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Junikäfer: Warum fliegen sie uns ständig um die Ohren? Bildrechte: IMAGO / blickwinkel

Insekten, Sommer und PaarungszeitLeben, Sex und Tod: Was Sie über Junikäfer wissen müssen

von Liane Watzel

Stand: 13. Juli 2022, 08:22 Uhr

Warum fliegen Junikäfer auf Menschen? Warum gibt es in manchen Jahren so viele Junikäfer? Was haben Maulwurf, Wildschwein und Krähe damit zu tun? Wozu sind Junikäfer nützlich? Fünf Fragen, fünf Antworten.

Wer laue Sommerabende im Freien genießt, kriegt es im Juni mit ihnen zu tun: den Junikäfern. Ausgesprochen schlechte Flieger, die den längsten Abschnitt ihres Lebens schon hinter sich haben, wenn sie nächtens in unsere Erdbeerbowle stürzen oder sich in unseren Haaren verfangen. Junikäfer greifen Menschen aber nicht gezielt an, wie mancher meinen könnte. Sie sind einfach richtig schlechte Flieger, weil die Natur sie schlicht nicht für flotte Ausweich- und Fluchtmanöver ausgestattet hat. Sie fliegen nämlich nachts, wenn die Vögel, die sie fressen könnten, schlafen. Sie suchen nach Bäumen, und so eine Menschensilhouette in der Nacht, die sich nicht groß bewegt – da kann man sich schon mal irren, so aus Käfersicht. Viel Zeit zum Lernen, das ist ein Baum, das ist ein Mensch, hat der Junikäfer ohnehin nicht. Als brummender, bräsig durch die Luft taumelnder Käfer ist er schließlich nur wenige Wochen unterwegs.

Junikäfer fressen im Dunkeln

Der Maulwurf, ein unsichtbarer Arbeiter: er frisst Junikäfer-Larven Bildrechte: imago images/BIA

Die längste Zeit ihres Lebens verbringen die Herrschaften als Larve im Boden und ernähren sich dort von Gras- und anderen Wurzeln. In unseren Breitengraden sind das meist zwei Jahre, weiß Käferspezialist Alexander Schneider vom Senckenberg-Institut, und er setzt nach: "Wenn nicht was dazwischenkommt. Ein Maulwurf zum Beispiel, dem die Larve in sein Gangsystem plumpst." Ein Wildschwein, das so eine Larve ausgräbt, eine Krähe, oder sogar ein Waschbär. Oder, weniger dramatisch, ein kalter Winter zum Beispiel, der die Entwicklung zum Käfer um ein Jahr verzögert. So erklären sich Schwankungen in den Populationen, dass in einem Sommer mal mehr, im anderen mal weniger dieser trägen Flieger herumfliegen.

Aber wie ist das eigentlich, erst fressen sie als Larve unseren Rasen von unten kaputt, und dann geht’s oberirdisch weiter? Was fressen sie dann? Blätter von Laubbäumen, sagt Biologe Schneider, bisweilen gebe es auch Junikäfer-Fraßspuren an Nadelbäumen. Die Weibchen brauchen nämlich Energie zum Eierlegen. Ob und was Männchen in ihren wenigen Wochen an der frischen Luft fressen, ist nach heutigem Forschungsstand unklar. In Gefangenschaft fressen adulte männliche Exemplare jedenfalls nichts, sagt der Biologe.

Lebenszyklen im Vergleich

Bildrechte: imago images/blickwinkel

Schaut man auf den Lebenszyklus der Junikäfer, ist das aus Menschsicht echt ernüchternd. Jahrelang im Erdreich, und nur ein paar Wochen an der frischen Luft und dann auch nur nachts, ohne was zu futtern?! Im Reich der Insekten ist das Phänomen nicht selten. Man denke nur an die Glühwürmchen. Drei Jahre treiben sie sich als schneckenfressende Larven in der Dunkelheit am Waldboden herum, dann blinken die Männchen 10 bis 14 Tage abends in der Luft, um Fortpflanzungswillen zu signalisieren, und die Weibchen hocken auf Grashalmen und blinken zurück. Und zwar ohne jede Nahrungsaufnahme in dieser Entwicklungsphase, denn für diese Lebenszeit hat die Natur den Glühwürmchen nicht mal Verdauungsorgane mitgegeben. Das Konzept der Natur ist bei vielen Insekten simpel, fliegen und, pardon, vögeln in den wenigen Lebenswochen.

Junikäfer: Weleche Rolle spielen sie in der Natur?

Wenn der Rasen kränkelt, könnte es sein, dass sich Junikäferlarven an den Wurzeln satt fressen Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Doch zurück zu den Junikäfern. Nach ein paar Wochen mit nächtlichen Ausflügen sind die taumeligen Käferschwärme dann verschwunden. Wohin, Herr Schneider? Junikäfer sind ungiftig und noch dazu recht groß, also leichte, fette Beute für viele andere Arten, sagt der Biologe. "Junikäfer machen viel Biomasse aus, sie sind sehr wichtig als Nahrung für viele andere Arten." Denn nicht nur Vögel sperren den Schnabel weit auf für so einen ungiftigen, ungefährlichen Snack. Auch Fuchs, Marder, Fledermaus oder am Tag die Maus vertilgen gern proteinreiche Junikäfer, egal in welchem Entwicklungsstadium.

Und wie war noch mal der Unterschied zu den Maikäfern?

Maikäfer sind doppelt so lang wie Junikäfer. Und sie haben kleine helle Dreiecke seitlich am Körper. Bildrechte: IMAGO / Eibner

Maikäfer sind doppelt so lang wie Junikäfer, und eher kastanienbraun auf ihren Flügeln und haben auf jedem Segment einen hellen dreieckigen Fleck. Ab der Ei-Ablage brauchen sie drei bis fünf Jahre bis zum fertigen Käfer. Im Herbst des letzten Entwicklungsjahres schlüpfen die fertigen Käfer und überwintern so.

Geduld ist des Gärtners wichtigste Tugend oder warum man sich auch über Maulwurfshügel freuen kann

Wenn Sie also das nächste Mal auf Ihrem Rasen über einen Maulwurfshügel stolpern, oder sich darüber ärgern, dass Krähen, Wildschweine oder vielleicht sogar Waschbären ihren Garten umgegraben haben auf der Suche nach leckeren Maden: Vielleicht ist das ein Zeichen dafür, dass Sie im nächsten Sommer auf eine richtig grüne Wiese gucken, mit Maulwurfshügel zwar, aber ohne braunes Gras, weil keine Junikäfer-Larven an den Wurzeln genagt haben. Aber gut, das ist vielleicht Ansichtssache.

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