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Impfung in Indien: Auch in den Gebieten, die sehr stark von früheren Corona-Wellen betroffen waren, ist die Bevölkerung noch weit von der Herdenimmunität entfernt. Das könnte die aktuell dramatische Lage besser erklären, als die neue Corona-Variante B.1.617. Bildrechte: imago images/Hindustan Times

Covid-19

Indische Corona-Variante B.1.617: Wie wirksam sind die Impfungen?

Stand: 30. April 2021, 10:24 Uhr

Mediziner beruhigen in Bezug auf die neue indische Corona-Mutation B.1.617: Erste Daten deuten auf eine gute Wirksamkeit von Impfungen hin. Die aktuelle Infektionswelle in Indien habe andere Ursachen.

Das Milliardenland Indien kämpft aktuell mit einer dramatischen Welle neuer Covid-19-Fälle, in den Kliniken fehlt es an Sauerstoff und das Gesundheitssystem steht am Rande des Zusammenbruchs. Zugleich taucht eine neue Mutation des Sars-Coronavirus-2 auf: B.1.617. Schnell lag die Frage auf der Hand: Hat diese neue Variante möglicherweise die Lage verschärft? Kann sie schon aufgebauten Immunantworten entkommen und so für viele Zweit- oder sogar Drittinfektionen sorgen? Neue wissenschaftliche Daten geben hier aber eher Anlass zur Beruhigung.

Keine Anzeichen für Immune-Escape

Forscher um Pragya Yadav vom Nationalen Institut für Virologie in Indien haben Blutproben von Menschen mit durchgemachter Infektion oder mit Impfung im Labor analysiert und mit der neuen Virusvariante konfrontiert. In allen analysierten Blutseren befanden sich genügen Antikörper, die die neuen Coronaviren neutralisieren konnten. Die Patienten hatten zuvor entweder eine Erkrankung mit früheren Virusvarianten durchgemacht oder den indischen Totimpfstoff Covaxin (BBV152) erhalten. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in einer noch nicht begutachteten Studie.

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"Wenn es sich bestätigt, sind die Daten aus dieser Veröffentlichung äußerst ermutigend. Sie deuten darauf hin, dass es keine Immunflucht gibt", kommentierte Professor Carlos Guzman vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig die Ergebnisse. "Die Variante B.1.617 wird von Antikörpern neutralisiert, die bei Personen vorhanden sind, die nach Infektionen mit dem ursprünglichen Virus und in Europa zirkulierenden Varianten genesen sind oder von den Antikörpern, die durch COVID-19-Impfstoffe stimuliert werden." Auch Professor Leif-Erik Sander, Infektiologe an der Berliner Charité sieht durch die neuen Daten keine Gefahr für den Erfolg der Impfkampagne. "Ein Grund zur Sorge, dass die Impfungen durch diese Virusvariante ihre Wirksamkeit verlieren, besteht aktuell nicht."

Indien war noch weit von Herdenimmunität entfernt

Warum es in Indien derzeit zu einer starken Infektionswelle kommt und das Gesundheitssystem am Rande des Kollapses steht, dafür könnte es eine Reihe von anderen Ursachen geben, sagt Andreas Bergthaler von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Es gebe "verschiedene Umstände wie Öffnungsmaßnahmen inklusive Massenveranstaltungen und ein überfordertes Gesundheitssystem, die sicherlich auch einen größeren Einfluss haben als die Mutationen".

Der Virologe und Corona-Experte Christian Drosten weist im NDR Podcast "Coronavirus-Update" zudem darauf hin, dass selbst in solchen Gebieten Indiens, wo sich sehr viele Menschen schon bei der ersten Welle mit Corona angesteckt hätten, die Bevölkerung noch weit von einem Zustand der Herdenimmunität entfernt gewesen sei. So könne man aktuell in den am schlimmsten betroffenen Gebieten, also etwa in sehr dicht besiedelten, armen Stadtvierteln mit schlechter Hygiene, von einer Immunität von etwa 34,6 Prozent der Bevölkerung ausgehen, die Antikörper im Blut habe. "Man könnte nicht mal dort sagen, dass man in der Nähe einer Herdenimmunität wäre", so Drosten. So betreffen aktuell stattfindende Infektionen wohl in erster Linie Menschen ohne jede Immunität. Immunisierte seien nur zu einem kleinen Teil betroffen.

(ens/smc/ndr)

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