Studie Kletterer - immer auf der Suche nach dem nächsten Kick?

Bouldern hat sich zur olympischen Disziplin mit Regeln und Vereinen gemausert. Das Image des Sports prägen immer extremere Bilder von Kletterern im Freien - ist die Kletterszene echt ein Volk von Süchtigen?

Eine Kletterin an einer Felswand.
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Innsbruck beherbergt derzeit die Weltmeisterschaft der Kletterer, 2020 ist Klettern sogar erstmals Olympische Disziplin. Allerdings ist das Bild der Sportart bisher geprägt von spektakulären Bildern und Schlagzeilen professioneller Extremkletterer wie Alex Honnold, der beispielsweise im Yosemite National Park schwierigste Routen bewältigt hat, wie die fast 1.000 Meter hohe Felswand "El Capitan", die er in Rekordzeit sogar ungesichert und ohne technische Hilfsmittel erkletterte.

Suchen Kletterer immer extremere Situationen?

Aber suchen tatsächlich alle Kletterer wie Alex Honnold das Extrem, den ultimativen Kick und das Risiko, wenn sie sich ihre Kletterrouten in der Natur aussuchen? Forscher der Universität von Catania in Italien haben sich genau das näher angesehen. Anhand von 32 ausgewählten Kletterspots auf Sizilien befragten sie Mitglieder verschiedener Kletterclubs nach ihren Präferenzen und erhoben dabei unter anderem Daten zu Trainingsgewohnheiten, Erfahrung und Kletterfähigkeiten. Die Wissenschaftler kommen anhand dieser Daten zu einem ganz anderen Ergebnis, wie das Magazin "Risk Analysis: An International Journal" berichtet: Kletterer, die in der Natur unterwegs sind, bevorzugen demnach Spots mit verschiedenen Routen, moderatem Risiko und reizvollen Aussichten. Die Auswahl der Kletterroute wird von vielen Kriterien beeinflusst, zum Beispiel von der Erreichbarkeit und Anreise-Kosten, Beliebtheit der Felsens in der Kletterer-Szene oder ihrem landschaftlichen Reiz.

Klettern gegen Depressionen

Dass Klettern neben dem Adrenalin-Kick noch einen ganz anderen Effekt auf den Körper haben kann, hatte Dr. Katharina Wittenberger von der Universität Erlangen 2017 herausgefunden: Sie stellte fest, dass Klettereinheiten das Selbstwertgefühl bei schwer depressiven Menschen besonders positiv beeinflusst. Die Uniklinik Erlangen arbeitet auf Basis dieser Ergebnisse inzwischen an einer Therapiemethode, die Elemente aus dem Klettersport bei der Behandlung von Menschen mit Depressionen einsetzt. Die Auswertung der ersten Therapieergebnisse soll es 2019 geben.

Sieben Frauen und Männer betreiben Boulder-Sport in der Halle.
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Dieses Thema im Programm: Biwak | 16. Juli 2018 | 14:30 Uhr