Psychologie Cool zu bleiben lernen Kinder von Erwachsenen

Wer kennt ihn nicht, den Tobsuchtsanfall der lieben Kleinen in der Quengelzone der Supermarktkasse? So anstrengend und peinlich das auch ist: Der Nachwuchs muss erst lernen, die Wut über das "Nein!" zum Schokoriegel unter Kontrolle zu bringen. Eine Studie zeigt jetzt, was helfen kann.

Kleinkind sitzt im Einkaufswagen und hält eine Tomate
Tomate statt Schoki. Ob das im Supermarkt wirklich hilft? Bildrechte: Carsten Sand

Tief durchatmen, obwohl man am liebsten aus der Haut fahren möchte, das können die meisten Erwachsenen. "Impulskontrolle" oder "Gefühle regulieren", so nennen es Psychologen. Diese Fähigkeiten bekommen wir keineswegs in die Wiege gelegt, wir müssen sie erst erlernen. Doch wie? Und wer kann uns dabei helfen? Das wollte Johanna Schoppmann, Entwicklungspsychologin und Doktorandin an der Ruhr-Universität Bochum herausfinden.

Frust und Langeweile im Dienst der Wissenschaft

Gemeinsam mit ihren Kollegen beobachtete sie dafür 94 Jungen und Mädchen im Alter von 24 Monaten in einer für die Kinder frustrierenden Situation. Nachdem sie zunächst mit ihren Eltern gespielt hatten, mussten sie in einem Raum drei Minuten lang auf etwas warten, das sie gern haben wollten: ein kleines Geschenk oder einen Snack. Die Wissenschaftler wollten damit vor allem negative Emotionen wie Frustration erreichen.

Die Kinder konnten währenddessen verschiedenes beobachten: Die einen konnten sehen, dass sich ein fremder Erwachsener beim Spielen mit einem Schiebetier die Zeit vertrieb, was ihm offenbar Freude machte und von seiner Frustration ablenkte. Die anderen teilten den Raum mit jemandem, der einfach nur abwartete, aber auch ruhig blieb. Darüber hinaus gab es eine Kontrollgruppe, die während ihrer Wartezeit kein Vorbild hatte. Diese Kinder konnten aus verschiedenen Spielzeugen auswählen, womit sie sich so lange beschäftigen konnten, bis sie das erwartete Geschenk oder den Snack bekamen.

Abschauen hilft

Die Jungen und Mädchen, die bei anderen gesehen hatten, dass Ablenkung beruhigt, wenn man etwas nicht bekommt, übernahmen dieses Verhaltensmuster. Die anderen Kinder, die einen fremden Erwachsenen beobachtet hatten, der in der gleichen Situation einfach nur ruhig blieb, blieben ebenfalls eher ruhig. Wie aktiv oder passiv sie ansonsten waren, wirkte sich vor allem darauf aus, welches Spielzeug sie zum Zeitvertreib nutzten. Die Ruhigeren wählten eher einen Becherstapel, die Temperamentvolleren eher den Rasenmäher, der Geräusche macht. Diese Wesenszüge waren vorab bei den Eltern abgefragt und mit einer Smartwatch über eine Verhaltensskala gemessen worden.

Kleinkinder können lernen, ihre Emotionen zu regulieren, indem sie Fremde beobachten, nicht nur Eltern oder andere Familienmitglieder.

Johanna Schoppmann, Ruhr-Universität Bochum

Welche Rolle ein breiterer sozialer Kontext, also über die Eltern-Kind-Beziehung hinaus dabei spielt, dass Kleinkinder ihre Gefühle zu kontrollieren lernen, müsse weiter erforscht werden, so Johanna Schoppmann. Auch die Frage, ob Jungen und Mädchen unterschiedlichen Temperaments auch unterschiedlich mit Wut und anderen Emotionen umgehen, ist noch nicht beantwortet.

An der Studie nahmen 47 Jungen und 47 Mädchen teil, die im öffentlichen Geburtenregister Bochums erfasst waren. 61 Prozent der Mütter und 67 Prozent der Väter haben einen Hochschulabschluss. 82 Prozent der Kleinkinder hatten Eltern, deren Muttersprache Deutsch war.

17 Kommentare

Boerd vor 1 Wochen

Ich bin schockiert! Sie rufen direkt zur Gewalt gegen Kinder auf und relativieren die von Ihnen ausgeübten körperliche Gewalt. Was so ein "Klaps" oder "Ohrfeige" in einer Kinderseele anrichtet, hat nichts, aber auch gar nichts damit zutun wie seelisch gesund ein Kind ist. Es erzieht sie genau dort hin was Sie beschreiben, zum Funktionieren. Und das ist das Letzte was ich für mein Kind will. Schrecklich! Bitte gehen Sie nochmal in sich, bitte!

eowyn vor 1 Wochen

Im übrigen erreicht man es so sicherlich, dass sich Kinder später von Chefs herum kommandieren lassen, denn sie kennen ja klare Hierarchie durch Demütigungen wenn sie nicht " gehorchen". Das ist kein erziehen, das ist demütigen und seine macht missbrauchen.

eowyn vor 1 Wochen

Es ist ja sehr beachtlich, dass Sie Alleinerziehend waren und das war sicher nicht leicht. Das sie sich aber auf die Schulter klopfen, dass Ihre Kinder mit Klapsen und Ohrfeigen aufgewachsen sind und dennoch im Leben stehen ist einfach unglaublich! Bindungsorientierte Erziehung hat nichts mit antiautoritärer Erziehung zu tun, bei der das Kind alles diktiert und die Eltern freundlich lächelnd allzeit bereit zu dienen daneben stehen. Es bedeutet nicht, dass das Kind jeden Wunsch erfüllt bekommt aber es bedeutet, dass das Kind in seinen Bedürfnissen wahr genommen wird! Konsequent sein und Konsequenzen werden da oft vermischt und vor allem verwechselt! Konsequent sein bedeutet beharrlich sein und das gewünschte einfordern mit Blick auf den Entwicklungsstand des Kindes, das kann sehr liebevoll sein und dennoch konsequent. Konsequenzen sind eher Bestrafungen die nichts zu tun haben mit der Sache. Ein Kind mit Ohrfeigen zu bestrafen ist unmenschlich und einfach grausam!