Jan Löhmannsröben (FCM, 6)
Bildrechte: IMAGO

Sportstudie Wie gefährlich sind Kopfbälle?

Schädelbrummen, Gehirnerschütterung, Spielabbruch. Wer beim Fußball oft den Kopf einsetzt, bringt sich in ernste Gefahr, sagen US-Wissenschaftler. Denn dadurch steigt das Verletzungsrisiko um das Dreifache gegenüber Wenig-Kopfballern. Auch langfristig könnte das gefährlich werden. Denn Kopfbälle können zur Veränderung der Gehirnsubstanz führen.

Jan Löhmannsröben (FCM, 6)
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Fußball kann die Gesundheit gefährden. Das weiß jeder Hobby-Kicker, der sich schon mal einen blauen Fleck, ein dickes Knie oder vielleicht sogar einen Knochenbruch geholt hat. Sind Kopfbälle da eine Besonderheit? Ja, sagt der amerikanische Radiologe Michael Lipton vom College of Medicine in New York. Denn Kopfbälle erhöhen das Verletzungsrisiko, so die neue Studie seines Teams.

Lipton wertete dafür die Daten von 222 Amateurfußballer (79 Prozent) und –fußballerinnen (21 Prozent) in einem Untersuchungszeitraum von zwei Wochen aus. Bei den Spielern mit den meisten Kopfbällen traten im Unterschied zu denen mit den wenigsten drei Mal mehr Beschwerden auf. Das ging von Kopfschmerzen über ärztliche Behandlung bis zu Spielabbruch. Lipton selbst glaubt, dass zu viele Kopfbälle langfristig sogar zu einer Rückbildung von Hirnzellen führen können. Zu viele sind für ihn mehr als 1.000 im Jahr.

Schäden an der Gehirnsubstanz

Tatsächlich scheint es einen Zusammenhang zwischen Kopfbällen und Gehirnschäden zu geben. Die Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) in München und die Harvard Medical School haben bereits 2012 Jahren bei Untersuchungen festgestellt, dass bei Profifußballern die weiße Gehirnsubstanz geschädigt wurde. Das ist die Substanz, die die Gehirnareale vernetzt. In dem Bereich, der für die Gedächtnisleistung, visuelle Verarbeitung, Aufmerksamkeit und komplexe Denkvorgänge zuständig ist, hatten sich die Gehirnstrukturen verändert – und zwar ähnlich wie bei Boxern oder American Football-Spielern. Die Veränderungen traten auf, ohne dass es vorher zu Verletzungen oder Gehirnerschütterungen gekommen war. Allerdings steht die Forscher noch am Anfang. Langfriststudien fehlen, so dass derzeit keine Aussagen darüber getroffen werden können, welche Folgen solche Gehirnverletzungen haben, oder ob sie nach dem Ende der Sportkarriere verheilen.

USA: Kopfball für Kids verboten Der amerikanische Fußballverband US Soccer Federation hat 2015 nach einer Sammelklage amerikanischer Eltern neue Regeln zum Kopfball erlassen. Danach dürfen Kinder unter zehn Jahren überhaupt keinen Kopfball spielen. Bei Kindern zwischen elf und 13 Jahren ist das Training von Kopfbällen verboten. Im Spiel sind sie erlaubt.

Die Technik entscheidet

FC Bayern Stürmer Robert Lewandowski setzt zum Kopfball an. Der Ball verdeckt dabei seinen Kopf.
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Profifußballer sind trotzdem weniger gefährdet als regelmäßig kickende Amateure, sagen Sportwissenschaftler. Denn sie sind zumeist technisch besser ausgebildet und auch physisch besser vorbereitet. Insbesondere eine gut trainierte Kopf- und Nackenmuskulatur spielt eine große Rolle. Das gilt allerdings nur für Erwachsene. Selbst der Deutsche Fußballbund empfiehlt erst mit 13 oder 14 Jahren mit dem Kopfballtraining anzufangen – und auch dann zuerst mit einem leichteren Ball zu üben. Neurologin Prof. Inga Koerte, die an der Studie der LMU mitgearbeitet hat, erklärt den Grund: "Bei Kindern ist der Kopf im Vergleich zum Körper viel größer als bei Erwachsenen. Das heißt, dass Beschleunigungen, die der Kopf erfährt, von der Nackenmuskulatur nicht so gut abgepuffert werden können."

Über dieses Thema berichtete MDR SPUTNIK im Radio | 03.02.2017 | 16:02

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 10:28 Uhr