Überlebenskünstler Acht Dinge, die Sie noch nicht über Kakteen wussten

Kakteen sind genügsame Überlebenskünstler. Das wissen wir. Dass man mit ihnen Musik machen, sich an ihnen berauschen, Möbel aus ihnen bauen kann, eher nicht. Kakteen - unser Thema heute ab 15:00 Uhr bei LexiTV. Und schon hier sieben Dinge, die Sie - vielleicht - noch nicht darüber wussten.

Kakteen mit pinkfarbener Blüte
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1. Die Stacheln sind eigentlich Dornen

Was wir beim Kaktus gemeinhin als Stacheln bezeichnen, sind eigentlich Dornen: echte Organe der Pflanze, nämlich Blätter. Zumindest war das früher einmal so. Im Laufe der Evolution haben sich daraus Dornen entwickelt, die den Kakteen selbst unter extremsten Lebensbedingungen das Überleben sichern.

2. Die Dornen sind Waffe, Sonnenschutz, Trinkhalm und Mantel

In ihren kargen Lebensräumen wären Kakteen im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen für Tiere. Ihre Dornen verhindern das. Aber sie können noch viel mehr: Sie reflektieren das Sonnenlicht und schützen die Pflanze damit vor Sonnenbrand. In eisigen Nächten hingegen halten sie die Kälte ab. Nebelschwaden kondensieren an den Dornen zu Wasser, das der Kaktus dann aufnehmen kann. Außerdem bleiben sie auch im Fell von Tieren hängen, die vorbeistreifen. An anderer Stelle fallen sie heraus, ein neuer Kaktus kann wachsen. Sie helfen also auch bei der Verbreitung.

3. Kakteen sind musikalisch

Zumindest ihre Dornen. Die größten Exemplare hat man früher als Grammophonnadeln verwendet.

4. Man kann sie essen

Eine Drachenfrucht
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Die orangeroten Früchte des Feigenkaktus aus der Gattung der Opuntien bekommt man heute in jedem Feinkostladen. Doch auch die grünen Pflanzenteile sind essbar. Gedünstet oder gebraten werden sie zu einem säuerlich-schmackhaften Gemüse. Was man alles aus den dornigen Pflanzen zaubern und auf den Tisch bringen kann, zeigt die älteste Kakteenzucht der Welt, die es seit 1685 in Erfurt gibt. Dort lädt Familie Haage alljährlich zum Kakteendinner ein.

5. Man kann sich an ihnen berauschen

Die Ureinwohner Amerikas entdeckten schon vor 3.000 Jahren, dass einige Kakteenarten eine berauschende Wirkung haben. Sie kauten Stücke der Pflanzen, in dem Glauben, so den Göttern näher zu sein. Am bekanntesten ist sicher der Peyote-Kaktus, der Meskalin enthält. Louis Lewin näherte sich diesem Phänomen 1888 erstmals wissenschaftlich. Er untersuchte den Peyote-Kaktus und konnte eine Substanz, das "Anhalonin", extrahieren. 1896 konnte Arthur Heffter dann die Reinsubstanz Mescalin isolieren. Ernst Späth gelang 1919 die erste Totalsynthese. Damit legte er die Grundlage für die synthetische Herstellung des Rauschmittels. Seit 1971 ist es durch die UN-Konvention weltweit für illegal erklärt worden. In Deutschland obliegt es dem Betäubungsmittelgesetz, in den USA stehen auf Mescalinbesitz bis zu fünf Jahre Haft. Der Umgang ohne Erlaubnis ist grundsätzlich strafbar.

Kaktee 3 min
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Der Kaktus ist nicht nur eine exotische Zierpflanze, sondern auch vielseitig verwendbar: Als Gemüse, Futterpflanze, Heilmittel und sogar als Baustoff.

Di 07.02.2017 14:46Uhr 03:02 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/nutzpflanze-kaktus100.html

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6. Man kann sie nicht trinken

Gel aus Aloe Vera
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Die Idee, dass ein Kaktus in der Wüste den Durst löschen kann, stammt aus der Feder der Abenteuerschriftsteller. Alles, was man findet, wenn man einen Kaktus aufschneidet, ist ein dickflüssiges Gel, das man nicht trinken kann. Vor Ort Wasser daraus zu gewinnen ist genauso unmöglich, wie aus einem Duschgel Wasser extrahieren zu wollen.

7. Man kann Möbel aus ihnen bauen

Kaktusholz
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Teile der Kakteen können mit der Zeit holzig werden. Vor allem Säulenkakteen bilden große holzige Segemente aus. Dieses Kakteenholz hat viele Vorzüge: Es hat keine Astlöcher, ist sehr gerade gewachsen. Durch seine Faserstruktur, die mit Hohlräumen durchsetzt ist, ist es flexibel und trotzdem sehr stabil. Möbel aus diesem Holz werden bislang nur in Lateinamerika gefertigt. Hierzulande findet man eher Spielzeug für Vögel und Reptilien, die als Haustiere gehalten werden.

8. Der Kaktus ist wieder in

War der Kaktus vor einigen Jahren noch Symbol für Biederkeit und Einsamkeit, so ist er heute wieder in. Pflegeleichtes Wohnasseccoire für Vielbeschäftigte? Nostalgische Zeitreise in die Kindheit? Must have für Minimalisten? Vielleicht alles zusammen. Fest steht: Der dornige Exot war schon immer der Mode unterworfen. Vermutlich brachte Christoph Columbus die ersten Kakteenarten nach Europa mit. Doch erst mit dem Bau von Orangerien und Gewächshäusern im 17. Jahrhundert konnte man die Pflanzen in großem Stile kultivieren. Wer etwas auf sich hielt und es sich leisten konnte, tat es. Das Expeditions- und Sammelfieber im 19. Jahrhundert sorgte dafür, das weitere Kakteenarten nach Europa kamen und sie auch erforscht wurden. Eine von ihnen wurde zur Weltausstellung in Paris 1889 der absolute Renner: Der Greisenkaktus. Alle wollten ihn haben - wegen seines bizarren Aussehens. Während des Nationalsozialismus hingegen waren Kakteen generell nicht gern sehen. Sie galten als "undeutsch".

Über dieses Thema berichtet LexiTV im Fernsehen | 08.02.2017 | 15:00 Uhr

Lanzarotes Küste mit Kakteen 3 min
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Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2017, 13:37 Uhr