Sport Sport-Nebenwirkungen: Jungen profitieren anders

Wie hängen Ballspielen in der frühen Kindheit und Depressionen in der mittlereren Kindheit zusammen? Auf den ersten Blick kaum, auf den zweiten schon. Das hat ein Forschungsteam in Montreal herausgefunden.

Junge mit Fußball
Nebenwirkungen von Sport sind bei Jungen anders als bei Mädchen, sagt eine Studie aus Kanada. Bildrechte: IMAGO / Wavebreak Media Ltd

Sport als Grundlage für seelische und körperliche Gesundheit, das klingt nicht wirklich neu. Aber wirkt sich Sport in frühen Kindertagen unterschiedlich auf die Entwicklung von Jungen und Mädchen aus? Gibt es einen Zusammenhang zwischen emotionalem Stress in der Kindheit und körperlichen Aktivitäten - und welche Rolle spielt dabei das Geschlecht? Das hat ein Forschungsteam aus Montreal untersucht und einen spannenden Unterschied zwischen Jungen und Mädchen aufgedeckt. Nämlich: Jungen, die schon als kleine Steppkes Sport treiben, haben in der mittleren Phase der Kindheit weniger mit Depressions- und Angstsymptomen zu kämpfen.

Die Studie beleuchtet langfristige und wechselseitige Beziehungen zwischen der Teilnahme an Sport und depressiven bzw. Angstsymptomen bei Kindern. Außerdem wollte das Forschungsteam um Doktorandin Marie-José Harbec herausfinden, ob es zwischen Jungen und Mädchen im Alter von fünf bis zwölf Jahren einen Unterschied gibt in der Beziehung zwischen sportlicher Betätigung und emotionalem Stress.

Professorin Linda Pagani: "Wir fanden heraus, dass fünfjährige Jungen, die nie Sport getrieben hatten, im Alter zwischen sechs und zehn Jahren häufiger unglücklich und müde aussahen, Schwierigkeiten hatten, Spaß zu haben, viel weinten, sowie ängstlich oder besorgt wirkten." Außerdem zeigte sich der Wissenschaftlerin zufolge, dass Jungen, die in der mittleren Kindheit stärker depressive und ängstliche Symptomen zeigten, als Zwölfjährige weniger körperlich aktiv waren. Bei Mädchen dagegen wurden keine keine signifikanten Veränderungen festgestellt.

Was war die Datenbasis?

Eltern von 690 Jungen und 748 Mädchen hatten die wöchentlichen Sportaktivitäten der Kinder beschrieben. Einmal über die Aktivitäten als Fünfjährige, einmal über die als Zwölfjährige. Die Lehrkräfte in der Schule wiederum lieferten Schilderungen zu den Kindern über emotionale Stresssymptome, die sie bei ihnen im Alter von sechs bis zehn Jahren in der Schule beobachtet hatten. Dann wurden die Daten nach Geschlechtern betrachtet, um einen signifikanten Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und emotionaler Belastung herausfiltern zu können.

Schlussfolgerungen bezogen auf Jungen

Aus Sicht von Professorin Paganai können Jungen, die im Vorschulalter Sport treiben, von körperlichen Aktivitäten in vielerlei Hinsicht profitieren: beim Sport Lebenskompetenzen wie Eigeninitiative und Teamarbeit erwerben, oder Selbstkontrolle entwickeln und unterstützende Beziehungen zu Gleichaltrigen sowie Trainern und Erwachsenen aufbauen. Umgekehrt lässt sich aus der Forschungsarbeit lesen, dass Jungen, die emotionale Stresssymptome aufzeigen, stärker sozial isoliert sein können, weniger Energie haben und sich weniger kompetent fühlen. Und das könne sich der Forscherin zufolge wieder auf ihre körperliche Aktivität auswirken.

Schlussfolgerungen bezogen auf Mädchen

Und warum hängen bei Mädchen emotionaler Stress und Sport weniger miteinander zusammen? Risiko- und Schutzfunktionen funktionieren bei Mädchen anders, sagt Pagani. Das liege daran, dass Mädchen sich eher als Jungen Unterstützung holen, in der Familie oder auch außerhalb bei Freunden oder Institutionen. Diese psychologische Unterstützung durch soziale Bindungen schütze Mädchen besser vor emotionalem Stress.

Die Studie wurde im Fachmagazin Journal of Developmental & Behavioral Pediatrics veröffentlicht.

(lfw)

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