Covid-19 Omikron: Inkubationszeit nur 3,4 Tage - Viruslast viel höher

Warum ist Omikron so ansteckend? Zwei neue Studien zeigen: Trotz Corona Impfung atmen Omikron Infizierte viel mehr Viren aus als bei anderen Corona Varianten und die Inkubationszeit vom Omikron ist auf 3,4 Tage gesunken.

Messapparature namens "Gesundheit-II" - eine Frau steht vor einem großen Metalltrichter in den sie ihr Gesicht gesteckt hat.
Eine mit Omikron infizierte Testperson atmete hier die höchsten Virenmengen aus: Mit der Testapparatur 'Gesundheit-II' maßen die Forschenden die ausgeatmete Virenmenge von Probanden. Bildrechte: University of Maryland School of Public Health

Egal ob BA.1, BA.2 oder aktuell BA.5 Alle Untertypen der Omikron-Variante des Coronavirus haben sich bisher viel stärker verbreitet als Virusvarianten wie der Wildtyp, Alpha oder Delta zuvor. Zwei neue Studien zeigen nun auch warum. Demnach ist es nicht nur die Möglichkeit der Mutante, die durch vorangegangene Infektionen oder Impfungen aufgebaute Immunität zu umgehen. Infizierte atmen auch deutlich mehr Viren aus. Weil zudem die Inkubationszeit kürzer geworden ist, werden Angesteckte wiederum selbst schneller infektiös für andere.

Inkubationszeit von 5 Tagen bei Alpha auf 3,4 Tage bei Omikron gesunken

Bei Omikron liegen im Durchschnitt nur 3,4 Tage zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Infektion. Zu diesem Ergebnis kommt eine Metastudie, für die ein Team chinesischer Forschender Daten von insgesamt 8.112 Patientinnen und Patienten aus 142 Studien zusammengefasst und ausgewertet hat. Bei der Alphavariante lag die Inkubationszeit noch bei 5 Tagen. Bei Beta (der ersten Immune-Escape-Variante aus Südafrika, die aber in Deutschland nie richtig ankam) betrug sie im Schnitt 4,5 Tage und bei Delta 4,4.

Im Fachblatt JAMA Network Open berichten die Wissenschaftler allerdings auch, dass es große Abweichungen geben kann, je nachdem wie alt die Patienten waren. Die Spannweite der Zeiten zwischen Ansteckung und Virusnachweis reichte demnach zwischen 1,8 Tagen und 18.8 Tagen.

Studie: Mehr Daten für Alpha als für Omikron

Zu den Aussagen muss allerdings einschränken gesagt werden, dass die Inkubationszeit auch von Impfungen oder vorangegangenen Infektionen beeinflusst wird. Je besser ein Immunsystem einen Krankheitserreger kennt, desto eher setzt es sich dagegen zur Wehr, was sich auch in einem früheren Beginn der Symptome ausdrücken kann.

Außerdem war die Datenlage für die verschiedenen Virusvarianten sehr unterschiedlich. Für die Alphavariante lag eine Studie mit insgesamt 6.374 Patienten vor, bei Beta war es hingegen nur eine mit zehn Patienten. Bei der Deltavariante konnten die Forschenden auf sechs Studien mit 2.368 Patienten zugreifen, bei Omikron auf fünf mit 829 Patienten.

Sars-Coronavirus-2 benötigt mehr Zeit zum Ausbruch als andere Atemwegserreger

Aufgrund dieser ungleichen Verteilung ergab sich über alle Studien hinweg eine durchschnittliche Inkubationszeit von 6,5 Tagen. Je nach Altersgruppe zeigten sich aber große Unterschiede: Kinder unter 18 Jahren hatten im Schnitt über alle Varianten hinweg mit 8,8 Tagen eine etwas längere Inkubationszeit, danach kamen Senioren über 60 Jahren mit 7,43 Tagen.

Covid-19 brauche damit vergleichsweise lang, schreiben die Autoren. Eine von einem humanen Coronavirus (HCoV) hervorgerufene Erkältung zeige sich im Schnitt schon 3,2 Tage nach der Ansteckung, eine Infektion mit Parainfluenza nach 2,6 Tagen und eine mit Rhinoviren bereits nach 1,4 Tagen. Das vor allem für Kinder gefährliche RS-Virus führt im Schnitt innerhalb von 4,4 Tagen zu Krankheitssymptomen.

Alle Testpersonen waren vollständig geimpft oder sogar geboostert

Während die durch Studien beobachtete Inkubationszeit also im Lauf der Pandemie immer kürzer geworden ist, hat die Virusmenge, die Infizierte ausatmen, offenbar deutlich zugenommen. Zu diesem vorläufigen Ergebnis kommen US-Forschende von der University of Maryland, die zwischen Juni 2020 und März 2022 insgesamt 93 infizierte Testpersonen gewinnen konnten. Die Studie ist allerdings noch nicht begutachtet und unabhängig geprüft worden.

Alle Testpersonen hatten nur milde oder teilweise auch gar keine Symptome, waren vollständig geimpft und teilweise auch bereits geboostert. Einige waren mit den ursprünglichen Virusvarianten infiziert, andere mit Alpha, Delta und Omikron. Neben Abstrichproben aus dem Rachen, Spucktests und einer Blutprobe mussten die Infizierten auch für einige Minuten in einen großen Trichter atmen, rufen und singen.

Mit Hilfe dieses an der Universität entwickelten Geräts, das den deutsch klingenden Namen "Gesundheit-II" trägt, maßen die Wissenschaftler die Viruslast in kleinen Luftpartikeln, Fachbegriff Aerosole. Das Laborgerät konnte dabei grobe und feine Aerosole unterscheiden. Letztere maßen im Durchmesser fünf Mikrometer oder weniger. Das ist klein genug, dass die Partikel lange in der Luft stehen können, ohne zu Boden zu fallen und außerdem klein genug, um viele Arten von Stoff, etwa bei Kleidung oder manche Masken zu durchdringen.

Versuchsperson mit Omikron: 1.000 Mal mehr Viren im Atem als andere Infizierte

Die Tests zeigten, dass die Menge der ausgeatmeten Viren im Verlauf der Virusevolution deutlich zugenommen hatte. Besonders interessant an dieser Stelle: Bei den mit Delta und Omikron infizierten Testpersonen fanden sich in den feinen Aerosolen bis zu fünf Mal mehr Viren als in den groben Partikeln. Die Person, die mit Abstand am meisten Viren ausatmete, war mit Omikron infiziert gewesen. Sie hustete etwa 1.000 mal so viel virale RNA in den Trichter, wie andere Testpersonen vor ihr. Allerdings war bei ihr der Husten auch am stärksten ausgeprägt.

Die Forschenden konfrontierten schließlich auch Zellkulturen mit einigen Aerosolproben aus der Trichter-Apparatur. Dabei konnten vier der Proben die Zellen infizieren, woraus die Forschenden schlossen, dass die Versuchspersonen ansteckend für andere waren. Alle vier Proben enthielten entweder die Delta- oder die Omikronvariante.

Virusmenge im Atem: Bei Corona ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht

Die Forschenden verglichen zudem die Virenmengen in Aerosolen mit denen von Patienten mit Influenza. Dabei zeigte sich: Mit dem Coronavirus infizierte Personen atmeten weniger virale RNA aus, als solche, die mit Influenza angesteckt waren. Daraus schließen die Autoren, dass Corona durchaus noch viel ansteckender werden könnte.