Hauptgebäude des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle
Bildrechte: Fraunhofer IMWS

Umstritten: Kohle-Politik Fraunhofer-Institut Halle: Leiter Wehrspohn holt Kohle-Kommission an die Saale

Brauchen wir sie noch oder nicht? Die Diskussion um den Ausstieg aus der Kohle ist in vollem Gange. Heute ist die so genannte Kohlekommision, eine Runde aus Mitgliedern von Industrie, Umweltverbänden, Gewerkschaften und Experten für eine Sitzung in Halle zu Gast. Denn auch ein Hallenser ist Mitglied der Kohlekommission – und als Leiter des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen eines, das in Sachen Strukturwandel sogar Lösungen haben könnte.

Hauptgebäude des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle
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Ralf Wehrspohn hat eine außergewöhnliche Karriere gemacht: Schon mit 32 Jahren wurde der gebürtige Lübecker Professor an der Universität Paderborn.

Prof. Dr. Ralf B. Wehrspohn, Leiter Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS
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Vier Jahre später, 2006, übernahm er als jüngster Direktor das Fraunhofer-Institut in Halle. Seitdem hat der umtriebige Physiker viel verändert: Die Anzahl der Mitarbeiter hat sich verdreifacht, das Budget vervierfacht. Wehrsporns Expertise wird nicht nur in der Wissenschaft geschätzt, er ist auch in Politik und Wirtschaft gut vernetzt. Selbst über seine Arbeit sprechen möchte Wehrspohn zurzeit nicht - um die Vertraulichkeit in der Kohlekommission nicht zu gefährden, heißt es.

Stattdessen spricht Wirtschafts-Professor Ulrich Blum. Er ist der Gründungsdirektor des Zentrums für Ökonomik der Werkstoffe, das das Fraunhofer-Institut gemeinsam mit der Universität Halle betreibt. Hier geht es um einen Schwerpunkt der Hallenser Fraunhofer-Forscher: Die Entwicklung ganz neuer Zukunftstechnologien für nachhaltigere und effiziente Rohstoffnutzung, erklärt Blum: "Hier haben wir ganz konkrete Vorschläge, die auch jetzt investiv umgesetzt werden, die beispielsweise dazu führen, dass wir Kunststoffe ganz anders recyceln und wieder aufbereiten können, als das bisher gedacht war."

In Halle wird nach alternativen Techniken geforscht

So wird unter anderem an besser recyclebaren Kunststoffen und Recycling-Verfahren, die den Namen auch wirklich verdienen, geforscht – aber auch an Alternativen zu Seltenen Erden oder der Wasserstoff-Technik. Allen ist gemeinsam, dass die Fraunhofer-Forscher auf komplett neue, innovative Techniken setzen.

Wenn wir in Ostdeutschland und vor allem in Mitteldeutschland erfolgreich sein wollen, dann müssen wir nicht alte Sachen mit uralten Techniken nochmal nachmachen, sondern wir müssen uns auf einen neuen Innovationszyklus draufsetzen und der nächste Innovationszyklus wird mit Recycling ganz massiv zu tun haben.

Professor Ulrich Blum, Center für Ökonomik der Werkstoffe

Das Interesse an solchen Entwicklungen ist international sehr groß.

Wenn die deutsche Wirtschaft sich klug aufstellt, kann sie es lösen, weil sie die Verfahren hat und kann da wieder fantastische Exporte in der Anlagenindustrie machen. Und jetzt komm ich wieder zu der Kohlekommission: Das sind Ideen, die wir dann einer Kohleregion – allgemeiner Kohlenstoffregion – wie der Lausitz und dem mitteldeutschen Bereich anraten, weil wir sagen: Das ist eine Region, die kann das und warum sollen wir nicht dort eine neue Anschlusstechnologie aufbauen.

Professor Ulrich Blum, Center für Ökonomik der Werkstoffe

Dafür wird vermutlich auch Blums Kollege und Fraunhofer-Direktor Wehrspohn in der Kohlekommission Werbung machen. So könnte sein Institut nicht nur einen entscheidenden Schritt zum Strukturwandel beitragen, sondern auch noch viel für unsere Umwelt und eine nachhaltigere Gesellschaft für alle tun.

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Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell | Radio | 24. September 2018 | 06:51 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. September 2018, 12:26 Uhr