Nachwuchswettbewerb Jugend forscht: Bundesfinale mit 169 Nachwuchsforschenden – Mädchen in der Unterzahl

Die besten Nachwuchsforscherinnen und -forscher des Jahres aus den einzelnen Bundesländern stehen seit dem Frühjahr fest – jetzt geht es in die Bundesrunde. Dabei sind dreißig Teilnehmende aus Mitteldeutschland. Am 26.5. startet das Finale des großen MINT-Wettbewerbs. Wer Deutschlands beste Jungforscherinnen und -forscher sind, zeigt sich dann am Sonntag, 30. Mai.

Zwei Schülerinnen bei einem Laborexperiment. Eine trägt Schutzbrille und hält ein Reagenzglas, beide betrachten es. Im Vordergrund Pipette und Proben in Gläsern mit Deckel.
Naturwissenschaften sind genauso Mädchensache – im Bundeswettbewerb Jugend forscht sind die Teilnehmerinnen aber in der Unterzahl. Bildrechte: Stiftung Jugend forscht e.V.

Wer bestimmt in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die Schlagzeilen von MDR WISSEN? Würden wir auch gern wissen, neugierig wie wir sind. Der kommende Sonntag könnte da schon mal einen guten Anhaltspunkt bieten. Bereits zum 56. Mal werden dann die besten MINT-Nachwuchsforscherinnen und -forscher der Republik gekürt. Das Thema des diesjährigen Wettbewerbs ist in dieser Zeit auch gesellschaftlich allgegenwärtig: "Lass Zukunft da". Unter diesem Motto haben fast 9.000 Kinder und Jugendliche ihre über 5.000 Projekte eingereicht.

In den darauffolgenden Regional- und Landeswettbewerben konnten sich schließlich 169 Teilnehmende mit insgesamt 113 Projekten fürs Finale durchsetzen. Diese Zahlen sind darauf zurückzuführen, dass es neben zahlreichen Einzeleinreichungen auch eine Reihe von Forschungsprojekten gibt, an denen zwei oder drei Schülerinnen und Schüler beteiligt waren. Insgesamt dreißig der Finalistinnen und Finalisten kommen aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Während die Zahl männlicher Teilnehmer in fast allen Bundesländern überwiegt und damit nach wie vor ein altes Rollenklischee im MINT-Bereich repräsentiert, bilden Thüringen (65 Prozent weiblich) und Sachsen (50 Prozent weiblich) hier eine Ausnahme. In Baden-Württemberg sind immerhin noch 46 Prozent weiblich, in Brandenburg, Hessen und im Saarland tritt hingegen keine einzige Teilnehmerin an. Zwar lag die Mädchenquote mit vierzig Prozent im vergangenen Jahr deutlich höher. Trotzdem ist die weibliche Unterzahl ein ungebrochenes Muster, das sich auch in den aktuellen Zahlen des MINT-Nachwuchsbarometers widerspiegelt. Demnach sind z.B. nur ein Viertel der Studierenden, die ein Ingenieurwissenschaftliches Studium beginnen, Frauen. Genau so hoch ist der Anteil an Schülerinnen, die Physik als Leistungskurs in der Schule wählen.

Geo- und Raumwissenschaften bei den Mädchen beliebt

Interessanterweise liegt bei der Fachgebietswahl der Mädchen nicht der Klassiker Biologie vorn. Die meisten Teilnehmerinnen entschieden sich für den Bereich Geo- und Raumwissenschaften, gefolgt von Chemie. Bei den Jungs stehen Technik und Mathematik/Informatik hoch in Kurs. Wobei Jungs und Mädchen vielleicht das falsche Wort ist. So sind die meisten Teilnehmenden zwischen 17- und 19 Jahren alt. Aber auch 13- und 20-Jährige haben sich mit ihren Projekten qualifiziert. Teilnehmen dürfen alle von der vierten Klasse bis 21 – Studierende allerdings nur, wenn sie ihr Studium gerade erst aufgenommen haben.

Dass die Festlichkeiten in diesem Jahr digital ausfallen, muss wohl kaum noch erwähnt werden. So wird die Preisverleihung am Sonntag zwar auf zahlreiche private Räumlichkeiten ausgelagert, immerhin können Interessierte sich dafür aber in einem virtuellen Ausstellungsrundgang die Projekte aller Finalistinnen und Finalisten zu Gemüte führen, ohne extra anreisen zu müssen.

flo

Jugend forscht … gibt's schon seit 1965 – zumindest im ehemaligen Westen der Republik. Stern-Chefredakteur Henri Nannen hat damals dazu aufgerufen. Das Sternlogo befindet sich bis heute im Jugend forscht-Logo. Der erste gesamtdeutsche Wettbewerb fand im Mai 1991 statt. Mit fast 12.300 gab es 2014 die bisher meisten Teilnehmenden.

Alle Finalist/-innen aus …

Jugend forscht, drei junge Männer im Labor 6 min
Bildrechte: Stiftung Jugend forscht e. V.

Von 3D-Druckverfahren für menschliche Ohrmuscheln über autonome Fahrzeugmodelle bis hin zu neuen Ideen zur mobilen Feinstaubmessung - junge Forscher aus Mitteldeutschland gehen mit starken Projekten ins Bundesfinale.

MDR KULTUR - Das Radio Do 08.04.2021 10:51Uhr 05:30 min

https://www.mdr.de/wissen/audios/jugend-forscht-mitteldeutsches-finale-zweitausendeinundzwanzig-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

5 Kommentare

ralf meier vor 26 Wochen

Hallo MDR, in dem von mir zitierten Zeit Artikel geht es nicht um meine persönliche Wahrnehmung, sondern um statistisch relevante Fakten. Ich möchte Ihnen diesen Artikel umbedingt empfehlen.

MDR-Team vor 26 Wochen

@ralf meier,
es ist wunderbar, dass Sie Erfahrungen gemacht haben, die von Gleichstellung und Gleichberechtigung zeugen. Leider sind persönliche Wahrnehmungen nicht auf die Allgemeinheit anwendbar. Und dass Frauen noch immer nicht gleichgestellt sind, zeigen in vielen Berufen die Gehälter oder auch aktuelle Studien zur Care-Arbeit während der Pandemie. Das schließt selbstverständlich nicht aus, dass Frauen sich bewusst für eher traditionelle Rollen entscheiden. Doch auch in diesem Punkt ist die Frage, ob sie das tun, weil sie es so vorgelebt bekommen haben.

ralf meier vor 26 Wochen

Hallo MDR, sie behaupten, 'dass Frauen, die sich für Karriere statt Kinder entscheiden noch immer auf Intoleranz und Unverständnis stoßen.' Also ich denke da eher an den umgekehrten Fall, Stichwort 'Herdprämie'. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung bestätigen, das junge Frauen in der Oberstufe sehr wohl bestärkt werden, MINT Berufe zu ergreifen und als ehemaliger Physik Student hätte ich diesen Bemühungen wirklich gerne mehr Erfolg gewünscht. Vielleicht ist es aber immer noch so, wie im Zeitartikel 'Schlecht, schlechter, Geschlecht' vom 06.06.2013 beschrieben'. Zitat: 'Das Geschlechter-Paradox besteht darin, dass sich in freien Gesellschaften mit ausgeprägten Frauenrechten nicht weniger, sondern mehr Frauen für angeblich typische Frauenberufe entscheiden, soziale oder kreative Berufe. Wenn Frauen die Wahl haben, tun sie eben nicht das Gleiche wie die Männer. Sie werden, ohne Druck, im Durchschnitt lieber Ärztin, Lehrerin oder Journalistin als Ingenieurin...' .