Ende der Zeitumstellung Was jetzt: Sommer- oder Winterzeit?

Das Ende der Zeitumstellung in Europa naht. Das EU-Parlament hat beschlossen: Ab 2021 soll Schluss sein mit Sommer- und Winterzeit. Aber was jetzt? Mediziner haben da klare Vorstellungen: Besser keine ewige Sommerzeit.

Plüscheule neben Uhr 5 min
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Nun ist es also beschlossen. In der EU soll der Wechsel von Sommer- und Winterzeit abgeschafft werden. Jetzt müssen allerdings noch die Länderparlamente zustimmen - und das kann dauern. Für Menschen, die unter der Zeitumstellung leiden, wäre es ein Segen. Aber welche Zeit sollen wir in Zukunft nehmen? Bloß nicht die Sommerzeit, warnen Wissenschaftler. Denn das könnte fatale Folgen haben.

Die drastischsten Worte dazu findet Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität München. Stelle man die Uhren ganzjährig auf Sommerzeit um, werde es "riesige Probleme geben", warnt er vor dem "Cloxit", wie die Änderung der Zeitumstellung mittlerweile bereits genannt wird.

Man erhöht die Wahrscheinlichkeit für Diabetes, Depressionen, Schlaf- und Lernprobleme - das heißt, wir Europäer werden dicker, dümmer und grantiger.

Till Roenneberg, Chronobiologe

Roenneberg prognostiziert außerdem: "Jedes Land, das das nicht macht, wird uns akademisch überholen." Denn vor allem Schüler und Studenten seien betroffen, weil Lernen und das Gelernte zu verarbeiten bei zu wenig Schlaf stark eingeschränkt werde. Eine französische Studie hatte erst im Jahr 2017 gezeigt, dass schlechter Schlaf sich in den Leistungen widerspiegelt. Bei dauerhafter Sommerzeit aber müsse man an deutlich mehr Tagen im Dunklen aufstehen, sagt Roenneberg: "Je nach Wohnort haben sie sechs Wochen mehr dunkle Schulwege morgens."

Winterzeit enstpricht uns besser

"Die bisherige Winterzeit entspricht den Verhältnissen, die unter Berücksichtigung der natürlichen Lichteinflüsse für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus am günstigsten ist", sagt Alfred Wiater, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin - DGSM. "Wenn wir im Winter am Morgen länger der Dunkelheit ausgesetzt sind, werden wir schlechter wach", erklärt Wiater. Das könne Konzentration und Aufmerksamkeit beeinträchtigen und zu mehr Fehlern in der Schule und im Job führen, sowie Unfälle begünstigen.

Brauchen wir mehr Zeitzonen?

Winterzeit für ganz Europa wäre allerdings keine gute Idee. Denn was für uns gut ist, kann in Osteuropa auf Kosten der Gesundheit gehen, sagt Schlafmediziner Dr. Steffen Schädlich aus Halle.

Wenn man europaweit eine einheitliche Zeitzone haben will, dann sollte es aus Rücksicht auf Länder wie Ungarn oder Polen die Sommerzeit sein. Das wäre aber unter gesundheitlichen Aspekten für uns in Deutschland ein Nachteil. Deshalb sind gleiche Zeitzonen eigentlich nicht sinnvoll.

Dr. Steffen Schädlich, Schlafmediziner

Und eine Stunde Zeitunterschied ist eigentlich kein Problem. Bisher gibt es in der EU geografisch bedingt bereits drei Zeitzonen- zwischen Portugal und Russland liegen zwei Stunden Unterschied. Damit hat man sich seit vielen Jahren arrangiert.

Was wäre, wenn wir das ganze Jahr Sommerzeit hätten?

Auf jeden Fall bräuchten wir morgens alle mehr Kaffee! Und die Morgenmuffel unter uns hätten wahrscheinlich noch schlechtere Laune. Denn die Crux an der Geschichte: Zwar wäre es ganzjährig abends eine Stunde länger hell, gleichzeitig würde das aber auch bedeuten, dass es früh noch eine Stunde länger dunkel ist. Und damit würde vielen von uns das Aufstehen noch schwerer fallen. Wäre das ganze Jahr über Sommerzeit, würde zum Beispiel im Dezember die Sonne in Leipzig erst nach 9 Uhr aufgehen. Zur Winterzeit wäre es bereits kurz nach 8 Uhr soweit. Außerdem entspricht die sogenannte Winterzeit eher unserem biologischen Rhythmus.

Mich stört der Begriff 'Winterzeit'. Wir reden eigentlich von der 'Normalzeit' und die wäre, wie der Name schon sagt, für uns gesundheitlich am besten, weil sie einfach unserer normalen Zeit entspricht.

Dr. Steffen Schädlich

Die Erklärung ist einfach: Abends zum Schlafengehen sollte es dunkel und morgens zum Aufwachen hell sein, denn Dunkelheit macht müde, helles Licht munter. Verantwortlich dafür sind Sinneszellen in unseren Augen. Sie entscheiden, ob Schlaf- oder Aufwach-Hormone im Körper produziert werden.  

Dr. Steffen Schädlich, Leiter der Spezialambulanz für Schlafmedizin am Krankenhaus Martha Maria in Halle/Saale betreut täglich Patienten mit Schlafproblemen. Für ihn gibt es noch einen weiteren Grund, warum wir mit Einführung der Sommerzeit schlechter aus den Federn kommen: Wir schlafen zu wenig.

Wenn es im Sommer abends länger hell ist, fällt es schwer, eher ins Bett zu gehen. Der Wecker klingelt früh aber trotzdem. Dann schlafen wir zu kurz und der REM-Schlaf am Morgen fehlt. Zu der Zeit ist der Traumschlaf am intensivsten, ihn brauchen wir dringend, um Dinge vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis abzuspeichern und psychisch gesund zu bleiben.

Dr. Steffen Schädlich

Ein weiterer Vorteil, wenn wir uns in Deutschland für die Winterzeit, also die Normalzeit entscheiden: Dann gehen auch die Sonnenuhren wieder richtig.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 26. März 2019 | 13:00 Uhr