Jagdzecke Hyalomma
Bildrechte: Universität Hohenheim / Marco Drehmann

Hyalomma Tropische Jagdzecke überwintert in Deutschland

Nicht schön: Die tropische Jagdzecke Hyalomma hatte offenbar keine Probleme mit dem Winter 2018/2019. Es wurden schon wieder etliche Exemplare gefunden, die nicht per Zugvogel gekommen sein können. Aber die Forschung ist den Blutsaugern auf der Spur - und auf das wachsame "Adlerauge" von Tierbesitzern angewiesen.

Jagdzecke Hyalomma
Bildrechte: Universität Hohenheim / Marco Drehmann

Mehrere Exemplare der tropischen Hyalomma-Zecke haben offenbar den Winter in Deutschland überlebt. Wie die Uni Hohenheim berichtet, wurden aus Nordrhein-Westfalen fünf und aus Niedersachsen ein Fund an das Forschungsinstitut gemeldet. Professor Dr. Ute Mackenstedt ist Spezialistin für diese Spezies, sie geht davon aus, dass die Parasiten hier überwintert haben. Dafür spreche, dass die Funde zeitgleich, nach drei sehr heißen Tagen erfolgt seien. Die Wärme könnte die Hyalommas ziemlich gleichzeitig  aktiviert haben.

Kamen die per Zugvogel?

Die ersten Exemplare, die hier gefunden wurden, kamen mit den Zugvögeln. Warum sollten die jetzt gefunden Exemplare dann überwintert haben? Mackenstedt hat dafür eine ganz einfache Erklärung: "Wenn man den Entwicklungszyklus zurückrechnet, hätten die Zecken zu einem Zeitpunkt eingeschleppt werden müssen, als die Zugvögel noch gar nicht da waren." Die dienen den jungen Zecken in ihren Entwicklungsstadien als Larven und Nymphen als Wirtstier, bevor sie sich einfach abfallen lassen.

Ist die Jagdzecke hier jetzt also heimisch?

Bedeuten die Funde, dass Jagdzecken hier heimisch geworden sind? Nicht zwingend, denn damit sich eine Population entwickeln kann, müssten sich Männchen und Weibchen finden, erklärt Parasitologin Mackenstedt. Und das sei schwierig bei einer kleinen Population. Dass die gefährlichen Virenüberträger bislang auf Pferden gefunden wurden, heißt übrigens nicht, dass die deren einziger Wirt sind: Die sind einfach nur die vom Menschen am besten gepflegten und überwachten Wirtstiere. Aber auch Rinder oder Schafe sind als Wirte denkbar.

Wann wurden die erstmals hier gefunden?

2015 und 2017 waren in Deutschland die ersten einzelnen Exemplare gefunden worden, 2018 insgesamt 35 solcher Superzecken nachgewiesen, sogar von zwei verschiedenen Hyalomma-Arten: Die Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes. Beide leben ursprünglich in den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südosteuropas. Sie gelten als Viren-Überträger für verschiedene Krankheiten, darunter das für den Menschen gefährliche Krim-Kongo-Fieber.

Den Biestern europaweit auf der Spur

In der der Schweiz wurden übrigens schon im Jahr 1975 Funde solcher Zecken beschrieben, eine systematische Erfassung gab es dort seither aber nicht. In Frankreich gab es 2008 erstmals wissenschaftlich erfasste Larvenfunde im Süden des Landes, ab 2015 dann vermehrt Funde der adulten Zecken. 2017/2018 haben französische Forscher erstmals das Zecken-Vorkommen auf 80 Pferdehöfen erfasst - gefunden wurden sie in verschiedenen mediterranen Gebieten, mit Hotspots in Perpignan und Montpellier, keine dagegen in der Camargue. In Spanien wurden 2010 erste Exemplare registriert. Nachdem 2016 ein Mann nach einem Hyalomma-Biss am Krim-Kongo-Fieber gestorben war, über den sich auch noch eine Krankenschwester infiziert hatte, ließ die spanische Regierung das Zeckenvorkommen auf der iberischen Halbinsel erforschen. Fündig wurde sie vor allem bei Widltieren, zumeist Hirschen.

In Deutschland heften sich inzwischen Spezialisten der Universität Hohenheim an die Fersen der Blutsauger. Sollten Sie eine Hyalomma entdecken, dann schicken Sie sie an die Uni. Denn dort können die Spezialisten testen, ob und welche Viren sie in sich tragen, heißt es auf der Zecken-Webseite der Uni. Ob es sich um eine Hyalomma- handelt, kann vorab mit einem Foto per mail an tropenzecken@uni-hohenheim.de geklärt werden.

Was tun mit der Zecke? Datenblatt zur Zecke: mit Fundort, Funddatum, Ihrer Anschrift, Kontaktdaten und Hinweis worauf Sie die Zecke gefunden haben.

Lebt die Zecke noch, geben Sie sie in ein kleines, luftdichtes Gefäß zusammen mit einem frischen Grashalm. der versorgt die Zecke mit Feuchtigkeit und verhindert, dass sie beim Transports vertrocknet.

Ist die Zecke tot, schlagen Sie sie in etwas Papier und ein Stück Luftpolsterfolie ein. Kleben Sie das alles von außen mit Tesafilm zu.

Wichtig: Die Zecke darf nicht von Tesafilm oder anderen Klebern berührt werden. Das erschwert die Untersuchung und Bestimmung.

Die verpackte Zecke schicken Sie am besten in einer Luftpolstertasche an:
Prof. Dr. Ute Mackenstedt
Fachgebiet für Parasitologie 220B
Emil-Wolff-Straße 34
70599 Stuttgart-Hohenheim

Was unterscheidet sie vom heimischen Holzbock?

Der hiesige Holzbock und seine Verwandten sind blind und passiv, wenn es um seinen Wirt geht. Sie harren auf Blättern und Gräsern auf, bis ein Wirt vorbeikommt, an den sie sich klammern können. Zecken vom Typ Hyalomma dagegen gehen aktiv auf Wirtssuche und legen dabei Strecken von 100 Metern zurück. Sie verdanken ihren Augen ihren Namen – hyalos, griechisch für Glas, und omma für Auge. Auf großen tierischen Wirten werden bis zu 100 Tiere gefunden, männliche und weibliche Zecken vermehren sich auf ihrem Wirt, wobei eine männliche Zecke mehrere Weibchen begattet. Befruchtete Weibchen verlassen ihr Wirtstier und legen bis zu 7.000 Eier im Boden ab und sterben. Die Larven schlüpfen nach 20 bis 40 Tagen, ihre Wirtstiere wiederum sind Hasen, Igel und Ratten.

Die Zecken Gemeiner Holzbock und Hyalomma marginatum liegen nebeneinander.
Die Zecken Gemeiner Holzbock und Hyalomma marginatum liegen nebeneinander. Bildrechte: Lidia Chitimia-Dobler/Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN Brisant | 22. August 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2019, 13:08 Uhr

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