Von Naturkatastrophen bis Lebensmittelverschwendung Folgen des Klimawandels: Was der neue Bericht des Weltklimarates zeigen wird

Ende Februar veröffentlicht der Weltklimarat seinen neuen Bericht. Seit dieser Woche tagen die Expertinnen und Experten und beraten abschließend über das Dokument. Die erwarteten Folgen des Klimawandels sind schwerwiegend. Das wird bereits durch die Statements der Expertinnen und Experten deutlich, die sich vor der Veröffentlichung des IPCC-Berichts geäußert haben. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Noch können wir handeln.

Dürre
Dürre ist eine der vielen Folgen, zu denen es wegen des Klimawandels kommt. Bildrechte: Colourbox.de

Ende Februar veröffentlichen die rund 270 internationalen Expertinnen und Experten des Weltklimarates den zweiten Teil des 6. IPCC-Sachstandsberichts. Das Thema: "Klimawandel 2022: Folgen, Anpassung und Verwundbarkeit". Auch wenn die finalen Ergebnisse derzeit noch nicht bekannt sind, haben sich Forschende aus Deutschland bereits dazu geäußert. So erklärte Professor Hans-Otto Pörtner, Meeresbiologe am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, beim Pressegespräch des Deutschen Klima-Konsortiums:

Der neue IPCC-Bericht wird wie kein anderer zuvor zeigen, wie sehr sich die Welt aufgrund des Klimawandels schon verändert hat und mit welchen katastrophalen Klimarisiken wir in Zukunft rechnen müssen – je nachdem, wie schnell und wie weit wir den Ausstoß der Treibhausgase senken.

Professor Hans-Otto Pörtner, Meeresbiologe

Wie die Helmholtz Klima Initiative vermutet, wird der neue Bericht die Folgen der Erwärmung und die erforderlichen Anpassungsmaßnahmen viel kleinteiliger darstellen. Dank besserer Klimamodelle sei es möglich, die Folgen in den einzelnen Regionen darzustellen.

Das ist der IPCC IPCC steht für "Intergovernmental Panel on Climate Change" und wird auch Weltklimarat genannt. Er ist eine 1988 gegründete Institution der Vereinten Nationen. Expertinnen und Experten aus der ganzen Welt tagen regelmäßig und tragen ihren aktuellen Kenntnisstand zum Klimawandel zusammen. Diese Inhalte wiederum stellen die Grundlage für politische Diskussionen und Entscheidungen dar – sie zeigen unterschiedliche Handlungsoptionen und Empfehlungen auf.

Sönke Zaehle vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie und Johannes Quaas, Professor für Theoretische Meteorologie an der Universität Leipzig mit Video
Bildrechte: Anna Schroll MPI-BCI / Katharina Werneburg Uni Leipzig

Naturkatastrophen: Sterbende Wälder, Dürre und Hochwasser

Die Auswirkungen zeigen sich in Deutschland bereits durch das Absterben der Wälder, die landwirtschaftlichen Verluste wegen der Dürre oder die Hochwasser. Das geht auch aus einer Studie des Climate Service Centers Germany von 2021 hervor. Darin betrachteten die Forscher drei Szenarien: starker, mäßiger oder kein wirksamer Klimaschutz. Das Ergebnis: Im schlechtesten Fall, dem Szenario mit weiter hohen Emissionen, könnten die Temperaturen bis 2099 im Jahresmittel um über fünf Grad Celsius steigen: Sachsen-Anhalt 5,3 Grad, Thüringen 5,4 Grad und Sachsen 5,5 Grad.

Es gibt nach unseren Untersuchungen nicht einen einzigen Landkreis, bei dem alles beim Alten bliebe, falls sich die Emissionen weiterhin auf gleichem Level bewegen oder sogar noch steigen würden.

Dr. Diana Rechid, Klimaforscherin am Climate Service Center Germany

In Halle, Chemnitz oder Eisenach würden dann ähnliche Bedingungen herrschen wie in Rom oder Madrid. Baumarten wie die Fichte könnten nicht überleben. Auch die Buche bekäme Probleme. Das träfe vor allem Waldgebiete wie den Harz, den Schwarzwald, den Bayerischen Wald und die Alpenregion.

Hunger nimmt zu, Wasser wird weniger

Auf weitere Folgen des Klimawandels verweist Professor Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle: Der Hunger werde zunehmen und das Wasser weniger. "Aber wir sind dem Klimawandel als Gesellschaft nicht ausgeliefert", sagt er und erklärt, dass für das positive Entgegenwirken beispielsweise ein "veränderter Lebensmittelkonsum und Wassersparsamkeit in der Landwirtschaft" wichtig sind.

Ein Problem in diesem Bereich zeige sich auch im Lebensmitteleinzelhandel, der zu hohe Anforderungen an das Obst und Gemüse habe, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgingen, kritisiert Dr. Anne Biewald vom Umweltbundesamt in Dessau. Diese müssten möglichst perfekt und ohne Makel sein. Deshalb fordert sie unter anderem vom Handel, "dass bei Obst und Gemüse in Zukunft auf Vorgaben in Bezug auf Größe, Gewicht oder Aussehen verzichtet werden soll, dass das Obst und Gemüse mehr so angeboten werden soll, wie es eigentlich gewachsen ist".

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Besonderer Fokus: Städte und Ballungsgebiete

Ein besonderer Fokus des IPCC-Berichts liegt auf den Städten und Ballungsgebieten, weil dort besonders viele Menschen leben. Professorin Daniela Jacob, Direktorin des Climate Service Center Germany, erklärt "Der Klimawandel geschieht vor unserer Haustür und stellt insbesondere unsere Städte und Kommunen vor neue Herausforderungen."

Dementsprechend haben viele Städte und Kommunen bereits Klima-Projekte, die versuchen die Folgen des Klimawandels auszubremsen. Erfurt, Dresden und Magdeburg zum Beispiel haben Projekte und Aktionspläne gegen die zunehmende Hitze in den Städten. Im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt ist Anfang Februar der InnovationsHub "Zukunft Holz & Klima" gestartet, der Projekte mit Blick auf den Ausstieg aus fossilen Ressourcen in der Region gestalten soll. Der Landkreis ist nämlich auch ein Braunkohle-Revier. Das Land Sachsen fördert sogenannte Klimaschulen. Schulen können sich bewerben und werden finanziell unterstützt. Die Idee: Dort soll es theoretisch und praktisch um das Thema Klima gehen und bewusst nachhaltig gehandelt werden. Zum Beispiel sind die Christliche Schule Dresden und das Städtische Gymnasium Mittweida bereits mit dabei.

(jd)

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