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In Dresden demonstrieren Menschen für die Verkehrswende. Bildrechte: imago images/Thomas Eisenhuth

Fahrrad statt Auto, Elektro statt Benzin

Die Verkehrswende als Klimaretter?

von Thilko Gläßgen

Stand: 08. Dezember 2020, 16:06 Uhr

Für ein Viertel der Treibhausgasemissionen ist der Verkehr verantwortlich. Wie kann der CO2-Ausstoß verringert werden, sodass auch die Mobilität nachhaltiger wird und ihren Beitrag zum Klimaschutz leistet?

Um die Klimakrise effektiv zu bekämpfen, müssten die CO2-Emissionen aus dem Verkehrssektor sinken, doch steigen sie weltweit betrachtet Jahr für Jahr. Liegt der Anteil aller Verkehrsträger bei einem Viertel des Gesamtausstoßes, so machen allein Autos 72 Prozent davon aus. Forscher haben sich verschiedene Wege angesehen, wie Mobilität nachhaltiger werden kann und welchen Einfluss die Politik hat.

Königsweg CO2-Preis?

Insbesondere beim Thema Transport in der Wirtschaft wird der CO2-Preis als effektives Instrument angesehen, schließlich können sich die Unternehmen dann frei entscheiden, wie sie sich verhalten. So können sie Verschmutzungsrechte hinzukaufen, wenn sie mehr Kohlenstoffdioxid emittieren. Aber auch der Weiterverkauf ist möglich. Die Herausgeber der Studie John Axsen, Patrick Plötz und Michael Wolinetz merken allerdings an, dass der CO2-Preis pro Tonne jetzt schon bei 40 bis 80 US-Dollar liegen müsste. Bis Ende 2030 sogar bei 50 bis 100 US-Dollar.

Zum Vergleich: In Deutschland wird von 2021 an erstmals ein CO2-Preis fällig. Dieser beträgt 25 Euro (ungefähr 30 US-Dollar). Ab 2026 wird der Preis durch Versteigerungen ermittelt, wobei ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro vorgegeben ist. Ein weiteres Problem sei laut Axsen und seinem Team, dass effektiver Emissionshandel nur in Ländern existiert, die für weniger als fünf Prozent der Emissionen verantwortlich sind. Eine wichtige Rolle räumen die Wissenschaftler Mautgebühren ein. Sie könnten den CO2-Ausstoß um bis zu 13 Prozent verringern. Mehr als jede fünfte Reise mit dem Pkw fiele demnach weg.

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Strom und Wasserstoff als Lösung?

Weg von Diesel und Benzin hin zu Elektrizität, Wasserstoff und Biokraftstoffen ist für die Studienautoren der wichtigste Punkt. Ziel müsse sein, dass mindestens ein Drittel der Fahrzeuge 2030 moderne, leichte Nutzfahrzeuge sind. Dies gelinge über direkte, finanzielle Kaufanreize. Weniger wirkungsvoll werden Vorteile, wie die Benutzung der Busspur oder Befreiung von Mautgebühren gesehen. Für die finanziellen Kaufanreize sei außerdem die Höhe entscheidend, wie am Beispiel Norwegens gesehen werden könne. Dort waren im vergangenen Jahr über 40 Prozent aller Neuzulassungen Elektroautos.

Auch müsse der Anteil an CO2 in Kraftstoffen verringert werden. Vorbildhaft ist hier die Region British Columbia. Basierend auf dem CO2-Anteil von 2007 muss dieser hier in den nächsten zehn Jahren um 20 Prozent gesenkt werden. Fossile Brennstoffe werden so teurer, während Nachhaltigkeit gefördert wird. Anders als bei Mautgebühren erwarten Axsen und Co. auch eine höhere Akzeptanz bei den Menschen. Sie prognostizieren daher Einsparmöglichkeiten von bis zu 75 Prozent bis 2050.

Im Verkehrssektor entstehen mehr als ein Viertel aller CO2-Emissionen. Tendenz steigend. Bildrechte: imago images/Lichtgut

Schlupflöcher stopfen

Während es für kleine Nutzfahrzeuge inzwischen strenge Regeln gebe, sei die Entwicklung von SUVs fürs Klima katastrophal. Der Unterschied zwischen den im Labor gemessenen Emissionen und den tatsächlichen mache bis zu 40 Prozent aus. Hier ist die Technik gefragt, bessere Lösungen zu entwickeln. Aber auch die hohen Anschaffungskosten moderner Autos sorgen dafür, dass Besitzerinnen und Besitzer ineffizienter Fahrzeuge den Spritschluckern treu blieben.

Hier müsse die Politik stärker regulierend eingreifen. Klare Vorgaben für die Hersteller, die sich an Nachhaltigkeit und geringem CO2-Ausstoß orientieren. Allerdings sind es auch die Maßnahmen selbst, die sich überschneiden und den Autoherstellern Probleme bereiten.

Veränderung im Reiseverhalten

Hinsichtlich Reisen müsse ein größerer Fokus auf Wandern und Radfahren gelegt werden. Dies gelänge beispielsweise durch eine Verbesserung der Infrastruktur und mehr Sicherheit. In den Niederlanden mache das sogenannte aktive Reisen schon fast die Hälfte aller Reisen aus. Doch auch der öffentliche Personenverkehr kann ausschlaggebend sein. Hier schlummert großes Potenzial.

Am meisten helfe natürlich, gar nicht erst zu verreisen. Den Sommerurlaub an der Ostsee verbringen, anstatt in die Karibik zu fliegen. In Zeiten von Corona, wo Home Office erstmals auch großflächig in Deutschland zum Einsatz komme, entfalle die Fahrt zur Arbeit. So könnten auch zukünftige digitale Lösungen dabei helfen, aufwändige Dienstreisen zu ersetzen.

Es gibt nicht das eine Gesetz

Der größte Teil der LKW wird mit Diesel betrieben. Eine Umstellung auf Wasserstoff und andere nachhaltigere Antriebe ist für die Studienautoren ebenso nötig, wie der stärkere Fokus auf die Schiene. Per Zug und sogar per Schiff sind die Emissionen deutlich geringer. Doch gerade im Transportbereich seien laxe Gesetze an der Tagesordnung. Strengere Regeln würden auch hier Einsparungen von bis zu 20 Prozent CO2 bis 2030 ermöglichen.

Letztlich halten die Forscher fest, dass es nicht das eine Gesetz gibt, was das Verkehrswesen nachhaltig macht. Stattdessen ist es der Mix aus ihren Vorschlägen und dem Willen jedes einzelnen Menschen, damit die Auswirkungen der Klimakrise abgemildert werden können.

Link zur Studie

Die Studie ist unter dem Titel "Crafting strong, integrated policy mixes for deep CO2 mitigation in road transport" in der Nature climate change erschienen. Neben Jonn Axsen und Michael Wolinetz die im kanadischen British Columbia forschen, war auch Patrick Plötz vom Fraunhofer-Institut in Karlsruhe beteiligt.

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