Studie Intelligente Kinder sind nicht moralischer

Von besonders intelligenten Kindern wird oft erwartet, dass sie sich auch besonders anständig verhalten. Das liegt vielleicht an dem Glauben, der oder die verstehe schon, dass man bestimmte Dinge nicht macht. Falsch, sagt jetzt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt/M.. Zwischen Intelligenz und Moral gibt es bei Kindern keinen Zusammenhang.

von Katja Schmidt

Gleichaltrigen die Süßigkeiten wegnehmen, nicht teilen oder sogar andere hänseln. Das macht man nicht! Für Erwachsene ist das klar und Kinder lernen das – so nach und nach. Doch welche Rolle spielt die Intelligenz dabei? Lernen besonders intelligente Kinder dieses Moralverhalten schneller? Oder gilt eher:  Hoher IQ, niedriger EQ, also emotionaler Quotient? Weder noch, sagt Studienleiterin Hanna Beißert vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung.

Beides lässt sich eben nicht zeigen. Wichtig dabei ist auch im Hinblick auf Hochbegabtendiskussionen, dass sich hochbegabte Kinder nicht in ihrer moralischen Entwicklung unterscheiden, also wir finden gar keine Abhängigkeit zur Intelligenz.

Hanna Beißert, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung

In einer Studie haben sie und ihr Team 129 Grundschüler untersucht. Zuerst mussten die Kinder einen standardisierten IQ-Test machen, dann wurden ihnen Bildergeschichten vorgelegt, in denen die Hauptfiguren moralische Regeln brachen - zum Beispiel mit einem bedürftigen Kind nicht teilen, die Süßigkeiten von Gleichaltrigen stehlen, deren Sachen verstecken oder jemanden hänseln. Die Grundschüler sollten nicht nur die Taten bewerten, sondern sich auch in Opfer und Täter hineinversetzen.

Wichtig dabei war vor allem, dass wir uns immer ganz ausführliche Begründungen von den Kindern haben geben lassen. Denn aus der Bewertung oder der Emotion lässt sich noch nicht so viel schließen. Die Motivation ist ganz wichtig, um zu verstehen, ob die Antwort wirklich moralisch ist.

Hanna Beißert

Und dabei kamen bei besonders intelligenten Kindern keine anderen Ergebnisse heraus als bei Gleichaltrigen. Die Studie von Hanna Beißert fällt deswegen so ins Auge, weil andere Studien mit Jugendlichen und Erwachsenen durchaus gezeigt haben, dass es einen Zusammenhang zwischen Intelligenz und moralischen Urteilen gibt. Studien, deren Methodik man hinterfragen muss, sagt Beißert. Denn dabei wurde zum Beispiel die Intelligenz nicht direkt gemessen.

Man hat sich dabei an Förderstichproben bedient, das heißt Sommercamps für Hochgebabung. Das Problem dabei ist, dass diese Sommercamps als Aufnahmeprüfung keinen IQ-Test haben, sondern die Lehrer einfach  Schüler vorschlagen. Studien haben gezeigt, dass sie dabei oft Schüler vorschlagen, die besonders fleißig sind oder gute Noten haben, was aber nicht unbedingt mit der Intelligenz zusammen fallen muss.

Hanna Beißert

Diese methodischen Fehler wollte Hanna Beißert mit ihrem Team ausschließen. Ob ihre Erkenntnisse, auch auf andere Altersgruppen zutreffen, müssen weitere Forschungen zeigen.

Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell im Radio | 04.02.2017 | 16:48 Uhr

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Mira Langhammer 5 min
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Zuletzt aktualisiert: 12. September 2017, 14:12 Uhr