Studie zum Klimawandel Satellitenbilder zeigen: Alpen werden immer grüner und schneeärmer

Die globale Erwärmung sorgt dafür, dass die Alpen jenseits der Baumgrenze immer grüner werden. Bei fast 80 Prozent der Flächen ist das so. Zugleich hat die Schneedecke um fast zehn Prozent abgenommen. Das haben Schweizer Forscher anhand von Satellitenbildern der zurückliegenden 38 Jahre nachgewiesen.

Blick vom Pischahorn in Richtung Plattenhörner in den Schweizer Alpen.
Blick vom Pischahorn in Richtung Plattenhörner in den Schweizer Alpen. Auch jenseits der Baumgrenze wird es immer grüner. Bildrechte: Sabine Rumpf

Die Alpen werden aufgrund der Klimaerwärmung immer grüner und es liegt immer weniger Schnee. Das ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern aus der Schweiz. Das Forschungsteam um die Studien-Hauptautoren Prof. Sabine Rumpf von der Universität Basel sowie die Professoren Grégoire Mariéthoz und Antoine Guisan von der Universität Lausanne untersuchte anhand hochauflösender Satellitenbilder aus den Jahren 1984 bis 2021 die Veränderung der Schneedecke und der Vegetation im Alpenraum.

"Begrünung" von über Dreiviertel der Fläche

Gefurchter Steinbrech und Blick vom Piz la Stretta zum Piz Palü Schweiz/Italien.
Blick vom Piz la Stretta zum Piz Palü im schweizerisch-italienischen Grenzgebiet. Im Vordergrund: Gefurchter Steinbrech (Saxifraga exarata). Bildrechte: Sabine Rumpf

Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass die Biomasse auf mehr als 77 Prozent der von ihnen observierten Flächen oberhalb der Baumgrenze von 1.700 Metern zunahm. Dieses Phänomen der "Begrünung" ist bereits in der Arktis gut dokumentiert. Nun wird es auch in Hochgebirgen festgestellt. "Das Ausmaß der Veränderung ist in den Alpen absolut massiv", sagt Rumpf. Das Gebirge werde immer grüner, weil die Pflanzen immer mehr Gebiete besiedeln und die Vegetation generell dichter und höher werde.

Zehn Prozent weniger Schneedecke

Zugleich stellten Rumpf und Kollegen fest, dass die Schneedecke im gesamten Alpenraum um fast zehn Prozent abgenommen hat. Das klinge zwar erstmal nicht viel, zeige aber dennoch einen besorgniserregenden Trend, betonen die Forscher. Frühere Satellitenbilder hätten einen solchen Trend nicht festgestellt. Die Ergebnisse der Studie deuten nach Ansicht der Schweizer Forscher darauf hin, dass die "Begrünung" der Alpen in der Region zwar mehr Kohlenstoff binden könnte. Allerdings könnten "Rückkopplungen" zwischen Schnee und Vegetation in Zukunft zu noch ausgeprägteren Umweltveränderungen führen.

Teufelskreis wird in Gang gesetzt

Alpenmargerite mit Blick vom Piz la Stretta zum Piz Palü Schweiz/Italien.
Alpenmargerite (Leucanthemopsis alpina) mit Blick vom Piz la Stretta zum Piz Palü. Bildrechte: Sabine Rumpf

Die Forscher warnen, dass sich die Alpen mit fortschreitender Erderwärmung immer mehr von weiß in grün verwandeln werden. Damit werde ein "Teufelskreis" in Gang gesetzt: "Grünere Berge reflektieren weniger Sonnenlicht und führen daher zu einer weiteren Erwärmung - und damit zu einer weiteren Schrumpfung der reflektierenden Schneedecke", erklärt Rumpf. Die Erwärmung führe auch zum weiteren Abschmelzen der Gletscher und zum Auftauen des Permafrosts, was zu mehr Erdrutschen, Steinschlägen und Muren führen kann. Zudem könnten dabei auch weitere Treibhausgase freigesetzt werden.

Darüber hinaus betont die Schweizer Forscherin die wichtige Rolle von Schnee und Eis aus den Alpen für die Trinkwasserversorgung und für die Erholung und den Tourismus. Zudem warnen sie und ihre Kollegen, dass durch die Störung der ökologischen Strukturen des Alpenraums empfindliche alpine Pflanzen- und Tiergemeinschaften weiter gefährdet werden könnten.

Bislang umfassendste Analyse zum Thema

Mit gut 20 Kilometern Länge ist der Aletsch der größte Gletscher in den Alpen. Wie ein Fluss aus Eis erstreckt er sich durchs Hochgebirge. Noch wirkt er mächtig, doch sein Eisschild schmilzt Jahr für Jahr immer weiter ab. 3 min
Mit gut 20 Kilometern Länge ist der Aletsch der größte Gletscher in den Alpen. Wie ein Fluss aus Eis erstreckt er sich durchs Hochgebirge. Noch wirkt er mächtig, doch sein Eisschild schmilzt Jahr für Jahr immer weiter ab. Bildrechte: SWR/Vidicom/Bardehle
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Die in der Fachzeitschrift Science erschienene Studie von Rumpf und Kollegen ist die bislang umfassendste Analyse der Veränderungen der "Vegetationsproduktivität" in den Alpen. Die Autoren zeigen, dass die Zunahme der pflanzlichen Biomasse vor allem auf veränderte Niederschläge und längere Vegetationsperioden als Folge der steigenden Temperaturen zurückzuführen ist. Bisherige Studien haben sich vor allem mit dem Einfluss der Klimaerwärmung auf die Biodiversität in den Alpen und mit Veränderungen in der Verteilung der Pflanzenarten beschäftigt.

(dn)

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