt 253 Nutztiere getötet oder verletzt haben. Ein Rudel hat im Schnitt damit etwa 14 Tiere attackiert, eine Quote von 1:14 also, die auch für Sachsen-Anhalt gilt. In Niedersachsen dagegen liegt das Verhältnis bei 1:18. In Schleswig-Holstein, wo es keine dauerhaft sesshaften Wölfe gibt, einzelne, durchstreifende Tiere aber große Schäden angerichtet haben, liegt die Quote sogar bei 0:60.

Das Bundesamt für Naturschutz und Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) empfehlen daher auch den Ländern, in denen es noch keine festen Wolfsterritorien gibt, für die Ankunft der Wölfe vorzusorgen.

Streit um Handlungsempfehlungen

Durch die Ausbreitung der Wölfe werden auch Begegnungen mit den Menschen immer wahrscheinlicher. Die Experten gehen davon aus, dass die Tiere künftig nachts häufiger durch Ortschaften streifen könnten oder bei Begegnungen mit Autos stehen bleiben, statt zu fliehen. Das sei aber normal und in der Regel ungefährlich, heißt es in den Handlungsempfehlungen, die die DBBW vor einer ursprünglich für Mittwoch geplanten Pressekonferenz in Auszügen verschickt hat.

Kritik gab es daran vom Deutschen Jagdverband (DJV), der den Naturschützern Naivität vorwarf und forderte, eine Gewöhnung der Tiere an Menschen müsse unbedingt verhindert werden. "Die Finnen reagieren auf Nahkontakte viel offensiver, Problemwölfe werden erlegt“, sagte DJV-Präsidiumsmitglied Helmut Dammann-Tamke.

Was man bei Begegnungen mit Wölfen tun soll - Verhalten Sie sich bitte ruhig. Bleiben Sie stehen und halten Sie Abstand.
- Laufen Sie nicht weg, sondern gehen Sie langsam rückwärts und sprechen Sie dabei laut.
- Falls der Wolf nicht wegläuft, halten Sie an, schreien Sie ihn an und klatschen in die Hände. Machen Sie sich groß, um ihn einzuschüchtern.
- Wenn Sie mit Hund unterwegs sind, leinen Sie ihn bitte grundsätzlich an und führen Sie ihn nahe bei sich. Sollte sich ein Wolf trotzdem nähern, rufen Sie laut und klatschen Sie in die Hände, um Ihre Anwesenheit deutlich zu machen.
- Bitte locken Sie keine Wölfe an und füttern Sie diese keinesfalls. So verhindern Sie, dass ein Wolf seine natürliche Scheu vor dem Menschen verliert.
- Melden Sie Wolfsbegegnungen an die zuständigen Länderbehörden. Auffälliges Verhalten kann so frühzeitig erkannt werden, so dass, wenn notwendig, entsprechend gegengesteuert werden kann.

Wölfe
Bildrechte: IMAGO

Über dieses Thema berichtet MDR Fernsehen: LexiTV | 13.11.2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2017, 15:51 Uhr