UN Climate Change Conference COP25 UN-Klimakonferenz: Leipziger Professor warnt vor Tricks beim CO2-Emissionshandel

Seit mehr als 15 Jahren untersucht Umweltökonom Prof. Dr. Reimund Schwarze vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig internationale Klimaverhandlungen aus politisch-ökonomischer Perspektive. Auch bei der 25. UN-Klimakonferenz in Madrid begleitet er die Verhandlungen vor Ort und kommentiert die Ergebnisse - unter anderem auch auf seinem Twitterkanal.

In Hinblick auf die Verhandlungen zum zwischenstaatlichen CO2-Handel warnt er vor unheilvollen Kompromissen, teilte das UFZ mit. Bei der Konferenz wollen die Länder konkrete Regeln dafür beschließen, wie sie untereinander mit Klimaschutz handeln können, heißt es weiter.

Mit dem großen Wurf in Sachen Klimaschutz rechnet Beobachter Schwarze in Madrid nicht. Dass die Länder ihre Klimazusagen für 2030 freiwillig erhöhen, bezweifelt der Experte. Es könne höchstens sein, dass einzelne Länder Ankündigungen machten. Die klimapolitische Ambition steht auch nicht offiziell auf dem Verhandlungsplan. Mit den derzeitigen Klima-Versprechen der Staaten landen wir aber zwischen drei und vier Grad Erwärmung, schätzt Schwarze.

Porträt-Aufnahme eines Mannes mittleren Alters mit Brille, rotem Hemd und Sakko.
Prof. Dr. Reimund Schwarze Bildrechte: Sebastian Wiedling / UFZ

Ein Thema, das dagegen ganz weit oben auf der Liste der zu verhandelnde Punkte steht, ist der CO2-Emissionshandel. So sollen Regeln beschlossen werden, wie Länder untereinander mit Emissionsminderungen handeln können, so das UFZ. Die Schweiz könne dann etwa für ein Klimaschutzprojekt in Brasilien bezahlen und sich die CO2-Einsparung selbst gutschreiben. Kritiker warnten vor einem gefährlichen Ablasshandel. Nicht ganz zu unrecht, erklärt Klimaökonom Schwarze und weist darauf hin, dass Länder mit Tricks die Integrität des Paris-Abkommens unterlaufen könnten.

Es braucht ein umfassendes Kontrollsystem für den CO2-Zertifikate-Handel, sagt Klimaökonom Schwarze. Denn die grundlegende Idee, Klimaschutz so günstig wie möglich zu machen, damit er wirtschafts- und sozialverträglich funktioniere, sei an sich wünschenswert.

Das solle es Ländern erleichtern, sich hohe CO2-Einsparungen vorzunehmen, die sie allein nicht bewältigen könnten und deshalb bisher nicht zugesagt haben. Und das ist nur eines der konfliktreichen Themen bei der Weltklimakonferenz in Madrid. Beobachter Schwarze hat sich deshalb schon einmal vorbereitet auf lange Nächte, sagt er.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 02. Dezember 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Dezember 2019, 13:21 Uhr

1 Kommentar

Strafrechts-Profit-eur vor 4 Tagen

Emissionshandel?
Ging es da nicht um viel Geld?
Wie war denn das?