Überblick Impfungen - welche gibt es eigentlich?

Die Pest hieß "schwarzer Tod", Diphterie "Würgeengel der Kinder" und Mumps waren im Volksmund als "Ziegenpeter" bekannt - Krankheiten mit schweren Verläufen, an denen massenweise Menschen starben. Ab wann wurde eigentlich geimpft?

Einblick in die Geschichte der Pocken-Impfung

Edward Jenner (1749-1823) English physician.
Im späten 18. Jahrhundert beobachtete der britische Landarzt Edward Jenner, dass Menschen, die Kuhpocken gehabt hatten, nicht an Pocken erkrankten. Die Krankheit beginnt mit hohem Fieber und zeigt sich später mit einem pusteligen Hautausschlag. Bildrechte: IMAGO
Edward Jenner (1749-1823) English physician.
Im späten 18. Jahrhundert beobachtete der britische Landarzt Edward Jenner, dass Menschen, die Kuhpocken gehabt hatten, nicht an Pocken erkrankten. Die Krankheit beginnt mit hohem Fieber und zeigt sich später mit einem pusteligen Hautausschlag. Bildrechte: IMAGO
Der Kuhstall, nach George Morland
1796 infiziert Jenner den 8-jährigen James Philipps mit Pustel-Flüssigkeit einer Kuhpocken-Erkrankten. Nach durchlaufener Krankheit infiziert er den Jungen wiederum mit Menschenpocken - und dieser erkrankt nicht. Bildrechte: IMAGO
Zeichnung, mehrere Menschen in einem Raum. Ein Arzt untersucht eine Frau.
Jenners Erkenntnisse sorgten im pockengeplagten 19. Jahrundert für Furore: Seine Vaccination (Vacca -lateinisch: Die Kuh) verbreitet sich rasend schnell. So wurde 1801 die Pockenschutzimpfung in Dänemark und Schweden eingeführt; 1805 erließ Napoleon eine Impfpflicht für Militärangehörige. In den Jahren 1799 und 1802 war praktisch in allen europäischen Zentren die Impfung zugänglich. Bildrechte: IMAGO
Modische Frauen deren Oberarme zur Impfung freigemacht sind, Ende des 19. Jahrhunderts
Erst wird gegessen, danach wird geimpft und sogar die Modemacher der damaligen Zeit machen mit: Die Ärmel der Frauenkleider lassen Platz für den Piks. Bildrechte: IMAGO
Skizze -
Die Einführung der Impfpflicht gegen die Pocken stößt neben Begeisterung auch auf Skepsis, wie diese Skizze aus dem Jahr 1802 zeigt. Philosoph Immanuel Kant warnte beispielsweise, mit den Kuhpocken werde den Menschen auch die "tierische Brutalität" eingeimpft. Bildrechte: IMAGO
Vor einem langgestreckten Gebäude
Im Januar 1967 startete die WHO eine weltweite Kampagne zur Ausrottung der Pocken, wie hier im Bild in Kamerun. Jährlich steckten sich nach damaligen Schätzungeg 15 Millionen Menschen neu an. Es gab zwei Millionen Pocken-Tote. Die Kampagne war aber nicht unumstritten - denn die Impfung hatte teilweise schwerste Nebenwirkungen. Bildrechte: IMAGO
Pockenimpfung Polen
Auch in Polen wird - wie hier im Bild - bis in die 1970er-Jahre gegen Pocken geimpft. In der Bundesrepublik wird die Pocken-Impfpflicht 1983 aufgehoben. Bildrechte: IMAGO
An Pocken erkrankter Junge in Indien, 1975
Ein an Pocken erkranktes Kind in Indien 1975. Ein Jahr später gilt die Krankheit weltweit als ausgerottet. Seither wird nicht mehr gegen Pocken geimpft. Bildrechte: dpa
Impfspritze sticht in Globus
Pockenstämme sind noch in zwei von der WHO kontrollierten Speziallaboren vorhanden. Seit 2002 hält die Bundesregierung Pocken-Impfstoff wieder vor, wegen der möglichen Gefahr eines Anschlages mit Pockenviren. Bildrechte: IMAGO
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Einblick in die Geschichte der Pocken-Impfung

Bildergalerie

Die Forschung zu schweren, ansteckenden Krankheiten hat in den vergangenen Jahrzehnten rasante Sprünge gemacht. Die Zahl der Impfstoffe ist gestiegen, Mehrfachimpfstoffe wurden entwickelt. Wogegen kann man eigentlich inzwischen impfen?

Impfungen - welche gibt es eigentlich? Impfungen - welche gibt es?

Apotheker mit Anti-Diphterie-Serum, historische Illustration/ Stahlstich, 1882
Diphterie - im Volksmund hieß die Krankheit auch "Würgeengel der Kinder": Allein in Deutschland starben im 19. Jahrhundert jährlich ca. 50.000 Kinder an Diphterie. Die Infektionserkrankung wird durch das Gift des Diphterie-Bakteriums ausgelöst. 1913 entwickelte Emil von Behring - der für seine Forschungen 1901 mit dem Nobel-Preis geehrt und geadelt worden war - ein Serum, das den Körper zur Bildung von Immunstoffen anregt. Bildrechte: IMAGO
Apotheker mit Anti-Diphterie-Serum, historische Illustration/ Stahlstich, 1882
Diphterie - im Volksmund hieß die Krankheit auch "Würgeengel der Kinder": Allein in Deutschland starben im 19. Jahrhundert jährlich ca. 50.000 Kinder an Diphterie. Die Infektionserkrankung wird durch das Gift des Diphterie-Bakteriums ausgelöst. 1913 entwickelte Emil von Behring - der für seine Forschungen 1901 mit dem Nobel-Preis geehrt und geadelt worden war - ein Serum, das den Körper zur Bildung von Immunstoffen anregt. Bildrechte: IMAGO
Zeitungskarikatur um 1900 zeigt Chorknaben mit von Mumps geschwollenen Gesichtern
Die Zeichnung aus dem Jahr 1900 zeigt die klassischen Mumps-Symptome: "Hamsterbacken", durch die (schmerzhafte) Schwellung der Ohrspeicheldrüsen. Hinrnhautentzündung und Hodenentzündung bei Jungen können als Komplikationen auftreten. Eine Impfung gegen Mumps wurde 1967 lizenziert. Bildrechte: imago/United Archives International
Grafik, Hepatitis Infektion
Hepatitis A wird fäkal/oral übertragen, beispielsweise über gemeinschaftliche Nutzung von Toiletten oder Handtücher. Symptome sind Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen und Gelbsucht. Ein Impfstoff gegen Hepatitis A wurde 1986 entwickelt. Auch gegen Hepatitis-B, eine Infektionskrankheit der Leber, kann geimpft werden. Bildrechte: IMAGO
Ein an Polio erkrankter Mann steht auf verdrehten Füßen
Deutschland führte die Poliomyelitis-Impfung 1958 ein. Der letzte Erkrankungsfall in Deutschland wurde 1990 registriert. Bildrechte: IMAGO
Illustration Bacterial pneumonia
Pertussis, auch bekannt als Keuchhusten: eine bakterielle Infektionskrankheit der Atemwege. Die starken Hustenanfälle können für Säuglinge lebensbedrohlich sein, Komplikationen wie Lungen- oder Mittelohrentzündung treten manchmal auf. Fälle oder Verdachtsfälle von Keuchhusten sind bei Nutzung von Gemeinschaftseinrichtungen meldepflichtig. Bildrechte: imago/Science Photo Library
Streptococcus pneumoniae auch bekannt als Pneumococcus durch ein Mikroskop betrachtet
Pneumokokken finden sich im Nasenrachenraum des Menschen. Sie können Krankheiten der Atemwege verursachen, wie Nebenhöhlen-, Mittelohr- oder Lungenentzündung. Als gefährdet gelten Säuglinge, Kleinkinder und Senioren. Bildrechte: IMAGO
Die Beinchen von drei Säuglingen
Seit 1990 von der Ständigen Impfkomission empfohlen für Kinder unter 24 Monaten: Der Impfstoff gegen die Haemophilus-influenzae-Typ b. Die Bakterien werden durch Husten und Niesen übertragen; Infektionen können zu Hirnhautentzündung, Entzündung des Kehldeckels, Lungenentzündung oder Blutvergiftung führen. Bildrechte: dpa
Computerillustration Verdauungstrakt des Menschen - Infektion mit Rotaviren
Rotaviren sind die häufigsten Erreger von Durchfallerkrankungen im Säuglings- ud Kleinkindalter. Seit 2006 gibt es einen Impfstoff. Bildrechte: IMAGO
Windpocken
Der japanische Virologe Michiaki Takahashi entwickelte 1970 einen Varizellen-Impfstoff. Dieser wurde 1975 in den USA zugelassen und 2004 von der STIKO in den deutschen Impfplan aufgenommen. Bildrechte: imago/Schöning
Herpes Zoster Gürtelrose
Seit Ende 2013 ist in Deutschland ein Lebendimpfstoff gegen Herpes Zoster - Gürtelrose - für Personen ab
50 Jahren verfügbar und zugelassen. Eine Empfehlung der STIKO gibt es nicht (stand 2014).
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Influenza
Der saisonalen Grippe soll im Winter 2018/2019 ein Vierfach-Wirkstoff vorbeugen. Empfohlen wird die Grippe-Impfung Menschen über 60 Jahren, Personen mit Grunderkrankungen, medizinischem Personal oder anderen, die mit vielen anderen Menschen zu tun haben. Bei gesunden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unter 60 verlaufen Grippeerkrankungen ohne schwere Komplikationen, weshalb die Stiko diesem Personenkreis die Impfung nicht ausdrücklich empfiehlt. Bildrechte: imago/Science Photo Library
Ein junges Mädchen wird geimpft.
Seit 2007 schon für Mädchen empfohlen, jetzt (September 2018) laut Ständiger Impf-Kommission für 9-14 Jahre alte Jungen: Die Impfung gegen Papillomviren soll HPV-assoziierten Tumoren vorbeugen. Bildrechte: Colourbox.de
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Aber längst nicht gegen alle Krankheiten ist ein Kraut gewachsen - und nicht immer wirken die Impfstoffe in erhofftem Maße. An manchen Krankheiten beißt sich die Forschung bis heute die Zähne aus.

Keine Impfstoffe gegen...? Keine Impfstoffe gegen...?

Ein Junge streckt seine Zunge heraus
Die Himbeerzunge - Erkennungsmerkmal für eine Scharlacherkrankung. Eine Impfung gegen diese Angina-Erkrankung gibt es nicht, da es zu viele verschiedene Streptokokken-A-Bakterien gibt. Symptome sind Hals- und Bauchschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Scharlach eine häufige Todesursache von Kindern, wobei vermutlich Komplikationen unbehandelter Infektionen zum Tode führten. Bildrechte: IMAGO
Ein Junge streckt seine Zunge heraus
Die Himbeerzunge - Erkennungsmerkmal für eine Scharlacherkrankung. Eine Impfung gegen diese Angina-Erkrankung gibt es nicht, da es zu viele verschiedene Streptokokken-A-Bakterien gibt. Symptome sind Hals- und Bauchschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Scharlach eine häufige Todesursache von Kindern, wobei vermutlich Komplikationen unbehandelter Infektionen zum Tode führten. Bildrechte: IMAGO
Computerdarstellung eines HI-Virus
An einem Impfstoff gegen das HIV-Virus wird noch geforscht. Jährlich werden noch immer 1,8 Millionen Neuinfektionen registriert, etwa eine Million Menschen sterben jährlich an der Immunschwäche. Bildrechte: Colourbox.de
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Die Himbeerzunge eines scharlachkranken Jungen
Bildrechte: IMAGO