Kleine Katzen
Bildrechte: dpa

Invasive Arten Australien kämpft mit Katzen & Kröten

Nichts läuft besser im Netz als Catcontent - Katzen, die vor Gurken weghüpfen, Katzen die ihre Herrchen wecken, Katzen, die aus Kisten gucken. Am anderen Ende der Erde sieht das ganz anders aus.

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Katzen, die Eidechsen fressen? Klingt verrückt, ist aber in Australien der Fall. Nicht nur Reptilien, sondern natürlich auch die klassischen Katzenspeisen, Mäuse und Vögel. Aber neben 370 Millionen Vögeln verspeisen Katzen einer neuen australischen Studie zufolge jedes Jahr etwa 650 Millionen Eidechsen. Was die australischen Wissenschaftler beunruhigt – die Katzen gefährden so den Bestand von elf ohnehin schon bedrohten Reptilienarten auf dem Kontinent.

Fatale Siedler-Mitbringsel

Eidechse klaut Katzenfutter
Eidechsen, die Katzenfutter klauen. Keine gute Idee - für die Eidechse. Bildrechte: IMAGO

Inzwischen ist sich der Mensch zwar der Folgen bewusst, welche Kettenreaktionen Artensterben auslösen - an irgendeiner Stelle im Ökosystem fehlt z.B. ein Tier als Futter in der Nahrungskette, was dann die nächste Art gefährdet usw.. Wobei man bei genauer Betrachtung sagen muss, dass im Fall der bedrohten Reptilienarten nicht die Katzen die Ur-Übeltäter sind, sondern die europäischen Siedler. Die hatten die Katzen als Haustiere mit auf den Kontinent gebracht, wie 2015 ein deutsch-australisches Forscherteam mit Katrin Koch vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt/M. anhand von DNA-Analysen nachwies. Sie zeigten, dass die Katzen, die heute den Kontinent besiedeln, von Tieren aus Europa abstammen, die Anfang des 19. Jahrhunderts mit Händlern und Siedlern aus Europa per Schiff mitgebracht wurden. Dieser Studie zufolge gelten sogar mehr als hundert australische Tierarten als stark bedroht durch verwilderte Katzen. Ausgerottet durch die Katzen sind zum Beispiel bereits Wüsten-Langnasenbeutler und das Mondnagelkänguru.

Die gemeinsame Geschichte von Kröte & Katze

Agakröte verschlingt Possum
Agakröten können bis über 20 Zentimeter groß werden und verschlingen auch kleine Säugetiere. Bildrechte: IMAGO

Die ökologischen Folgen und Kettenreaktionen hatte Anfang des 19. Jahrhunderts kein Siedler auf dem Schirm und es dauerte lange, bis derlei Wissen in Biologie unterrichtet (und bestenfalls nicht gleich wieder vergessen) und Teil der Allgemeinbildung wurde. Australiens Tierlandschaft kann von diesem langen, langsamen Bewusstseinswandel ein Lied singen: Ähnlich unbedarft wie die Katze wurde 1935 die Aga-Kröte importiert, eingeführt in der Annahme, sie könnte Maikäferlarven fressen, die dem Zuckerrohranbau schadeten. Allein - die Kröte mochte die Larven nicht, dafür aber alles andere was die australische Speisekarten hergab und vermehrte sich prächtig – Fressfeinde hatte sie keine. Versuche, die dicken warzigen Kröten wieder loszuwerden, scheiterten – bis heute. Das Ergebnis eines Versuchs der Universität Sydney mit Fleischameisen als Fressfeinden der Kröten steht noch aus. Sicher ist aber, dass sich die Kröten seit 1935 an ihre neue Umwelt angepasst haben haben – sie haben längere Beine entwickelt und sind mit ihrem Gift sogar für Schlangen und Süßwasserkrokodile gefährlich.

Der Kampf gegen clevere Katzen

Aber zurück zu den Katzen. Australiens Regierung hatte 2015 einen Fünfjahresplan ausgerufen - bis 2020 sollen mindestens zwei Millionen Katzen aus der Natur entnommen werden – Forscher schätzen den Bestand wildlebender Katzen auf dem Kontinent auf bis zu 20 Millionen. Allerdings ist den schlauen Jägern schlecht beizukommen. So versucht die Regierung zum Beispiel im Northern Territory katzenfreie Habitate zu etablieren, in denen gefährdete Arten wieder angesiedelt und geschützt leben können. Außerdem wurde die Katze als Schädling eingestuft und ist damit zum Töten freigegeben. Forscher wie der Ökologe Johan Read an der Universität in Adelaide arbeiten an Methoden zur Katzendezimierung - zum Beispiel an einer speziellen Falle, die anhand von Laserstrahlen Katzenbeine von anderen Tierbeinen unterscheidet und nur Katzenbeine mit Gift besprüht. Katzen, die instinktiv ihr Fell putzen, lecken so das Gift ab und sterben daran.

Zeichnung einer Siedlerhütte in Australien
Zeichnung einer Siedlerhütte in Australien - mit Haustieren Bildrechte: IMAGO

Dieses Thema im Programm: MDR Fernsehen | Naturfilm | 13. Januar 2018 | 13:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2018, 17:00 Uhr