Klimawandel Später Winterfrost und Frühlingshitze: Nordklima verändert sich

Noch vor kurzem war es in Deutschland arktisch kalt, am Nordpol dafür ungewöhnlich warm. Kälte bei uns, Wärme am Nordpol: Diese Phänomene hängen zusammen, zeigen Studien von Klimaforschern, Mathematikern und Biologen.

von Clemens Haug

Spitzen von Eisbergen ragen bei wolkenlosem Sonnenschein, schmelzend aus dem Wasser im Polarmeer vor Grönland.
Während es Ende Februar bei uns arktisch kalt war, war am Nordpol Tauwetter. Diese Wetterlage wird durch den Klimawandel häufiger vorkommen, meinen Forscher. Bildrechte: IMAGO

Ende Februar war es viel zu warm – am Nordpol. Während Deutschland und das übrige nördliche Europa von eisigem Frost erfasst wurden, erwärmten milde Winde die Luft im Norden Grönlands und in der Arktis auf plus sechs Grad Celsius. Die Folge: Auf dem Polarmeer bildete sich deutlich weniger Eis. Laut dem deutschen Alfred-Wegener-Institut waren nur knapp 14 Millionen Quadratkilometer mit Eis bedeckt, das sei in der Region der niedrigste Durchschnittswert gewesen seit Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1978, so die Forscher.

Besonders problematisch: Eis reflektiert die Sonnenstrahlung. Ist weniger Wasser mit Eis bedeckt, nimmt es mehr Strahlung und dadurch auch mehr Wärme auf. Die See erwärmt sich also stärker, was eine Verschiebung polaren Windmuster zur Folge hat. Der polare Jetstream und der Polarwirbel, die die die Nordpolregion sonst wie eine Art Zaun umschließen, bekommen Dellen, wodurch mehr warme Luft in den Norden strömen kann. Ein Teufelskreis, der laut statistischen Modellen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung immer häufiger auftritt.

Die Wetterlagen und Veränderungen der vergangenen Wochen entsprechen langjährigen Trends. Sie halten die Entwicklung für eine eindeutige Folge der weltweiten Klimaerwärmung. Das wiederum hat auch Auswirkungen auf das Leben.

Der Frühling beginnt früher

Ein Team um Eric Post von der University of California in Davis hat nun festgestellt, dass sie die Pflanzenwelt auf der Nordhalbkugel rasch verändert. Für Bäume und Blumen beginnt der Frühling inzwischen bis zu zwei Wochen früher als noch vor zehn Jahren, sie treiben eher Blätter aus und blühen früher. Das schreiben die Forscher jetzt im Fachmagazin Scientific Reports.

Die Wissenschaftler nutzten für ihre Untersuchung vor allem die Daten vergangener Studien und Erhebungen. Anhand von insgesamt 743 Quellen erfassten sie Klimadaten aus den Jahren 1928 bis 2013. Demnach hat sich die Luft besonders seit 1998 und besonders nördlich des 59. Breitengrades (etwa die Höhe von Stockholm) stark erwärmt. Forscher der Universität Jena und des Zentrums für integrierte Biodiversitätsforschung (iDiv) hatten vor kurzem bereits ähnliche Ergebnisse vorgelegt.

Pflanzen drohen Schäden

Problematisch aber auch hier: Die Wetterlagen sind oft nicht stabil, sie bringen daher eine Menge Gefahren für die Pflanzenwelt. Ist es bei uns zu warm, wie im Dezember und Januar, stellen sich die Pflanzen schon auf Frühling ein und treiben aus. Kommt dann eine Kältewelle, wie Ende Februar, kommt es plötzlich zu Frostschäden. Als der Polarwirbel über Grönland im Februar besonders weit nach Norden schwenkte und warme Luft in die Arktis brachte, strömte im Gegenzug Kaltluft ins nördliche Europa und sibirische Asien. Jetzt im März droht sich dieser Wetterwechsel noch einmal zu wiederholen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. März 2018 | 15:36 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. April 2019, 13:12 Uhr