Treibhausgas-Emissionen Kann eine Kuh methanfrei pupsen?

Methan ist ein Problem. Das Treibhausgas heizt 25 Mal stärker die Atmosphäre an als CO2. Und dieses Methan kommt unter anderem aus dem Darm von Kühen und Schafen. Die pupsen und rülpsen das Gas aus. Eine Idee der Wissenschaft: Die Tiere dazu bringen, einfach weniger Methan auszustoßen. In Neuseeland gibt es dazu gerade ein Test-Programm an Schafen. Und hierzulande?

Kühe im Freiluftstall. 3 min
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Das klingt nach einer Spitzenlösung: Es müsste sich schließlich nichts ändern an Massentierhaltung und Fleischkonsum, wenn man einfach das Tier dazu bekommt, weniger Methan zu pupsen und zu rülpsen. Das ist sogar möglich. Eine Methode ist, das Tier dahingehend zu züchten. Das heißt, es darf sich immer nur das Tier fortpflanzen, das besonders klimafreundlich pupst. Die Eigenschaft überträgt sich dann auf die Nachkommen.

Dieser Ansatz wird derzeit in Neuseeland getestet - mit einem extra berechneten Methanzuchtwert. Das Problem ist nur: Pupst das Schaf weniger, hat das auch andere Folgen, erzählt Björn Kuhla vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie.

Das hat unglücklicherweise dazu geführt, dass Schafe immer kleinere Pansen bekamen. Das heißt: Man hat die Größe des Vormagens über die Jahre hinweg verkleinert und wenn Tiere einen kleinen Pansen haben, können sie auch nur weniger Raufutter aufnehmen, entsprechend entsteht weniger Methan. Das war leider ein ungewollter Nebeneffekt.

PD Dr. Björn Kuhla, Leibniz-Institut für Nutztierbiologie

Im Klartext heißt das: Die Schafe können das Gras dann schlechter verdauen. Das ist ungünstig, denn zwei Drittel der landwirtschaftlichen Flächen sind Weideland.

Treibhausgas Methan Das Gas ist in der Atmosphäre 25 Mal so wirksam wie Kohlendioxid und entsteht, wenn organisches Material unter Luftausschluss abgebaut wird - wie zum Beispiel Gras im Verdauungssystem einer Kuh. In Deutschland ist die Land- und Forstwirtschaft eine bedeutsame Methan-Quelle, insbesondere die Massentierhaltung. Auch in Klärwerken und Mülldeponien entsteht das Gas. In anderen Ländern werden beim Nassreisanbau große Mengen Methan freigesetzt.

Es bleibt aber noch eine Möglichkeit: Auch das Futter kann beeinflussen, ob ein Weidetier mehr oder weniger Methan pupst. "Wenn wir beispielsweise eine ausgewogene Fütterung durch gewisse Anteile an Fett oder an ungesättigten Fettsäuren mit in die Rationen bringen", erläutert Kuhla. Damit könnten wir einen Beitrag dazu zu leisten, die Methanemissionen auch in der Rinderhaltung und der Milchkuhhaltung zu verringern.

Das gilt aber nur mit Einschränkung: Genullt wird der Methanausstoß dadurch nicht. Er kann lediglich um rund 30 Prozent reduziert werden, schätzt Björn Kuhla, der selbst auf diesem Gebiet forscht. Denn dann gelange man an biologische Grenzen. Schließlich dürfe das Tier keinen Schaden nehmen durch die andere Kost. Die Ernährungsumstellung würde es schon heute ermöglichen, den Methanausstoß in der Landwirtschaft zu reduzieren. Aber passiert das?

Nein, weil ganz klar ist: Die Bauern werden nicht dafür bezahlt, den Methanausstoß aus ihrer Rinderhaltung zu senken. Die werden dafür bezahlt, wie viel Milch sie an die Molkerei liefern bzw. im Rindermastbereich dafür, wie viel Kilogramm Fleisch die Tiere am Tag zulegen.

PD Dr. Björn Kuhla, Leibniz-Institut für Nutztierbiologie

Die Frage, wie viel Methan die Tiere dabei emittieren, spiele dabei gar keine Rolle. Kuhla ist davon überzeugt: So viel ist hier auch nicht zu holen. Sinnvoller wäre es seiner Meinung nach, weniger Tiere auf den Flächen zu halten. Das würde dann vor allem die Exkremente reduzieren - mit anderen Worten: die Gülle. Laut Kuhla ist die nämlich das viel größere Umweltproblem. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 05. Dezember 2019 | 08:52 Uhr

2 Kommentare

part am 05.12.2019

Wenn der neue Typus Rind dann erst in den Ställen steht kann getrost noch mehr Kraftfutter verfüttert werden, blos muß dazu noch Regenwald geopfert werden, damit Fleisch so billig wie nie sein kann...

IM Larve am 05.12.2019

Dann übernehme ich das🤪🤪🤪