Genuss-Forschung Konventioneller Kaffee ist gesünder als Biokaffee, aber...

Sie sind etwas teurer, aber das hat seine Berechtigung, so die einhellige Meinung: Bio-Produkte gelten als besonderes gesund. Aber manchmal stimmt das nicht unbedingt: Bei brasilianischem Kaffee sind die konventionell angebauten Bohnen etwas besser für unsere Gesundheit als biologisch angebaute Kaffeebohnen. Das haben Chemiker der Jacobs University Bremen herausgefunden. Und trotzdem betonen sie: Das ist auf gar keinen Fall ein Grund, den Biokaffee jetzt im Regal stehen zu lassen. Warum?

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Der Bremer Chemie-Professor Nikolai Kuhnert forscht schon seit 20 Jahren an Kaffee und seiner Wirkung auf unsere Gesundheit. Auf einer Konferenz, so erzählt er, habe er einen brasilianischen Professor für Lebensmittelchemie getroffen, der ihm von einer spannenden Probenserie erzählt habe: 67 Röstkaffee-Proben aus verschiedenen Regionen Brasiliens hatte Daniel Granato gesammelt. Sie stammten aus konventionellem und biologischem Anbau, erläutert Kuhnert.

Er ist wirklich persönlich durch ganz Brasilien gereist, hat sich die Bauern, die Plantagen persönlich angeguckt. Das ist beim Sammeln von organischem Kaffee ganz wichtig - da gibt's diese Bio-Siegel oder Zertifikate. Die Anbauer unterschreiben, dass sie bestimmte Regeln befolgen, aber überprüft wird das selten.

Prof. Nikolai Kuhnert - Jacobs University

Es geht umd die Chlorogensäure

Kontrolle der Kaffeepflanzen auf der Kaffeeplantage Aguas Claras
Kaffeeanbau in Brasilien Bildrechte: imago images / imagebroker

Das Forschungsteam hat die Proben dann im Labor genauer untersucht, um herauszufinden, wie sich der Bio-Kaffee von konventionell angebautem unterscheidet. Fündig wurden sie bei den sogenannten Chlorogensäuren. Diese Stoffe sind auch in vielen Obst- und Gemüsepflanzen enthalten - Hauptlieferant für die menschliche Ernährung ist aber die Kaffeebohne.

Für den Menschen sind die Chlorogensäuren interessant, weil sie eine ganze Reihe von biologischen Aktivitäten haben. Sie wirken also ähnlich wie Arzneistoffe. Chlorogensäuren sollen den Blutzuckerspiegel senken, das Diabetesrisiko reduzieren und einen positiven Effekt auf die Leber haben.

Prof. Nikolai Kuhnert - Jacobs University

Da Bio-Produkte ja gemeinhin als gesund gelten, müsste der Anteil dieser Stoffe darin demzufolge ja höher sein - oder etwa doch nicht?

Der konventionelle Kaffee enthält im statistischen Durchschnitt mehr Chlorogensäuren als der organisch angebaute. (…) So über den Daumen gepeilt, reden wir etwa über 20 Prozent im Schnitt Unterschied - also durchschnittlich 20 Prozent mehr Chlorogensäuren im konventionell angebauten Kaffee.

Prof. Nikolai Kuhnert - Jacobs University

Weniger Stress, weniger Abwehrstoffe?

Warum das so ist, kann der Chemiker nur vermuten. Frühere Studien hätten gezeigt, dass Pflanzen die Stoffe vor allem zur Abwehr und bei Stress produzieren würden - also zum Beispiel um Schadstoffe abzuwehren. Das spreche dafür, dass die Bio-Kaffeepflanzen weniger unter Stress stünden. Aber was heißt das jetzt: Sollten wir also nicht mehr zum Bio-Kaffee greifen obwohl er viel besser für die Umwelt wäre? Das sei die völlig falsche Schlussfolgerung, so Kuhnert. Er hat einen anderen Tipp:

Wenn ich denselben Effekt haben will, trinke ich einfach eine Tasse mehr oder braue mir den Kaffee ein bisschen stärker. Dann hat man dieselbe Menge an Substanz, die man zu sich nimmt.

Prof. Nikolai Kuhnert - Jacobs University
Arabica grüne Kaffeebohnen
Welche Bohne ist für unseren Kaffee gemahlen worden? Das hier sind grüne Arabica Kaffeebohnen. Bildrechte: imago images/imagebroker

Die einfache Lösung lautet also: Mehr ist mehr! Und auch bei der Auswahl der Sorte könnten Verbraucher Einfluss nehmen: Robusta-Kaffee enthalte mehr Chlorogensäuren als Arabica-Kaffee, erläutert der Fachmann. Und dann schiebt er noch einen Hinweis hinterher: Nein, er werde nicht von der Industrie finanziert, damit die ihren konventionell angebauten Kaffee besser los wird. Die Studie hat vor allem sein Doktorand durchgeführt - ganz unabhängig finanziert mithilfe eines Stipendiums aus öffentlichen Geldern.

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