Mädchen beobachtet Hühner
Kinder, die ihre ersten Lebensjahre auf einem Bauernhof verbringen, haben ein deutlich reduziertes Risiko, an Allergien oder Asthma zu erkranken. (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO

Ene, mene, muh, gesund bist du Bauernhofkindheit senkt Allergie- und Asthmarisiko

Dass ein Leben auf dem Bauernhof gesund ist, ist allgemein bekannt. Warum das so ist, haben nun Schweizer Forscher nachgewiesen. Entscheidend ist eine Säure, die nur von Tieren gebildet wird, die bei Menschen aber Asthma und Allergien reduziert.

von Clemens Haug

Mädchen beobachtet Hühner
Kinder, die ihre ersten Lebensjahre auf einem Bauernhof verbringen, haben ein deutlich reduziertes Risiko, an Allergien oder Asthma zu erkranken. (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO

Dass eine Kindheit auf einem Bauernhof gesund ist, kann man sich gut vorstellen. Zwischen Kühen, Schweinen und Traktoren können glückliche Mädchen und Jungen eigentlich nur zu lebendigen Menschen mit guten Abwehrkräften heranwachsen. Und tatsächlich haben Forscher bereits zahlreiche Belege dafür gefunden, dass Bauernhofkinder deutlich seltener Astma oder Allergien bekommen. Warum das so ist, dafür haben jetzt schweizerische Forscher einen neuen Beleg entdeckt.

Kinder auf dem Bauernhof
Eine Bauernhofkindheit in den 1950er Jahren. Bildrechte: IMAGO

Bisher nahmen Wissenschaftler vor allem an, dass die vielen Bakterien und Pilze in Ställen und Scheunen hilfreich sind. Im wenig sterilen Umfeld lerne das menschliche Immunsystem besser, unschädliche Stoffe einfach zu ignorieren und folglich nicht allergisch zu reagieren, so die Theorie.

Ein Team von Forschern der Universität Zürich, dem Center for Allergy Research and Education in Davos und dem Kinderspital St. Gallen hat nun erstmals einen nicht-mikrobiellen Stoff ausfindig gemacht, der das Immunsystem stimuliert.

Katz und Kuh machen gesund im nu

Konkret fanden Remo Frei und sein Team die N-Glykolylneuraminsäure (Neu5Gc), eine Sialinsäure, gegen die die Kinder Antikörper bilden. Diese Antikörper wiederum führen laut den Forschern zu einem deutlich geringeren Risiko, an Asthma zu erkranken. Das Besondere an Neu5Gc: Menschen können den Stoff nicht bilden, er kommt aber bei Nutztieren sehr häufig vor. Davon wiederum profitieren Kinder, die auf einem Hof aufwachsen, sagte der Immunologe Frei.

Der frühkindliche Kontakt zu Tieren und auch der Verzehr von tierischen Nahrungsmitteln scheint die Entzündungsreaktionen des Immunsystems zu regulieren.

Remo Frei, Immunologe, Universität Zürich

Die Forscher nahmen Blutproben bei über 1.000 Kindern und verglichen das Vorkommen von Antikörpern mit der Zahl der Asthmaerkrankungen. Das Ergbenis war eindeutig: "Bauernkinder wiesen viel mehr Antikörper gegen Neu5Gc im Blut auf – und Kinder mit mehr Antikörpern litten wesentlich seltener an Asthma", so Frei.

Auch im Versuch an Mäusen konnte dieser Effekt bestätigt werden: Nahmen die Labortieren Neu5Gc-Moleküle auf, verbesserte sich ihre die Funktion ihrer Lungen, womit wiederum Symptome von Asthma reduziert wurden.

Fehlreaktionen werden gedämpft

Die Erklärung der Forscher für den gefundenen Effekt: Neu5Gc stimuliert vor allem sogenannte T-Zellen, die Fehlreaktionen des Immunsystems dämpfen. Dadurch wirken sie antientzündlich. Nun hoffen die Forscher, dass dieser schützende Effekt eines Lebens auf dem Bauernhof auch auf andere Kinder übertragen werden kann.

Über dieses Thema berichtete der MDR im Fernsehen: LexiTV | 18.04.2016 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juli 2017, 15:54 Uhr