Eine Frau ist mit dicker Winterjacke und Handschuhen gegen die Kälte gerüstet und genießt das Schneewetter.
Jeden Tag 30 Minuten rausgehen - das vermeidet Vitamin-D-Mangel. Bildrechte: imago/Becker&Bredel

Tage ohne Sonne Sorgt der graue Winter für Vitamin D-Mangel?

Haben Sie auch keine Lust mehr auf grauen Himmel? Wer keinen Schnee vor der Haustür hat, den hat in den vergangenen Tagen der Regen ans Haus gefesselt. Da sehnen sich viele nach Sonne. Denn die macht nicht nur gute Laune, sie sorgt auch dafür, dass unser Körper Vitamin D herstellt – einen Baustein in unserem Stoffwechsel, der vor allem für die Knochen wichtig ist. Aber was passiert, wenn keine Sonne da ist? Droht uns dann ein Mangel an Vitamin D?

von Kristin Kielon

Eine Frau ist mit dicker Winterjacke und Handschuhen gegen die Kälte gerüstet und genießt das Schneewetter.
Jeden Tag 30 Minuten rausgehen - das vermeidet Vitamin-D-Mangel. Bildrechte: imago/Becker&Bredel

Es steckt in fettigem Fisch wie Lachs oder Hering, in der Avocado oder im Eigelb: das fettlösliche Vitamin D. In allzu vielen Lebensmitteln steckt es allerdings nicht. Doch das ist auch gar nicht schlimm, denn wir müssen nur zehn bis zwanzig Prozent unseres Vitamin D-Bedarfs mit der Nahrung aufnehmen, erklärt der Bochumer Medizin-Professor und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie Helmut Schatz. Und wenn er schon beim Aufräumen mit falschen Vorstellungen ist, dann macht er es gleich richtig: Vitamin D ist überhaupt kein Vitamin.

Das Vitamin D ist ein Prohormon – es heißt nur traditionell noch Vitamin. 80 bis 90 Prozent bildet der Körper selbst, also ist es ein Hormon und das Vitamin D ist eine Vorstufe.

Prof. Helmut Schatz

Der Körper, so Schatz weiter, bildet es selbst aus Cholesterin in der Haut. "Und dann muss es zwei Mal mit Hydroxilgruppen versehen werden. Das geschieht in der Leber und in der Niere und dann wird daraus das Vitamin D3-Hormon."

Wir brauchen Sonne

Damit unser Körper das Hormon bilden kann, braucht er UV-Strahlung der Sonne – allerdings nicht die UVA-Strahlen, die Hautkrebs verursachen können, sondern die sogenannten UVB-Strahlen. Und die gibt es auch, wenn die Sonne sich scheinbar wochenlang hinter grauen Wolken versteckt hält.

Es muss nicht sonnig sein, das UVB-Licht haben Sie auch bei bedecktem Himmel.

Prof. Helmut Schatz

Das gilt allerdings nur im Sommer. Wenn wir im Winter den Rat bekommen, täglich an die frische Luft zu gehen, dann ist das gut für die Psyche, aber bei Vitamin D hilft uns das nicht weiter. Denn die UVB-Strahlung ist sehr stark von der Sonnenhöhe abhängig. Im Winter reicht die in unseren Breiten nicht aus, um das Vitamin zu produzieren.

Viele Speicher sind voll

Dann müssen wir davon zehren, was wir im Sommer eingesammelt haben. Denn unser Körper ist in der Lage das Vitamin D zu speichern, so Helmut Heseker, Professor für Ernährungswissenschaften an der Universität Paderborn. Und gerade im vergangenen Sommer hatten wir sehr viele solcher strahlenden Sonnentage.

Wir hatten ja auch in Mitteldeutschland – in Thüringen und Sachsen und Sachsen-Anhalt – ein sehr sonnenreiches Jahr und ich bin sicher, dass viele Leute die Zeit draußen genossen und sicher einen sehr guten Vorrat angelegt haben.

Prof. Helmut Heseker

Wer zwischen März und Oktober zwei- bis dreimal pro Woche Gesicht, Arme und Hände ungeschützt für einige Minuten in die Sonne gehalten hat, für den gibt es keinen Grund zur Sorge. Allein dieser Vorrat dürfte uns gut über den Winter bringen. Nur Risikogruppen wie Menschen mit sehr dunkler Hautfarbe, Säuglinge oder alte Menschen, die das Haus nicht mehr verlassen können, sollten zusätzlich Vitamin D-Präparate bekommen, sagt Professor Schatz:

Sagen wir, ein 40-, 50- oder bis zu 60-jähriger Mensch, der sich einigermaßen gesund fühlt oder ist und hinausgeht, braucht nichts zu machen.

Prof. Helmut Schatz

Sollte er dennoch von dem, wie Schatz es nennt, "riesigen Hype für Vitamin D" beeinflusst werden, "dann kann er sich Vitamin D mit vielleicht 800 oder 1.000 Einheiten pro Tag zuführen", sagt der Endokrinologie. Das wird nicht schädlich sein, insbesondere was die nachgewiesenen Effekte für die Knochengesundheit im Alter und die Muskelkraft angeht. Alle anderen Wirkungen, die dem Stoff nachgesagt werden – etwa auf Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebs - sind aus Sicht der beiden Wissenschaftler nämlich nicht haltbar.

Korrektur: In der ersten Variante des Artikels hatten wir den Einfluss der Sonnenhöhe auf die UVB-Strahlung und damit die fehlende Vitamin D-Produktion durch die Haut im Winter nicht berücksichtigt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 15. Januar 2019 | 06:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2019, 05:00 Uhr