Impfung
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Schnupfen ist "Irrtum" des Immunsystems Gibt es bald eine Impfung gegen Erkältung?

Pünktlich mit dem nasskalten Wetter im Herbst suchen sie uns heim: Die Erkältungsviren. Mehr als 300 verschiedene gibt es davon, deshalb war es bislang aussichtslos, mit einem Impfstoff gegen sie anzugehen. Doch nun scheint ein Durchbruch gelungen und der Schutz gegen die lästigen Begleiter durch Herbst und Winter in greifbarer Nähe.

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Eine Spritze vor Beginn der Erkältungssaison könnte uns künftig vor den zwei bis vier Erkältungen pro Jahr schützen, die uns im Durchschnitt heimsuchen. Das glaubt der Wiener Forscher und Allergologe Prof. Rudolf Valenta. Er setzt da an, wo unser Immunsystem derzeit noch versagt: Mit seinem Serum aus einer Eiweiß-Mixtur bringt er unsere Abwehr erstmal auf den richtigen Kurs. Die konzentriert sich nämlich bislang auf das Innere der Rhinoviren. Zum Verhängnis wird uns aber ihr Äußeres, denn mit ihrer Hülle docken sie auf unseren Schleimhäuten an und machen uns krank.

Wer Schnupfen hat, entwickelt Antikörper gegen den falschen Teil des Virus

Prof. Rudolf Valenta, MedUni Wien

So fasst Valenta die Studie seines Teams zusammen. Der falsche Teil, das sind die Oberflächen der Viren und die bestehen aus Eiweißketten. Und genau hier setzt der Professor an: mit seiner Impfung will er die Immunantwort umlenken auf die richtige Stelle des Virus. Eine bestimmte Stelle der Außenhülle, denn die ist bei den meisten Erkältungsviren gleich:

Prof. Rudolf Valenta
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„Das Virus kann es sich nur leisten Unterschiede auszubilden an jenen Oberflächenstrukturen, die es nicht braucht, um die Epithelzellen zu infizieren. Denn würde das Virus jetzt die Bindungsstellen an die menschlichen Zellen stark ändern, dann könnte es nicht mehr infizieren.“

Die Bindungsstelle stellt der Wissenschaftler künstlich aus Proteinen nach. Die hängt er an weiteres Trägerprotein und impft sie in den menschlichen Körper. Der reagiert mit Antikörpern, die nun die richtige Stelle des Virus angreifen. Das Ergebnis: Die Antikörper belegen die Andockstelle, das Virus gelangt nicht in die Schleimhautzellen und kann sich nicht fortpflanzen. Rudolf Valenta geht es aber nicht nur um Schnupfen. Er will vor allem Krankheiten verhindern, die aus einer Erkältung resultieren können, wie Lungenentzündung und Asthma. Einen ersten Prototyp für den Impfstoff hat er jetzt entwickelt. Der muss nun medizinischen Tests unterzogen werden. Es kann also bis zu sechs Jahre dauern kann, bis der Stoff auf dem Markt kommt. Bis dahin bleiben vorerst nur die klassischen Mittel zur Prävention: Händewaschen schützt

Denn: die kühlen Temperaturen sind nach aktuellen Erkenntnissen nicht so entscheidend für eine Ansteckung. Wir bekommen vor allem deswegen zwischen Herbst und Frühling einen Schnupfen, weil wir in dieser Zeit dichter aneinander gedrängt in vollen Bussen und Straßenbahnen sitzen. Mit einem Niesen verbreiten Erkältete Millionen von Erregern. In feuchtwarmen Umgebungen, auf Oberflächen wie Haltegriffen, Türknäufen, Tastaturen oder an Händen können die Viren gut überleben. Reibt man sich dann Nase oder Augen, gelangen die Mikroorganismen in einen neuen Wirt. Als wirksame Vorbeugung empfehlen Mediziner häufiges Händewaschen. Das ist besonders dann sinnvoll, wen man etwa mit dem Bus gefahren oder Türgriffe angefasst hat. Wer auf seine Hygiene Acht gibt, hat sehr gute Chancen, sich nicht anzustecken.

Hausmittel: Wirkung wenig erforscht, schadet aber nicht

Auch im Sommer fahren Menschen mit der Straßenbahn. Warum es trotzdem vor allem in der kalten Jahreszeit zu vielen Ansteckungen kommt, erklärt Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut (RKI): “Viele Immunologen sagen, die Abwehrkräfte sind im Winter generell schwächer.“ Das RKI überwacht unter anderem die Verbreitung von Krankheiten in Deutschland und erfasst im Projekt GrippeWeb Erkältungen in Deutschland. Per Mail geben etwa 3.000 bis 4.000 freiwillige Teilnehmer wöchentlich Auskunft über ihre Gesundheit. Die Daten lassen sich auf die Gesamtbevölkerung hochrechnen. “Aktuell kämpfen etwa 6,5 Prozent der Deutschen mit einer Atemwegserkrankung, das ist für diese Jahreszeit normal“, sagt Glasmacher.

Rhinovirus
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Wer sich angesteckt hat, greift oft zunächst zu Hausmitteln wie Hühnersuppe, Ingwertee oder erwärmtem Bier. Deren Wirkung ist zwar wenig erforscht. Untersuchungen sind hier oftmals schwierig, da die Patienten das jeweilige Mittel am Geschmack erkennen. So lassen sich mögliche Placeboeffekte nicht ausschließen. Allerdings schaden weder Hühnersuppe noch Ingwertee dem Körper. Wenn man ein gutes Gefühl vom Hausmittel der eigenen Wahl bekommt, soll man gerne dazu greifen, raten Experten.

Wenn Sie kein Marathonläufer sind, sparen Sie sich das Geld für das Vitamin C.

Vitamintabletten, etwa Vitamin C, helfen laut Wissenschaftlern hingegen kaum bei der Heilung. “Bei extremen Sportlern wie Marathonläufern scheint das zu helfen. Diese Gruppe hat sehr viele Infekte“, sagt Thomas Kühnlein, Professor für Allgemeinmedizin von der Universität Erlangen/Nürnberg, fügt aber hinzu: "Wenn Sie kein Marathonläufer sind, sparen Sie sich das Geld für das Vitamin C.“

Nasenspray unbedingt einwirken lassen

Anders ist das bei Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol. Sie bekämpfen zwar nicht die Ursache einer Infektion, können aber Symptome lindern. Gleiches gilt für Nasenspray, das aber nur wenige Tage verwendet werden sollte. Andernfalls steigt die Gefahr, davon abhängig zu werden. Mediziner Kühnlein rät, das Spray nicht hochzuziehen. “Dadurch landet es lediglich in ihrem Rachen und der Speiseröhre. Dort schmeckt es nicht gut und wirkt nicht.“ Zudem solle es im Liegen in die Nase gesprüht werden, sonst laufe es wieder heraus. Zehn Minuten einwirken lassen, rät Kühnlein, schon reiche die Wirkung von einmal Sprühen für einen halben Tag.

Dann sollten Sie zum Arzt gehen

Haben Sie sich erst einmal eine Erkältung eingefangen, kann Ihnen auch ein Arzt nicht weiterhelfen. Allerdings klingt die Infektion nach etwa neun bis zehn Tagen von selbst wieder ab. Wer jedoch zusätzlich an chronischen Atemwegserkrankungen leidet, beispielsweise Asthmatiker ist, sollte unbedingt seinen Hausarzt aufsuchen. Hier kann es im Fall einer Infektion mit Rhinoviren zu lebensbedrohlichen Situationen kommen.

Nicht krank werden

Wer noch nicht erkrankt ist, kann möglicherweise auch mit regelmäßigen Saunagängen vorbeugen. Wer mehrere Male pro Woche abwechselnd schwitzt und dann wieder kalt abduscht, klagt oftmals nur sehr selten über Erkältungen. Zwar ist die genaue Wirkung des Hitzebads auf das Immunsystem kaum erforscht. Allerdings sind sich die Experten in einem Punkt einig: Saunieren entspannt und das ist mitunter die beste Vorbeugung gegen einen Schnupfen.

Über diese Thema berichtete MDR Aktuell heute um 6.50 Uhr im Radio | 10.01.2017 | 12:00

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2017, 08:24 Uhr