Raumfahrt Internationale Raumstation: Russland steigt doch erst später aus

Gerade erst hatten sich die USA und Russland geeinigt, wieder gegenseitig Astronauten und Kosmonauten zur ISS zu bringen. Am Dienstag (29.07.) hatte der neue Chef der russischen Weltraumorganisation Roskosmos, Juri Borissow, jedoch erklärt, dass Russland 2025 aus dem Projekt aussteigen wolle. Jetzt machte Roskomos einen Rückzieher vom Rückzieher.

Die Internationale Raumstation schwebt in 400 Kilometern Höhe über der Erde. Das Bild wurde 20. Februar 2010 vom Spaceshuttle "Endeavour" aufgenommen.
Die Interbationale Raumstation ISS. Geplant war das Ende 2031. Kommt es jetzt früher? Bildrechte: NASA

Update 29.07.2022

Russland wird sich nach Angaben der US- Raumfahrtbehörde Nasa doch bis mindestens 2028 weiter an der Internationalen Raumstation (ISS) beteiligen. Dies habe man von den russischen Kollegen erfahren, sagt die hochrangige Nasa-Managerin Kathy Lueders der Nachrichtenagentur Reuters. "Auf Arbeitsebene gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass sich etwas geändert hat", sagt sie weiter. Die Agentur erklärte mit Verweis auf weitere Nasa-Mitarbeiter, dass Russland erst seine eigene Raumstation betriebsbereit haben wolle. Roskosmos-Chef Juri Borisow hatte am Dienstag (26.07.) erklärt, Russland habe die Zusammenarbeit mit der Nasa gekündigt und werde sich nach 2024 aus der ISS zurückziehen.

Meldung 26. Juli

Ende 2031 – so lange soll die Internationale Raumstation ISS noch die Erde umkreisen, bevor sie nach den Plänen der Nasa kontrolliert abstürzt. Ob diese Pläne die nächsten Tage überstehen, ist derzeit ungewiss. Denn Russland beendet die Zusammenarbeit und steigt nach 2024 aus der ISS aus. Das erklärte der neue Chef der russischen Weltraumorganisation Roskosmos, Juri Borissow, bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Waldimir Putin. "Natürlich werden wir alle unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Partnern erfüllen, aber die Entscheidung über den Ausstieg aus dieser Station nach 2024 ist gefallen", sagte Borissow laut der Organisation. Putin hatte ihn zuvor als Nachfolger von Dmitri Rogosin eingesetzt.

Rogosin hatte die Zusammenarbeit mit den USA auch angesichts politischer Spannungen zwischen Moskau und Washington im Zuge des Krieges in der Ukraine zuletzt immer wieder in Frage gestellt. Borissow sagte bei dem Treffen mit Putin, dass bis zum Ausstieg aus der ISS mit dem Bau einer russischen Raumstation begonnen werden solle. Die ISS war zuletzt in die Jahre gekommen und hatte immer wieder wegen Pannen für Aufsehen gesorgt.

Erst Raumfahrt-Sanktionen, dann neue Zusammenarbeit

Rogosin hatte zuvor nicht ausgeschlossen, das russische Modul von der ISS abzukoppeln und eigenständig weiter zu betreiben. Dabei deutete er auch eine mögliche Nutzung der Station zur militärischen Erdbeobachtung an. Nach dem von Kremlchef Putin befohlenen Angriffskrieg gegen die Ukraine haben westliche Länder auch Sanktionen gegen die russische Raumfahrtindustrie verhängt.

Allerdings hatten sich die USA und Russland erst am 14. Juli 2022 darauf geeinigt, mit sogenannten Kreuzflügen gegenseitig wieder Astronauten und Kosmonauten zur Station zu fliegen. Die Mitteilung darüber erfolgte zeitgleich mit der Information über die Absetzung Rogosins.

Nasa: Wir sind nicht offiziell informiert

"Die Nasa ist nicht auf Entscheidungen von irgendeinem der Partner hingewiesen worden", sagte Nasa-Chef Bill Nelson der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag (Ortszeit). Aktuell ziert die Seite der Raumfahrtbehörde die Geschichte der Internationalen Raumstation und ihres Nutzens für die Menschheit. Zitat: "Diese aktualisierte Ausgabe konzentriert sich auf die zahlreichen Vorteile des Mikrogravitationslabors und hebt bahnbrechende Entdeckungen hervor, die der Gesellschaft helfen, Technologien, die für die zukünftige Weltraumforschung getestet wurden, neue wissenschaftliche Durchbrüche und Beiträge zur wachsenden Wirtschaft im erdnahen Orbit (LEO)."

(gp/dpa/nasa)

19 Kommentare

dimehl vor 9 Wochen

Ergänzung:
Ja, es wäre möglich gewesen:
Der SS-Sturmbannführer (!) Wernher von Braun hätte unter anderen Umständen seine Raketen auch weiter in Deutschland gebaut.
Der 1. bemannte Raketenflug fand kurz vor Kriegsende 1945 in Deutschland statt: Projekt Natter (Quelle: ZDFinfo Doku - Projekt Natter - Hitlers Wunderwaffe)
Im Rahmen von kontrafaktischer Geschichte sind solche Überlegungen auch schon angestellt worden ...

Anni22 vor 9 Wochen

Ja Matthi und das Space Shuttle Programm der USA ist natürlich heute noch erfolgreich ;-)?! Offensichtlich war das Space Shuttle nicht das richtige Konzept....

Klarheit vor 9 Wochen

und wieder falsch, bzw. verdreht- Lieferverträge scheinen bei Ihnen nur zu gelten wenn wir etwas haben wollen - EU/USA haben alle möglichen Lieferverträge sanktioniert und ausgesetzt ..... Stahl, Kohle ,Hopfen, Koks ........ Lieferverträge hin oder her ....