Das MDR Klima-Update | Freitag, 8. Oktober 2021 Klimakrise auf allen Kanälen

Auf dem Bild ist ein junger Mann zu sehen, der in die Kamera schaut.
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Der Herbst ist voller klima- und umweltpolitischer Entscheidungen: Nobelpreis für Klimaforscher, Konferenz für Artenschutz und Biodiversität in China, Zusammenkunft zum Klimaschutz in Glasgow. Der MDR macht diese Jahreszeit zum Klimaherbst.

Auf dem Bild sieht man mehrere Bildschirme auf denen eine brennende Erde zu sehen ist
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Liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

In diesem Monat stehen wichtige umweltpolitische Entscheidungen auf globaler Ebene an: In wenigen Tagen trifft sich die Weltgemeinschaft im chinesischen Kunming, um endlich wirksame Schritte gegen das Artensterben einzuläuten. Ende des Monats kommen Staaten, Verbände und Indigene im schottischen Glasgow zusammen, um den Klimaschutz entscheidend voranzutreiben.

Wie immer sind die Erwartungen vor diesen Gipfeln hoch und in diesem Jahr waren die Auswirkungen des Nichtstuns noch sichtbarer als in der Vergangenheit – Starkregen und Sturzfluten, Hitzeextreme, Dürren und Waldbrände lassen grüßen. Der Mitteldeutsche Rundfunk wird daher den Klimawandel im Herbst in den Fokus seines Programms stellen (aber auch danach soll das Thema einen größeren Widerhall im Programm finden).

Außerdem sprechen wir in dieser Woche über den Zusammenhang von Artenvielfalt und Klimakrise, den Nobelpreis für Physik, den Traum vom sauberen Fliegen und wir stellen Ihnen die Klimawette vor.

Klimaherbst im MDR

Der MDR hat die Zeichen der Zeit erkannt und verstärkt seine Klimaberichterstattung.

MDR AKTUELL startet einen neuen Podcast, der den Zusammenhang zwischen aktuellen Wetterphänomenen und dem Klimawandel erklärt. Die Sendung „Brisant“ (17.15 Uhr im Ersten) will sich dauerhaft in der neuen Wochenrubrik „Klimax“ dem Thema Klima- und Umweltschutz widmen. 

Daneben wird es in den kommenden Wochen eine Dokumentation zum Wasserstoff geben, Live-Berichterstattung von der Klimakonferenz in Glasgow, Reportagen zum Umweltschutz in Mitteldeutschland, Tipps für nachhaltige Geldanlagen und einen neuen Podcast mit der renommierten Ökonomin Claudia Kemfert über Wirtschaft und Klima. Behalten Sie doch gerne den MDR in den nächsten Wochen stärker im Blick: Das Thema Klima finden Sie auf allen unseren Kanälen.

Müssen wir mehr Wildnis wagen?

Frau im Wald
Bildrechte: imago images/MASKOT

Seit der Industrialisierung haben wir Menschen uns die Erde untertan gemacht wie wohl nie zuvor. Wir haben die Natur ausgebeutet, um ihre Schätze in fossile Treibstoffe und Konsumprodukte aller Art umzuwandeln – mit dramatischen Folgen für das Klima und die Artenvielfalt: Der Weltbiodiversitätsrat schätzt, dass in den nächsten Jahrzehnten eine Million Tier- und Pflanzenarten aussterben und spricht vom sechsten großen Massensterben in der Erdgeschichte – an dem wir Menschen schuld sind. Weil wir immer mehr Land und Ressourcen benötigen, schwindet die weltweite wilde Natur: Nicht einmal 4% aller lebenden Säugetiere sind Wildtiere, der Rest sind entweder Menschen oder Nutztiere. Nicht einmal 25% der Erde sind noch halbwegs wilde Landschaften, der Rest sind unsere Nutzflächen. 

Mit dem Artensterben geht die Klimakrise einher, wie man eindrücklich im brasilianischen Regenwald sehen kann: Er ist einer der vielfältigsten und faszinierendsten Lebensräume und unsere globale Lunge. Doch es sind schon fast 20% des Regenwaldes zerstört. Nur noch wenige Prozente mehr, dann wird der Wald seine Funktion als globale Lunge verlieren. Denn der Wald schafft sein regenreiches Klima selbst und sorgt für die täglichen Regenzeiten, doch ab einer gewissen Zerstörung kann er diese Fähigkeit nicht mehr aufrechterhalten und entwickelt sich zu einer Savanne – ein Kipppunkt im globalen Klimasystem. Wir Deutschen dürfen uns übrigens nicht zu weit aus dem Fenster lehnen: Jeden Tag (!) versiegeln wir in Deutschland 50 Hektar (etwa 50 große Fußballfelder) an natürlicher Fläche für Straßen, Neubausiedlungen, Industrieparks und Co. 

Wie können wir die Natur also besser schützen? Müssen wir wieder mehr wilde Natur zulassen? Und wie kann diese Wildnis aussehen? Fragen, die Mitte Oktober beim globalen Gipfel zum Artenschutz in China diskutiert werden und denen wir auch in unserem Podcast “Meine Challenge – Ich suche die Wildnis” nachgegangen sind. Wieviel und welche Natur wünschen Sie sich in Ihrer Nachbarschaft? Schreiben Sie uns gerne Ihre Meinung zur Wildnis.

Wie können wir in Deutschland umweltverträglicher leben? Das Umweltbundesamt hat bereits vor über einem Jahr in einer großen Studie untersucht, wie der Weg zu einem treibhausgasneutralen Deutschland aussehen kann. Die Behörde skizziert eine Zukunft, in der wir viel sparsamer mit den natürlichen Ressourcen und der Natur umgehen als bisher und gleichzeitig unsere Emissionen minimieren. 

Diese Veränderung wird ein gesellschaftlicher Kraftakt, doch die Schritte dahin müssen nicht immer gleich revolutionär sein: Reparatur statt Neukauf, Recyclen statt Wegwerfen, solidarische statt industrieller Landwirtschaft, Fahrrad statt Auto (da wo es möglich ist), gemeinschaftliches Wohnen statt Einfamilienhaus-Siedlungen auf der grünen Wiese, Strom vom Dach statt aus dem Kohlekraftwerk, Güter auf die Schiene statt Lkw-Kolonnen. Und in diesem Sektor hat sich diese Woche auch etwas getan: Deutsche Bahn und Deutsche Post wollen den Schienenanteil am Postverkehr von derzeit zwei auf langfristig zwanzig Prozent erhöhen. Wenn Sie Lust auf eine längere Lektüre haben, werfen Sie doch mal einen Blick in diese Studie des Umweltbundesamtes.

Nobelwürdig: Modelle mit Sprengkraft

Je mehr fossile Energieträger wir verbrennen, desto mehr Treibhausgase stoßen wir aus und desto stärker erwärmt sich die Erde. Dieser lineare Zusammenhang ist seit mehreren Jahrzehnten bekannt und der Grundsatz der Klimaforschung. Diese Erkenntnis haben wir auch den diesjährigen Nobelpreisträgern für Physik zu verdanken: Klaus Hasselmann, Syukoro Manabe und Giorgio Parisi wurden für ihre bahnbrechenden Beiträge zum Verständnis komplexer physikalischer Systeme ausgezeichnet.

Ihre Modelle sind die Grundlage heutiger Klimaforschung. Wie wirken sich steigende Emissionen und steigende Temperaturen auf das weltweite Wetter und Wetterextreme, Ökosysteme und unsere Gesellschaften aus? Antworten darauf finden Klimaforscherinnen und -forscher mit Hilfe von computerbasierten Modellen, mit denen sie immer und immer wieder Parameter durchspielen und Vorhersagen für die Zukunft des Klimas treffen können. Die Computersimulationen und -Modelle sind in den vergangenen Jahren immer präziser geworden und ihre Aussagen sind überdeutlich: Wir sind auf dem Weg in die Klimakatastrophe.

Der Traum vom sauberen Fliegen

Mal ehrlich: Der Sommer war ganz schön durchwachsen und jetzt ist der Herbst mit Nieselwetter und kalten Temperaturen auch schon da. Bald stehen die Herbstferien vor der Tür und bei vielen ist der Wunsch nach Sonne und Wärme groß. Also ab in den Flieger Richtung Süden? Diesem Drang werden auch in diesem Herbst wieder viele Deutsche nachgeben und dadurch den Klimawandel weiter anheizen. Denn Fliegen ist der einfachste und schnellste Weg, um die individuellen Emissionen hochzutreiben. Doch die Luftfahrtbranche arbeitet seit kurzem daran, sauber zu werden, spätestens 2050 will sie CO2-neutral sein. Der Schlüssel dazu lautet: Treibstoffe ohne fossile Zusätze. 

Im Emsland ist in dieser Woche die weltweit erste Anlage eröffnet worden, die CO2-neutrales Kerosin für Flugzeuge herstellt. Erstaunlich: Dafür wurden keine öffentlichen Gelder verwendet.

Mein Kollege Marcel Roth hat mit dem Betreiber der Anlage gesprochen: die gemeinnützige Klimaschutzorganisation “Atmosfair“, die bislang vor allem Projekte zum Ausgleich von CO2-Emissionen entwickelt. Ihn wundert ein wenig, warum eine kleine Firma aus Berlin dabei schneller ist als große Mineralölkonzerne. Er beschreibt, wie die Anlage genau funktioniert (das kann man grundsätzlich verstehen), was es daran auszusetzen gibt (das E-Kerosin ist zwar CO2-neutral, aber nicht klimaneutral) und wie viel teurer das Fliegen mit E-Kerosin wird (eine ganze Menge).

Wetten, dass??

In den ersten Ausgaben unseres Newsletters haben wir Ihnen den CO2-Rechner des Umweltbundesamtes vorgestellt, mit dem Sie ihren individuellen Fußabdruck berechnen können. Wir Deutschen liegen im Schnitt bei 8 bis 10 Tonnen pro Person pro Jahr – viel zu viel im globalen Vergleich. Emissionen können wir durch Verhaltensänderungen mindern oder auch kompensieren: indem wir Maßnahmen finanzieren, die anderswo auf der Welt Emissionen verringern. Dieser Weg ist nicht unumstritten, aber vielleicht ein Baustein, um auf einen treibhausgasneutralen Weg zu gelangen.

Aktivistinnen und Aktivisten haben Ende des vergangenen Jahres die so genannte Klimawette gestartet, um im Vorfeld der Klimaschutz-Konferenz in Glasgow Druck aufzubauen: Sie wollen eine Million Menschen finden, die jeweils eine Tonne CO2 kompensieren und so ein direktes Zeichen für Klimaschutz setzen. Von diesem Ziel sind sie noch weit entfernt, aber vielleicht haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, ja auch Lust und Geld, sich der Wette anzuschließen und eine Tonne Kohlenstoffdioxid auszugleichen. Wenn ja, empfehle ich Ihnen den Kauf eines CO2-Zertifikats: Damit nehmen Sie direkt Einfluss auf die Treibhausgasemissionen der EU, die dann nämlich verringert werden müssen.

Vielen Dank für Ihr Interesse und ein schönes Wochenende wünscht

Max Heeke

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