Russlands Krieg in der Ukraine Amerikanisch-russisch-deutsche Crew – wie geht es auf der ISS weiter?

Eine Astronautin und drei Astronauten von der Nasa aus den USA, zwei russische Kosmonauten von Roskosmos und ein deutscher Esa-Astronaut – reden die sieben Crew-Mitglieder der aktuellen ISS-Expedition 66 über das, was gerade in der Ukraine passiert? Und wie geht es mit der Station weiter? Nasa, Esa und Roskosmos haben Stellung bezogen.

Selfie auf der ISS - die neue Crew auf der Raumstation
Die neue ISS Crew im November 2021, Happy together (v.l.): Roskosmos-Kosmonaut, Pyotr Dubrov, Thomas Marshburn (Nasa), Anton Shkaplerov (Roskosmos), Raja Chari (Nasa), Mark Vande Hei (Nasa), Kayla Barron (Nasa), Matthias Maurer (Esa). Bildrechte: NASA TV

Bis Anfang März ist die Internationale Raumstation ISS wieder mit bloßem Auge am Himmel sichtbar. Immer morgens vor Sonnaufgang können wir in Mitteldeutschland bei gutem Wetter die Station als strahlenden Stern über den Himmel rasen sehen. In diesen Tagen allerdings mischt sich die Freude über dieses unglaubliche Projekt, das nun schon über zwanzig Jahre bemannt um den Planeten kreist, mit den Sorgen über die Entwicklungen auf der Erde.

Wie reagiert die internationale Crew auf den russischen Einmarsch in die Ukraine? Reden die Crew-Mitglieder aus den USA und Russland noch miteinander und mit dem deutschen Astronauten Matthias Maurer? Die Twitter-Accounts geben dazu wenig her. Die offiziellen ISS-Kanäle und auch die der Nasa-Crew und der von Matthias Maurer berichten über die aktuelle Forschung.

"Wir wünschen allen einen friedlichen Himmel"

Auch Kosmonaut Anton Shklaperov retweetet auf Twitter den Bericht von Roskosmos über die aktuelle Forschungsergebnisse auf der Station. Der Tweet zum Tag der Verteidiger des Vaterlandes am 23. Februar kommt dagegen als stolzes Werbe-Video der russischen Streitkräfte daher. Auch wenn darüber die Worte stehen: Freunde, wir wünschen euch allen einen friedlichen Himmel, Gesundheit und viel Glück!

Herrscht jetzt Eiszeit auf der Station?

Die ESA lässt die Frage noch unbeantwortet. Aktuelle Bilder einer Zusammenarbeit der russischen Kosmonauten mit dem anderen Teil des Teams gibt es nicht. Das letzte Bild, das in der Nasa-ISS-Galerie auch einen russischen Kosmonauten zeigt, stammt vom 28. Dezember. Darauf zu sehen sind der Nasa-Astronaut Mark Vande Hei und der Roskosmos-Kosmonaut Pyotr Dubrov. Beide testen gerade am Computer ein Notfallevakuierungsverfahren für den (unwahrscheinlichen) Fall, dass sie schnell an Bord des Sojus MS-19 Raumschiffs gehen, abdocken und zur Erde zurückkehren müssten.

Zwei Männer schweben zwischen technischer Ausrüstung.
Nasa-Astronaut Mark Vande Hei (hinten) und Roskosmos-Kosmonaut Pyotr Dubrov bei einer Notfallübung am Computer. Bildrechte: NASA/Mark Garcia

Laut Nasa und Roskosmos keine Folgen für die ISS

Auch die Nasa äußert sich nicht dazu, wie die Besatzung mit den aktuellen Ereignissen umgeht, sieht derzeit allerdings zumindest keine Folgen für den Betrieb der ISS. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters äußerte sich Nasa-Sprecher Dan Huot in einer Mail. "Der laufende Stationsbetrieb wird fortgesetzt. Dazu zählen auch die Bemühungen, die Besatzung zum orbitalen Außenposten zu fliegen und sie sicher zur Erde zurückzubringen."

Die russische Weltraumbehörde Roskosmos teilte der Agentur Tass zufolge am Donnerstag mit, sie werde ihre internationalen Verpflichtungen erfüllen. Dazu gehörten der Unterhalt der Internationalen Raumstation ISS und Flüge dahin.

Roskosmos-Chef: Erst Drohungen, dann Analysen

Der Chef der russichen Weltraumagentur Dmitri Rogosin selbst schlug am Donnerstag auf Twitter andere Töne an und drohte in Richtung USA, dass die Sanktionen dem Land im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf fallen könnten. Schließlich würde die Station von russischen Triebwerken in der Umlaufbahn gehalten. Nach einer wahren Tirade (Rogosin benutze den Begriff Alzheimer-Sanktionen) beruhigte sich Rogosin am Freitag wieder etwas, kündigte aber an, die die neuen US-Sanktionen genau zu analysieren, "um unsere Reaktion detailliert zu beschreiben".

Früherer Esa-Chef: Die ISS ist ein Friedensprojekt

Europas früherer Raumfahrtchef Jan Wörner hatte zuvor gesagt, er hoffe trotz des russischen Einmarschs in die Ukraine auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Westen bei der Erforschung des Weltalls. "Ich hoffe, dass Raumfahrt am Ende über den geopolitischen Schwierigkeiten steht. Auch im Kalten Krieg gab es etwa das Ankoppeln eines Apollo- und eines Sojus-Raumschiffs 1975", sagte Wörner der Deutschen Presse-Agentur. Der 67-Jährige leitete von 2015 bis Februar 2021 die Europäische Raumfahrtbehörde Esa in Paris.

Wörner sprach sich für eine Verlängerung des Betriebs der Internationalen Raumstation ISS aus. "Die ISS ist ein Friedensprojekt. Inmitten der Spannungen um die russische Annexion der Krim 2014 war damals Alexander Gerst mit einen russischen und einem US-amerikanischen Kollegen im All. Das war mehr als symbolisch. Raumfahrt kann eine Brücke zwischen Nationen sein", sagte der jetzige Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften.

Am Freitag (25.2.) äußerte sich auch der aktuelle Esa-Chef Josef Aschbacher zum Thema. Er sagt auf Twitter, dass die zivile Zusammenarbeit im Weltall, ungeachtet des aktuellen Konflikts, eine Brücke sei und die Esa an allen derzeit Programmen festhalten werde, auch der ISS- und der ExoMars-Startkampagne, an denen Russland beteiligt ist

Kann man sich aus dem Weg gehen?

Die Station ist groß. Nicht nur außen (109 mal 51 mal 73 Meter), auch innen ist genug Platz, wie ein aktuelles Video zeigt, das Matthias Maurer gerade aufgenommen hat. Ein Panorama-Blick in 360 Grad, in dem er durch das europäische Columbus-Labor, das japanische Kibo-Modul und die Crew-Dragon-Kapsel fliegt, ohne ein anders Crew-Mitglied zu treffen. Das russische Wohnmodul Swesda (Stern) ist genau am entgegengesetzten Ende der ISS, direkt neben Sarja (Morgenröte), dem ersten Modul der Station.

Vielleicht denken Sie daran, wenn Sie die Internationale Raumstation in den kommenden Tagen am Himmel beobachten. Als Beispiel hier einige Zeiten für Mitteldeutschland (konkret Halle), an denen die ISS besonders gut zu sehen sein wird (vorausgesetzt, das Wetter spielt mit).

Beginn der Sichtbarkeit, Himmelsrichtung aus der die ISS kommt, maximale Höhe über dem Horizont und Länge der Sichtbarkeit:

26.02. 06:17:26 Uhr, West, max. Höhe 89°, 6:44 Minuten sichtbar

27.02. 05:30:59 Uhr, West-Südwest, max. Höhe 82°, 4:50 Minuten sichtbar

28.02. 06:17:29 Uhr, West, max. Höhe 86°, 6:45 Minuten sichtbar

01.03. 05:30:53 Uhr, West, max. Höhe 66°, 4:58 Minuten sichtbar

02.03. 06:17:32 Uhr, West, max. Höhe 78°, 6:43 Minuten sichtbar

gp/dpa

Eine Collage, die den Raketenstart einer Crew Dragon von SpaceX und den ESA-Astonauten Matthias Maurer zeigt. Maurer soll mit der Crew-3 Mission zur ISS fliegen. 3 min
Bildrechte: MDR, ESA, NASA, SpaceX
3 min

Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer fliegt zur Internationalen Raumstation ISS. Im Gepäck hat er die Himmelsscheibe von Nebra.

Mo 01.11.2021 10:57Uhr 02:35 min

https://www.mdr.de/wissen/audios/Matthias-Maurer-fliegt-mit-der-Himmelsscheibe-zur-ISS-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

5 Kommentare

wo geht es hin vor 17 Wochen

Man sollte vielleicht mal in Betracht ziehen, daß sämtliche Kriegstreiber auf diese Station geschossen werden sollten. Dort müssen die dann entweder miteinander klarkommen, oder sie dürfen nicht wieder auf die Erde zurück. Die kleinen Leute und eigentlichen Verlierer auf allen Seiten wären bestimmt dankbar....

Matthi vor 17 Wochen

Es ist zwar aktuell schwer für die Russischen Astronauten die vielleicht auch gegen den Krieg sind, aber sie vertreten Russland international und damit kann, sollte es keine Ausnahmen bei Sanktionen geben. Russland sollte international wegen dem Krieg in allen Bereichen geächtet werden.

Atheist vor 17 Wochen

Diese Leute sind die einzigen Normalen in dieser Zeit.
Es geht um Wissenschaft und das ist ihr Beitrag zum Frieden.
Raushalten aus Politik, das Erfolgsmodell der iss