Transformation unseres Ernährungssystems Wie wir die Lebensmittelproduktion ändern müssen, um die Klimaziele zu erreichen

Ohne schnelle Veränderungen in der Landwirtschaft und bei der Lebensmittelproduktion werden die Klimaziele von Paris nicht zu erreichen sein. Denn unser Ernährungssystem ist für einen großen Teil des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Obwohl bereits eine Vielzahl an Möglichkeiten existieren, um die Emissionen zu senken, scheitert die Umsetzung zumeist an strukturellen Hürden.

Gemüse wie Rote Beete, Möhren und Brokkoli liegen in einer Auslage
Auch die Lebensmittelproduktion muss sich an die neuen Bedingungen durch den Klimawandel anpassen. Bildrechte: dpa

Unser Ernährungssystem erzeugt so viele CO2 wie kaum ein anderer Industriezweig auf der Welt. Etwa ein Drittel der weltweiten Treibhausgas-Emission ist darauf zurückzuführen. Die Klimaziele des Pariser Abkommens könnten so in Gefahr geraten, warnen Forschende in einem Bericht, der im Science Magazin erschienen ist.

Gleichzeitig muss sich die Lebensmittelproduktion selbst an die neuen Bedingungen durch den Klimawandel anpassen. Überschreitet die Erderwärmung die 1,5 Grad Marke, verändern sich Ökosysteme und Klimazonen. Das beeinflusst wiederum den Anbau von Nutzpflanzen sowie den Lebensraum von Nutztieren. Die Erwärmung der Weltmeere führt zudem zu geringeren Erträgen in der Fischerei. In Kombination mit Extremwetter-Ereignissen und dem Anstieg des Meeresspiegels werden sich Ungleichheiten beim Zugang zu Lebensmitteln weiter verschärfen. Lebensmittelpreise werden in die Höhe klettern, der Hunger auf der Welt zunehmen.

Anbau und Nutztierhaltung

Damit die Situation entschärft werden kann, ist dem Bericht zu Folge ein Umdenken in drei großen Bereichen notwendig. In der Pflanz- und Nutztierhaltung müsse der Methanausstoß deutlich reduziert werden, heißt es. Der Anteil an der Treibhausgas-Emission liegt hier aktuell bei zehn bis 14 Prozent. Bis 2050 könnte er unter gewissen Szenarien sogar auf 40 Prozent steigen. Lösungsansätze sind zum Beispiel die Agroforstwirtschaft oder die Schließung von Ertragslücken, indem weniger Land für die Lebensmittelproduktion genutzt wird, Dünger und Wässerung aber gezielter zum Einsatz kommen.

Kuh
Methan kommt unter anderem aus dem Darm von Kühen und Schafen. Die pupsen und rülpsen das Gas aus. Bildrechte: Colourbox.de

Landnutzung

Auch in der Landnutzung muss sich einiges ändern. Die Abholzung und die Veränderung von Moorlandschaften für die Landwirtschaft ist für fünf bis 14 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich. In Zukunft könnten ein besseres Management für Weideflächen und eine Veränderung im Fütterungsverhalten von Nutztieren zu weniger Umweltbelastung führen.

Lebensmitteltransport und Konsum

Prozesse, die mit der direkten Produktion, dem Transport bis hin zum Konsum von Lebensmitteln zusammenhängen, sind für fünf bis zehn Prozent der Emissionen verantwortlich. Die Forschenden unterstreichen, dass das Essverhalten der Menschen einen großen Beitrag leisten kann. Denn wenn gewisse Ernährungsgewohnheiten verankert werden, muss sich zwangsläufig auch die Produktion darauf einstellen. Konsumieren wir also Fleisch, werden die Landwirte auch weniger Nutztiere halten, was wiederum zu weniger Emissionen führt. Die Lebensmittelindustrie muss zudem lernen, energieeffizienter zu arbeiten. Transportwege müssen optimiert werden und weniger Lebensmittel dürfen im Müll landen.

Verhandlungen sind notwendiger denn je

Eine Transformation des aktuellen Ernährungssystems ist dringend notwendig. Obwohl es die genannten Optionen bereits gibt, ist dem Bericht zu Folge nicht klar, wie sie sinnvoll kombiniert werden können, um die Vorgaben des Pariser Abkommens auch wirklich zu erreichen. Für eine Durchführung neuer Maßnahme braucht es Gespräche zwischen Regierungen und den Produktionspartnern, um den Lebensmittelhandel auf globaler Ebene besser und nachhaltiger zu strukturieren. Die Beschlüsse, die unter anderem auf der Weltklimakonferenz 2021 in Glasgow gemacht wurden, sind ein Anfang, aber reichen nicht aus.

Bisher gibt es in den Verhandlungen noch große Ungleichheiten zwischen den reicheren und ärmeren Staaten der Welt. Eine Verbindlichkeit für die Verringerung der Emissionen oder Unterstützung für Länder mit weniger Geldressourcen wurden bisher erst ungenügend umgesetzt, kritisieren die Autoren und Autorinnen des Berichts. Stattdessen würden reichere Staaten ihren CO2-Fußabdruck einfach in ärmere Staaten outsourcen. Zu häufig verlasse man sich auch noch darauf, dass bahnbrechende Technologien die Produktion in Zukunft verändern würden, sodass man aktuell noch so weiter mache wie immer.

MDR/Sarah-Maria Köpf