Waschbären
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Invasoren Jede Woche werden zehn neue Arten eingeschleppt

Die Globalisierung läuft auch in der Pflanzen- und Tierwelt. Jede Woche werden weltweit zehn neue Arten in Gebieten entdeckt, in die sie eigentlich nicht gehören. Das zeigt eine Untersuchung eines internationalen Forscherteams der Universität Wien. Nur bei Säugetieren und Fischen ist die Tendenz rückläufig. Offenbar zeigen "Schwarze Listen" wie die von der EU aus dem vergangenen Jahr doch Wirkung.

Waschbären
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Waschbär, Grauhörnchen, Mungo und Co. In Europa unerwünscht – im vergangenen Sommer hatte die EU eine Schwarze Liste sogenannter invasiver fremder Arten aufgestellt. Darauf waren 37 verschiedene Pflanzen und Tiere, deren weitere Ausbreitung in Europa nachhaltig bekämpft werden soll, da sie die einheimische Artenvielfalt stark bedrohen. Zumindest bei Fischen und Säugetieren zeigt diese Praxis offenbar Wirkung. Das belegt die Studie eines internationalen Forscherteams, die in der Fachzeitschrift "Nature Communications“ veröffentlicht wurde.

Jenseits dieser Tiere aber bleibt die Invasion ungebrochen. Und der Mensch ist der größte Artenschlepper. Pflanzen, Tiere, Insekten, Mikroben – durch die Globalisierung verbreiten wir meist unabsichtlich im Schnitt jede Woche rund zehn Arten in Gebiete, in die sie nicht gehören. Um das zu belegen untersuchten die Forscher um Dr. Franz Essl vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien die weltweite Ausbreitung von tausenden fremden Tier- und Pflanzenarten.

Wir fanden ein erstaunlich deutliches Muster der globalen Ausbreitung nichtheimischer Arten. Besonders viele Arten kommen aus Gebieten, die etwa 10.000 Kilometer vom Ort der Einschleppung entfernt sind – das entspricht ungefähr einem Viertel des Erdumfangs. Im Gegensatz dazu stammen die meisten importierten Güter aus den direkten Nachbarstaaten, die deutlich näher liegen. Diese Diskrepanz konnten wir uns anfangs nicht erklären.

Dr. Franz Essl, Ökologe, Universität Wien

Um Antworten zu finden erstellten die Wissenschaftler eine Datenbank mit über 45.000 Funden von fast 17.000 Arten. Dann entwickelten sie ein Computermodell, das die internationalen Handelsströme mit der Verteilung der Arten auf der Welt kombinierte und somit die globalen Muster der Ausbreitung fremder Arten sehr gut erklärt.

Es zeigte sich, dass nichtheimische Arten über vergleichsweise lange Distanzen eingeführt werden; während über kurze Distanzen unter etwa 3.000 km hauptsächlich jene Arten transportiert werden, die im Zielland auch vorkommen. Hier spiegeln die globalen Ausbreitungsströme der Arten sehr gut die globalen Handelsströme wider.

Dr. Franz Essl, Ökologe, Universität Wien

Dies gilt allerdings nur für die Ersteinfuhr einer Art. Wenn sich eine fremde Art einmal außerhalb ihrer eigentlichen Heimatregion aufhält, kann sie auch über kurze Distanzen andere Regionen erreichen. Die Ausbreitung von nichtheimischen Arten ist ein komplexer Prozess und die Datenlage ist alles andere als vollständig. "Von daher ist es umso erstaunlicher, dass die Ausbreitung mit einfachen Modellen erklärt werden kann", meint auch der Erstautor der Studie, Hanno Seebens vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt. Dies lässt hoffen, dass die Einschleppung fremder Arten in Zukunft mit Hilfe solcher Modelle nicht nur besser verstanden, sondern auch effizienter reduziert werden kann.

Über dieses Thema berichtete LexiTV im Fernsehen | 16.08.2016 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2017, 17:01 Uhr