Ernährung Länger leben durch fasten? Nicht nur das Wie zählt, sondern auch das Wann

Diät und Intervallfasten: Ob uns das wirklich länger leben lässt, ist noch nicht ganz klar. Aber sagen wir es so: Die Hinweise verdichten sich. Und jetzt kommt ein neuer hinzu: Auch wann genau wir fasten oder nicht, zählt. Zumindest bei Mäusen hat's funktioniert.

Ansicht von oben: Teller auf hellem Holzuntergrund mit querliegender Gabel und sechs einzelnen Erbsen
Ach kommen Sie, so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Und überhaupt: Hülsenfrüchte sind sehr gesund. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Es ist nicht nur das schlanke Leben, das uns Influencerinnen und Influencer vortanzen, sondern wahrscheinlich auch der Selbsterhaltungstrieb, der Ronald McDonald und Co. das Leben schwer macht: Der kritische Blick auf die Kalorien und eine entsprechende Beschränkung derer ist durchaus gesundheitsfördernd. Wenn man die Kalorienbeschränkung im Rahmen einer systematischen Diät betreibt – Stichwort: Intervallfasten –, könnte sich das Leben sogar verlängern und der Alterungsprozess später einsetzen. Hier geht es um eine Kalorienzufuhr, die bis zur Hälfte reduziert wird, ohne sich dabei unterzuernähren.

Die Effekte sind kontrovers diskutiert, die Beweislage für den Menschen dünn. Aber: Bei Tierversuchen haben sich in der Vergangenheit durchaus erfreuliche Ergebnisse gezeigt. Jetzt kommt ein weiteres hinzu: Bei einigen Mäusen hat die restriktive Kalorienaufnahmen bereits für positive Gesundheitseffekte gesorgt. Eine aktuelle Studie im Fachblatt Science zeigt, dass zwölfstündiges Fasten besonders vorteilhaft für die Nager ist. Die Nahrungsaufnahme sollte zudem nachts erfolgen. Bevor falsche Schlüsse gefolgert werden: Die Tiere sind nachtaktiv und ernähren sich natürlicherweise zu einer Zeit, in der wir besser schlafen und uns nicht lüstern am Kühlschrank bedienen.

Weniger Kalorien verlängern das Mäuseleben – nur warum wohl?

Warum diese restriktive Form der Kalorienaufnahme für Mäuse lebensverlängernd wirkt, ist allerdings unklar. Zwar scheint die geringere Energieaufnahme entscheidend, aber auch der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme und die Häufigkeit der Fütterung könnten wichtige Schlüsselkomponenten sein. Die Forschenden haben die Mäuse dazu in sechs Gruppen aufgeteilt. Bis auf die Kontrollgruppe mit uneingeschränktem Futterzugang unterschieden sich die Nager-Teams nicht in der Menge des Essens, sondern im Tagesmuster. So wurde deutlich, dass die Kalorienbeschränkung für die Tiere lebensverlängernd wirkt, insbesondere dann, wenn sie mindestens zwölf Stunden fasteten und das Futter nachts zu sich nahmen. Die Forschenden zeigten weiterhin, dass eine Kalorienbeschränkung in der Nacht altersbedingte Veränderungen verbesserte – z.B. eine Genexpression im Zusammenhang mit Entzündungen. Die Studie ist damit nach den Worten von Altersforscher Rafael de Cabo vom National Institute on Aging (Baltimore/USA) eine "elegante Demonstration", dass es nichts bringt, "wenn man seine Kalorienzufuhr einschränkt, aber dann zu den falschen Zeiten isst".

Hülsenfrüchte, pflanzliche Fette, kein Fleisch – und etwas Bitterschokolade

Nun bleiben Mäuse halt Mäuse und der Mensch eben Mensch. Aber ganz unabhängig davon, wie viel sich von den Diät-Erkenntnissen auf uns übertragen lässt: Dass die Art und Weise der Ernährung in unmittelbarer Verbindung zur Lebenserwartung steht, ist weitreichend bekannt und wird durch eine aktuelle Übersichtsarbeit im Fachblatt Cell untermauert. Hier betonen Altersforschende der University of Southern California, dass eine beschränkte Energiezufuhr und öfter mal fasten einer längeren Lebenserwartung zuträglich seien.

Kernmerkmale sind: Mittlere bis hohe Aufnahme von Kohlenhydraten (45 bis 60 Prozent) aus hochwertigen Quellen, dazu wenig, aber ausreichend Eiweiß aus meist pflanzlichen Quellen, 25 bis 35 Prozent hauptsächlich pflanzenbasiertes Fett. In Kühl- und Vorratsschranksprache übersetzt heißt das: Viele Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Gemüse, etwas Fisch, kein rotes oder verarbeitetes Fleisch und sehr wenig weißes Fleisch. Natürlich wenig Zucker, auch wenig raffiniertes Getreide, eine gute Menge an Nüssen und Olivenöl und – das dürfte einigen gefallen – etwas dunkle Schokolade. Außerdem sei es ratsam, nur innerhalb von elf bis zwölf Stunden zu essen. Ach wei. Nun gut, da mussten die Mäuse ja auch durch.

flo/dpa

Links/Studien

Die Studie Circadian alignment of early onset caloric restriction promotes longevity in male C57BL/6J mice erschien im Fachblatt Science.

DOI: 10.1126/science.abk0297

Die Arbeit Nutrition, longevity and disease: From molecular mechanisms to interventions erschien im Fachblatt Cell.

DOI: 10.1016/j.cell.2022.04.00

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Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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https://www.mdr.de/wissen/videos/fasten-wirkt-auf-lebenserwartung100.html

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