Ein Teil des gefluteten Karlsgrabens. Links und rechts ist jeweils ein kleines weißes Häuschen zu sehen. Große grüne Bäume stehen am Ufer.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neue Erkenntnis: Karlsgraben blieb unvollendet Der BER des Mittelalters

Der Karlsgraben sollte im Frühmittelalter einen Schifffahrtsweg zwischen Rhein, Main und Donau schaffen. Nun fanden Forscher heraus, dass das Mammut-Projekt nie beendet wurde. Verzwickte Verkehrsprojekte gab es also schon weit vor dem BER.

Ein Teil des gefluteten Karlsgrabens. Links und rechts ist jeweils ein kleines weißes Häuschen zu sehen. Große grüne Bäume stehen am Ufer.
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Mit der Fossa Carolina, dem Karlsgraben, nahm Karl der Große ein gigantisches Projekt in Angriff, das einen durchgehenden Schifffahrtsweg zwischen Rhein, Main und Donau schaffen sollte. 793 n. Chr. wurde mit dem Bau begonnen. Bis heute gilt es als eines der bedeutendsten Verkehrsprojekte des Frühmittelalters in Zentraleuropa. Nun fanden Forscher heraus, dass der Graben nie fertiggestellt wurde.

Ein Kanal zwischen Altmühl und Rezat

Bei dem mittelfränkischen Dorf Graben nähern sich die beiden Flüsse Rezat und Altmühl bis auf wenige Kilometer in einem Tal an. Sie sind die Verbindungsarme zum Einzugsgebiet von Main und Donau. Hier sollte der Kanal entstehen. Ein Höhenunterschied von ungefähr 10 Metern musste überwunden werden. Für damalige Verhältnisse stellte das Projekt eine unglaubliche Leistung der Ingenieurskunst dar.

Nur einseitig erfolgreich

Vier Studenten führen auf einer Wiese eine Rammkernsondierung durch.
Bildrechte: Universität Leipzig/MDR

Dieses Vorhaben wurde auch tatsächlich am nördlichen Ende des geplanten Kanals begonnen. Bis unmittelbar an den Bachlauf der Rezat wurde der Karlsgraben ausgeschachtet. Das geplante Südende des Kanals blieb allerdings unberührt. Mittels modernster geophysikalischer, archäologischer und physisch-geographischer Untersuchungen hat das Forscherteam der Universitäten Leipzig, Jena, Hildesheim, Kiel, Berlin und München nun herausgefunden, dass es dort auf mindesten 700 Metern keinerlei Spuren eines schiffbaren Kanals gibt. Auch hätte sich der Flussverlauf der Altmühl während der Karonlingerzeit nur geringfügig verändert. Das gigantische Logistik-Projekt fand also nie einen Abschluss.

Woran ist es gescheitert?

Das Forscherteam vermutet, dass es wegen des instabilen Untergrundes immer wieder zu bautechnischen Schwierigkeiten gekommen sein könnte. Dieser besteht aus überwiegend gleitfähigen und instabilen Schichten. Die aufgeschütteten Wälle könnten demnach immer wieder eingestürzt sein.

Laut Prof. Dr. Christoph Zielhofer von der Universität Leipzig ist das allerdings noch eine der spannenden Fragen, die es zum Karlsgraben abschließend beantwortet werden muss. Auch 2018 gehen die Forschungen im Rahmen eines Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft weiter.

Seiner Zeit voraus

Obwohl nur Teile des Kanals fertiggestellt wurden und funktionsfähig waren, war die Vision Karls des Großen bemerkenswert und wurde auch nie aus den Augen verloren. Trotzdem sollte es noch mehr als 1.000 Jahre dauern bis seine Vision Wirklichkeit wurde. Im 19. Jahrhundert gelang es mit dem Ludwig-Donau-Main-Kanal, diese grandiose Idee zu Ende zu bringen. Und auch wenn es mittlerweile durchaus so anmutet, bleibt zu hoffen, dass der Berliner Großflughafen BER nicht auch ein Langzeitprojekt in diesem Ausmaß wird.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Nachrichten | 09. Januar 2018 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2018, 12:04 Uhr