Krebsforschung Klingen kranke Gene anders als gesunde?

Ob unsere Gene das tun, was sie sollen oder nicht, davon haben wir zunächst keine Ahnung. Wir merken es nur daran, ob wir gesund oder krank sind. Ein Hallenser Krebsforscher hat jetzt die Gene als eine Art Komposition genutzt, um herauszufinden, ob kranke Gene anders klingen als gesunde.

Modellmelodien auf einem Bildschirm
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Stellen wir uns die Gesamtheit unserer Gene als riesiges Orchester vor mit tausenden von Musikern. Jeder hat sein eigenes Instrument und seine besondere Rolle, um das Stück des Lebens perfekt zu spielen. Das ist der Idealfall. Die Realität sieht jedoch manchmal anders aus: Einige Musiker spielen zu laut oder zu leise, manche schlafen ein, verpassen den Einsatz und andere hören gar nicht mehr auf zu spielen.

Bei Krebserkrankungen zum Beipsiel scheint das Orchester der Gene völlig aus dem Tritt geraten zu sein. Diese Unregelmäßigkeiten der Genaktivität stellt man normalerweise in riesigen Tabellen dar, sagt Prof. Martin Staege Leiter des Forschungslabors der Kinderklinik an der Uni Halle:

Mikrobiologe Prof. Martin Staege
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Wir haben bei diesen Analysen teilweise Tabellen, die weit über eine Millionen Zeilen lang sind. Deshalb haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, die Daten so aufzuarbeiten, dass das menschliche Gehirn versteht, was dort passiert.

Dafür sammelt Prof. Staege Daten aus vielen gesunden Zellen. Ein Computerprogramm setzt das Gesamtbild der Genaktivitäten so um, dass es hörbar wird - bei gesunden Zellen als "Alle meine Entchen".  Vertont das gleiche Programm die Genaktivität einer Tumorzelle, entstehen jede Menge Misstöne. Die Melodie von "Alle meine Entchen" ist kaum noch erkennbar.  Es muss aber gar kein Lied sein, mit der sich gesunde und kranke Zellen vergleichen lassen. Es reicht ein einzelner Ton. Je größer und häufiger die Abweichungen, desto größer sind auch die Abweichungen in der Genaktivität der jeweiligen Zelle.

Modellmelodien auf einem Bildschirm
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Mit seiner Musik vergleicht Prof. Staege nicht nur gesunde und kranke Zellen, sondern macht auch Unterschiede scheinbar gleicher Tumorarten hörbar:

Es gibt Tumore, die im histologischen Erscheinungsbild alle ähnlich aussehen. Aber man kann Unterscheidungen hören zwischen den einzelnen Tumorformen.

Prof. Martin Staege hofft, dass eine Kombination der optischen Untersuchung und der musikalischen Darstellung bösartiger Zellen neue Erkenntnisse möglich macht. Dass man nämlich diese Genaktivitäten besser herausfinden und damit auch die Diagnostik und Behandlung von Krebserkrankungen verbessern kann.

Der Klang der Gene zum Anhören

Noten 3 min
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Ein mikroskopisches Bild von Genstrukturen hat ein jeder von uns schon gesehen. Dass diese auch auch klingen können, ist neu. Wissenschaftsredakteur Karsten Möbius hat vorgehört.

MDR FERNSEHEN Di 13.12.2016 15:20Uhr 02:35 min

https://www.mdr.de/wissen/audio-251072.html

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Wie dieser Radiobeitrag entstanden ist

Radioreporter Karsten Möbius 4 min
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