Kind bekommt eine Impfung.
Ein Kind bekommt eine Impfung. Bildrechte: Colourbox.de

Versorgungsprobleme und Imfpskepsis Impfschutz hat weltweit gefährliche Lücken

Die Weltgesundheitsorganisation WHO und das UN-Kinderhilfswerk UNICEF sehen gravierende Impflücken. 2018 erhielten mehr als 20 Millionen Kinder weltweit keine Impfungen gegen Masern, Diphtherie und Tetanus.

von Dietrich Karl Mäurer

Kind bekommt eine Impfung.
Ein Kind bekommt eine Impfung. Bildrechte: Colourbox.de

Mehr als jedes zehnte Kind in der Welt wurde im vergangenen Jahr nicht gegen Masern, Diphtherie, Keuchhusten oder Tetanus geimpft. Das zeigen die Daten, die die Weltgesundheitsorganisation WHO und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF jetzt veröffentlicht haben.

Laut der Direktorin der WHO-Impfabteilung Kate O'Brien zeigen diese Zahlen, dass die Bemühungen, mehr Menschen durch Impfungen vor Krankheiten zu schützen, ins Stocken geraten sind. "Die globale Abdeckung ist nach wie vor hoch, sie liegt bei 86 Prozent, aber sie stagniert im Wesentlichen seit über einem Jahrzehnt", sagt O'Brien.

Wir durchbrechen einfach nicht die Grenze hin zu einer völligen Immunisierung. Und diese Rate ist zu niedrig, um schwere Ausbrüche von Krankheiten zu verhindern.

Kate O'Brien, Direktorin der WHO-Impfabteilung

Den Ärmsten fehlt Impfschutz

Um zu erreichen, dass durch Impfungen abwendbare Krankheiten ausbrechen, sei eine Quote von 95 Prozent nötig, so die WHO. Nicht ausreichend vor Krankheiten geschützt sind vor allem die, die am stärksten gefährdet sind. Das sind Kinder in Ländern, in denen es keine flächendeckenden Gesundheitsdienste gibt, sagt Kate O'Brien.

Die Ungeimpften sind überwiegend die Ärmsten und an den Rand gedrängten, vor allem in den von Konflikten betroffenen Ländern, wo sie die schwersten Gesundheitsrisiken tragen. Wir können sagen, dass etwa die Hälfte der nicht ausreichend geimpften Kinder in 16 armen oder von Konflikten betroffenen Ländern lebt.

Kate O'Brien

Vermeidbare Krankheit Masern

Gemeint sind Staaten wie Afghanistan, die zentralafrikanische Republik, Tschad oder Kongo. Neben Armut und Konflikten gibt es aber auch andere Gründe, warum Kinder nicht geimpft werden. Das zeigt sich bei den Masern. Die WHO sieht im Anstieg der Erkrankungen ein Alarmzeichen, einen Echtzeit-Indikator für den Kampf gegen eigentlich vermeidbare Krankheiten.

Im vergangenen Jahr wurden weltweit fast 350.000 Masern Fälle gemeldet. Das sind mehr als doppelt so viele wie 2017. In der Ukraine, die die höchste Infektionsrate hatte, werden mittlerweile mehr als 90 Prozent der Säuglinge gegen Masern geimpft, eine Quote die für Deutschland normal ist.

Größte Hürde: Verfügbarkeit von Imfpstoffen

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts lag der vollständige Impfschutz gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten nach den Schuleingangsuntersuchungen im Jahr 2017 bei über 93 Prozent. Die Quote für die erste Masern-Impfung lag gar bei 97 Prozent. Dass Impfgegner in den Sozialen Medien ihre Botschaft heute weiter verbreiten als früher, besorgt Kate O'Brien, die Direktorin der WHO-Impfabteilung. "Selbst in reichen Ländern müssen wir über Impfskepsis sprechen und wir sind uns dessen bewusst. Und wir sind besorgt über die Anti-Impf-Bewegung", sagt sie und fügt an:

Aber auch in einkommensstarken Ländern ist die Verfügbarkeit von Impfstoffen durch ungleiche Gesundheitsversorgung oft das größte Hindernis für Eltern, um ihre Kinder impfen zu lassen.

Kate O'Brien

Die WHO-Gesundheitsexpertin sagt, Impfungen seien unglaublich effektiv, sie verhinderten ernste Krankheiten und manchmal den Tod, und jedes Kind der Welt habe einen Anspruch darauf.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 17. Juli 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2019, 14:45 Uhr