Eine Familie läuft im Regen auf einem Fußweg
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Abgase im Straßenverkehr Wie gefährlich ist CO2?

Kohlendioxid erschwert es der Lunge, den Sauerstoff aus der Atemluft aufzunehmen: Ist die CO2-Konzentration zu hoch, können wir ersticken. Weil das Gas schwerer als Luft ist, müsste es eigentlich zu Boden sinken und sich sammeln. Aber ist diese Gefahr wirklich real?

Eine Familie läuft im Regen auf einem Fußweg
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Kohlenstoffdioxid (CO2) ist Teil unserer Atemluft: Etwa 0,04 Prozent der Luft, die wir täglich atmen, macht das Treibhausgas aus. In höheren Konzentrationen kann CO2 gefährlich werden. Weil es die Aufnahme von Sauerstoff in unserer Lunge behindert, können Ohnmacht und Ersticken die Folge sein.

CO2 ist überall vorhanden, in der Luft, im Wasser, Pflanzen speichern es in Form von Kohlenstoff. Wir Menschen greifen in diesen Kreislauf ein. Das meiste Kohlendioxid stoßen derzeit Kohlekraftwerke aus, es gelangt aber auch über die Abgase von Autos in die Luft. Deshalb gibt es in vielen Städten bereits Messtationen für CO2 und andere Abgase. Sie kontrollieren, dass die Konzentrationen nicht in schädliche Bereiche steigt. Die Messgeräte befinden sich oft in einer Höhe von ein paar Metern, doch C02 ist schwerer als Luft – deshalb sinkt es eigentlich zu Boden und konzentriert sich dort. Messen sie also an der falschen Stelle?

Der Hauch des Todes

Das Phänomen des "CO2-Teppichs" am Boden war schon in der Antike bekannt. So fand Professor Hardy Pfanz, Vulkanbiologe der Universität Duisburg-Essen (UDE), bei aktuellen Untersuchungen heraus, dass sich Priester im römischen Reich das Absinken von Kohlendioxid bereits damals zu Nutze machten: In Hierapolis, einer Pilgerstätte in der heutigen Türkei, gibt es einem Tempel für Pluto, den Gott der Unterwelt. Den Vorhof bildet eine unterirdische Grotte: Dort bildet sich ein unsichtbarer, giftiger Dunst, der Opfertiere tötete, den Priestern aber nichts anhatte. Es muss der tödliche Atem des Höllenhunds Kerberos sein, der für den Gott Pluto den Eingang zur Unterwelt bewacht – davon waren die Menschen damals überzeugt und glaubten den Priestern ihre besondere Verbindung zu den Göttern.

Professor Pfan weiß durch seine weltweiten Studien an CO2-Gas-Seen, was es mit dem "Todeshauch" des Kerberos tatsächlich auf sich hat:

Professor Pfanz von der Uni Duisburg-Essen bei einer Expedition in Griechenland
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Viele Pluto-Tempel sind über Grotten errichtet - auch die beiden Heiligtümer in Hierapolis. In diese Grotten strömt geogenes Kohlendioxid, dabei bildet sich je nach Uhrzeit ein bis zu anderthalb Meter hoher, unsichtbarer Gas-See, der tödlich ist.

Professor Hardy Pfanz, Vulkanbiologe der Universität Duisburg-Essen
Blick auf die Ruinen der antiken Stadt Hierapolis in der heutigen Türkei
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Die Forscher um Professor Pfanz haben nachgewiesen, dass die CO2-Konzentration in den Höhlen zeitweise extrem hoch war, nämlich zwischen 60 und 80 Prozent. Das führt zum sofortigen Erstickungsstod, schon bei fünf bis acht Prozent wird einem schwindelig.

Sie glauben, dass die Priester wussten, wann der tödliche Atem des Kerberos wirkte und bis zu welcher Höhe ein Aufenthalt völlig ungefährlich war. Weil sie aufrecht gingen, lagen ihre Köpfe hoch genug, um über das tödlichen und unsichtbare Kohlendioxid hinauszuragen.

Die Opfertiere standen jedoch mitten im CO2-Dunst, ihnen wurde schwindelig, die Köpfe sanken zu Boden, wo sie die tödliche Dosis einatmeten. Die Priester hingegen konnten auf ihrer Position etwa 20 bis 40 Minuten aushalten.

Professor Hardy Pfanz

CO2-Unfälle gibt es immer wieder

CO2, das sich in Bodensenken sammelt, kann immer zu Erstickungs-Unfällen führen - etwa in landwirtschaftlichen Silos oder Mechaniker-Gruben in Autowerkstätten. In Kamerun kam es am 21. August 1986 zu einer Katastrophe: Damals setzte der Nyos-See, ein alter Vulkankrater, vermjtlich nach einem Erdrutsch schlagartig 1,6 Millionen Tonnen natürliches Kohlendioxid frei. Das Gas tötete 1.700 Menschen in einem Umkreis von bis zu 27 Kilometern.

Wenn nicht gerade ein solches Naturereignis Unmengen auf einmal freisetzt, ist eine erhöhte CO2-Konzentration aber normalerweise vor allem in geschlossenen Räumen ein Problem - ähnlich wie in den Grotten in Hierapolis oder den Silos. Deshalb gibt zum Beispiel das Umweltbundesamt Empfehlungen für Innenräume ab.

Keine Zeit zum Absetzen

Im Freien dagegen ist zu viel Bewegung in der Luft, als dass sich Kohlendioxid in normalen Mengen auf gefährliche Weise am Boden ansammeln könnte. Selbst auf viel befahrenen Straßen gibt es keinen CO2-Teppich, wie in den Grotten von Hierapolis. Das würde nur dann passieren, wenn die Luft eine stehende Masse wäre, in der die schweren CO2-Moleküle gemütlich nach unten sinken könnten. Dann allerdings würden wir in Abgasen ersticken.

Davor bewahren uns aber Wind, Turbulenzen und der Umstand, dass warme Luft aufsteigt. Die vielen CO2-Teilchen in der Luft haben überhaupt keine Zeit, sich langsam abzusetzen und am Erdboden anzureichern, weil die Luftmassen durch Wind und Wetter ständig aufgewirbelt werden und sich so über die Atmosphäre verteilen. Tatsächlich ist der Anteil der CO2-Moleküle in der Luft ist bis in eine Höhe von fast 100 Kilometern nahezu konstant, es gibt keine "Anreicherung“ am Boden, auch wenn es sich noch so einleuchtend anhört. Entsprechend gibt es auch keine besondere Gefahr für Kinder.

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2018, 10:26 Uhr