Ilustration -  Ein Satellit im Weltraum über einem Planeten.
Bildrechte: imago/Ikon Images

Start von OneWeb Statt 5G: Internet über Satellit

5G ist die neue, noch schnellere Internetzukunft – durch hohe Frequenzen aber mit sehr geringer Reichweite. Große Flächen können schlecht versorgt werden. Internet über Satellit ist genau das Gegenteil. Die neue Generation ist gestartet.

Ilustration -  Ein Satellit im Weltraum über einem Planeten.
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Internet über Satellit. Das klingt ein bisschen futuristisch, ein bisschen behäbig und vor allem ein bisschen teuer. Und das ist es auch – der letzte Ausweg für die, die außerhalb der Ballungsräume auf schnelles Internet hoffen und mit DSL und LTE nicht weiterkommen. Ein kleiner Markt mit entsprechenden Preisen: Für Geschwindigkeiten, die gerade mal so das Prädikat Breitband verdient haben, werden hohe monatliche Grundpreise fällig, oft mit beschränktem Datenvolumen und Hardware bis 500 Euro.

Dabei könnte Satelliteninternet die Lösung für das Datenversorgungsproblem sein: Sahara, Patagonien und Altmark wären problemlos erreichbar. Eine hohe Dichte an Mobilfunkstationen, so wie bei 5G, ist nicht notwendig. Aus diesem Grund erhält die Idee vom Weltrauminternet jetzt einen neuen Schub mit den ersten OneWeb-Satelliten, die am 27. Februar 2019 ins All geschossen wurden.

Kleiner, leichter, tiefer

Das Model eines ''OneWeb''-Satelliten (goldener Kasten mit zwei Solarzellenflügel) an einer Eisenstange.
Modell eines OneWeb-Satelliten Bildrechte: imago/ZUMA Press

Anders als das Internet über geostationäre Satelliten in 35.000 Kilometern Höhe, soll die neue Generation in eine niedrigere Erdumlaufbahn von nur 1.200 Kilometern gebracht werden. Und zwar in Massen. Die Satelliten dafür sind kleiner und leichter, deshalb passen auch mehrere in eine Rakete.

Ganz ohne Bodenempfänger geht es aber auch hier nicht, zumindest solange Smartphones nicht mit Satellitenempfang ausgestattet sind. Die Stationen auf der Erde sollen aber mit Solarstrom funktionieren und können nicht nur ein WLAN-Signal, sondern auch ein 3G-, LTE- oder 5G-Signal senden. Dort, wo Netzbetreiber nicht ausbauen, bauen sich Nutzer also ein eigenes mobiles Internet.

900 Satelliten sollen's werden

Die Sojus-Rakete mit den ersten der von Airbus gebauten OneWeb-Satelliten startete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana. Insgesamt 900 Satelliten sollen es werden. Doch schon vorab werden kritische Stimmen zur möglichen Internetqualität laut. Durch die Nähe zur Erde ist die Verzögerung zwar geringer als beim bisherigen Satelliteninternet. Aber:

Die Funkfrequenzen dürften relativ hoch sein. Das heißt, Wetterbedingungen wie Nebel oder Wolken können die Empfangsbedingungen beeinflussen.

Roland Bless Karlsruher Institut für Technologie
Die App zeigt auch die Teilung der Welt aus Perspektive der Netzabdeckung. Westliche Länder sind besonders gut versorgt.
Die App "White Spots" zeigt, dass vor allem westliche Länder und dichtbesiedelte Regionen gut mit mobilem Internet versorgt sind. Bildrechte: White Spots

Ob die Datenrate überhaupt mit 5G mithalten kann, ist ungewiss. Weitere Kritikpunkte sind die kurze Lebenszeit der Satelliten und der dadurch entstehende Weltraumschrott. Wie groß die Hoffnung aber ist, den letzten Winkel unseres Planeten mit erschwinglichem Internet zu versorgen, zeigt auch das Engagement anderer Unternehmen. Telesat-Leo aus Kanada will ab 2022 einen ähnlichen Service anbieten. Und auch Elon Musks SpaceX ist mit dem Starlink-Projekt dran. Hier ist von tausenden Satelliten die Rede, von denen bereits die ersten im All getestet werden.

Wie OneWeb indes das Internet zum Endkunden bringen möchte, ist noch unklar. Von direkten Verträgen bis hin zur Nutzung über den Mobilfunkanbieter ist einiges denkbar. Und vor allem eines sicher: Wer dem Internet in den nächsten Jahrzehnten ab und zu entkommen will, hat nicht mal im All eine Chance.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Februar 2019 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2019, 15:58 Uhr