Zwei Tanzmariechen des Narraria Club Aken 1875 e.V. posieren mit einem Narren auf dem Karnevalsumzug in Dessau-Roߟlau (Sachsen-Anhalt).
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Woher der Fasching seinen Namen hat “Tschüss Fleisch“, Ihr Narren!

Millionen Närrinen und Narren feiern in diesen Tagen Karneval, Fastnacht, Fasching. Wissenschaftler haben die Begriffe untersucht und auch die Frage beantwortet, warum wir Feste feiern, die die Welt auf den Kopf stellen.

Zwei Tanzmariechen des Narraria Club Aken 1875 e.V. posieren mit einem Narren auf dem Karnevalsumzug in Dessau-Roߟlau (Sachsen-Anhalt).
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Warum der Fasching Fasching heißt, bekommt man in Süddeutschland und Österreich beantwortet, denn von dort kommt die Bezeichnung. Bereits im 13. Jahrhundert gab es dort “vaschanc“ oder “vastschanc“ – und das stand für das Ausschenken des Fastentrunks. “Oho, Faschang!“ ist dort als Freudenaufruf bekannt. Daraus, so sagen Sprachwissenschaftler, entwickelte sich der “Fasching“.

Die “Fastnacht“ oder “Fasnacht“ ist nicht nur in Baden-Württemberg, der Schweiz oder Liechtenstein belegt, auch in der Oberlausitz hat das Wort Tradition. Es entstand aus dem mittelhochdeutschen “vas(t)(en)nacht“. Das bedeutet die “Nacht vor dem Fasten“. Seit dem 15. Jahrhundert schließt es eine ganze Woche vor der Fastenzeit ein, eine Zeit zu feiern, bevor dann am Aschermittwoch alles vorbei ist.

Karneval ist der jüngste der Begriffe. Erst im 17. Jahrhundert tauchte er auf und ist in Köln 1780 erstmal aktenkundig belegt. Möglich ist, dass Karneval vom italienischen “carnevale“ abstammt. Das hat in seiner Bedeutung (in etwa: Fleisch, lebe wohl) einen klaren Bezug zur Fastenzeit. Es könnte jedoch noch ältere Wurzeln haben, was viele Sprachwissenschaftler für wahrscheinlich halten. Das lateinische "carrus navalis" bezeichnet ein "Narrenschiff", das bei feierlichen Umzügen mitgeführt wurde.

Willkommen bei den "Verkehrungsritualen"

Die Welt als Narrenschiff, alles steht Kopf, ist verkehrt – das ist durchaus ein treffendes Bild für die Faschings- und Karnevalszeit. Wissenschaftler sprechen dabei von "Verkehrungsritualen“. Religionsforscher der Uni Erfurt erforschen das seit einigen Jahren. Sie sehen diese Rituale als eine Schwellenposition in sozialen Prozessen, einen Zwischenzustand, der die herrschende Ordnung befristet aufhebt. “Damit“, so Dr. Dominik Fugger, Religionswissenschaftler an der Uni Erfurt, “entsteht eine Phase der Offenheit, an deren Ende der Umsturz oder aber auch die Rückkehr zur althergebrachten Ordnung stehen kann.“ Oder manchmal auch nur ein heftig brummender Schädel.

Über dieses Thema berichtet MDR im Radio und Fernsehen | 12.02.2018 | 06:00-24:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 14:00 Uhr