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Forscher fordern: Klimawandel neu begreifen

Klimawandel
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Ob Klimawandel oder Ressourcenknappheit: Hinter den Veränderungen auf unserem Planeten steckt der Mensch und die Menschheit muss ihre selbstgestrickten Probleme lösen. Das ist die Stelle, an der Sie normalerweise vermutlich wegklicken würden: Klingt so, als ginge es gleich um die üblichen Katastrophenszenarien, die unser Konsumverhalten verursacht - verseuchte Böden, kranke oder vernichtete Wälder, verpestete Luft, verdreckte Meere mit mehr Plastik als Fischen drin... Und im Prinzip wissen wir alle, wer das regeln muss: die Politik und die Wissenschaft. Aber woher wissen wir das eigentlich? Und wenn wir dann noch Politikern misstrauen, fängt der eine oder andere gleich noch an, am Klimawandel zu zweifeln.

Gelernt: Klimawandel ist eine Katastrophe

Wie stehen wir zu Klimawandel und Umwelt? Unsere Sicht ist stark geprägt durch den Biologen Garret James Hardin, dessen Essay "The tragedy of the Commons" 1968 fur Furore sorgte. Er beschrieb begrenzte Umweltressourcen, die bis hin zu ihrer Erschöpfung genutzt werden und Menschen als egoistische, auf ihren eigenen Vorteil bedachte Nutzer. Zwischen beiden Elementen, Mensch und Umwelt, gab es nach Hardin keine allgemein akzeptierte, übergeordnete Instanz.

Wer ist zuständig?

Im Laufe der Jahrzehnte hat die Wissenschaft Hardins Narrativ erweitert: Man spricht nicht mehr von der "Tragik der Allmende", sondern von der "Tragödie der menschlichen Gesellschaft". Aber der Blickwinkel ist ähnlich - der Mensch bleibt dem Umweltwandel und dessen Folgen und Gefahren ausgeliefert. Für deren Lösung sind Politik und Wissenschaft zuständig.

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Deshalb nehmen wir zwar Schlagzeilen zu Klimawandel oder -katastrophen wahr. Wir identifizieren sie aber nicht als etwas, für das wir zuständig sind. Oder wir lesen solche Meldungen skeptisch und zweifeln den Klimawandel an, weil wir den Politikern hinter den Nachrichten nicht trauen.

Blick auf den Klimawandel muss sich ändern

Wie Klimawandel begriffen und beschrieben wird, das muss sich wandeln, fordern Professorin Katrina Brown und ihr Kollege Neil Adger von der Universität Exeter sowie Joshua Cinner von der James Cook University. In ihrem Essay im Wissenschaftsmagazin Sciencedirect plädieren sie dafür, den Klimawandel über moralische Argumente als gemeinsames Ziel zu beschreiben, statt als rein wissenschaftliche Aufgabe.

Moralische Aspekte machen Menschen munter

Dazu braucht es nach Ansicht der Wissenschaftler ein neues Framing für Klimawandel: Die ganze Klaviatur der menschlichen Werte müsste angesprochen werden, wie Fairness oder Pflichtbewusstsein zum Beispiel. Denn Menschen wollen Joshua Cinner zufolge prinzipiell alle das Gleiche: das Richtige tun – nur am "wie" scheiden sich die Geister, und an welcher Stelle jemand ein Thema als ein wichtiges gemeinschaftliches Ziel verinnerlicht.

Wie nun lässt sich der Klimawandel aus dem bisherigen Verständnisrahmen von der "Tragödie der menschlichen Gesellschaft" lösen? Indem man an Wert-und Moralvorstellungen der Menschen andockt, sagen die Wissenschaftler. Wenn Klimawandel als lösbare Gemeinschaftsaufgabe begriffen wird, werden Motivation und Kräfte anders beflügelt.

Klimawandel
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Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | 02. Dezember 2018 | 15:30 Uhr