Smartphone-Nebenwirkung Handy-Daumen - die neue Zivilisationskrankheit

In der Bahn, im Wartezimmer, auf der Couch: Ständig tippen und wischen nicht nur junge Leute auf ihren Smartphones herum. Die schlechte Nachricht: Das hat schmerzhafte Folgen. Die Gute: Man kann vorbeugen.

Eine Frau bedient ein Smartphone.
Kann gegen Schmerzen im Daumen vorbeugen: beidhändige Smartphone-Nutzung. Bildrechte: imago/Westend61

In der Bahn, im Wartezimmer, auf der Couch: Ständig tippen und wischen Leute auf ihren Smartphones. Das hat Folgen, sagen Mediziner vom Universitätsklinikum Leipzig. Sie haben den "Handy-Daumen“ als die neue "orthopädische Zivilisationskrankheit" ausgemacht, im englischen Sprachraum heißt sie übrigens auch die "WhatsApp Disease", also "WhatsApp Krankheit".

Eine Frau bedient ein Smartphone.
Falsch und kann zu Schmerzen führen: Einhändige Bedienung Bildrechte: IMAGO

Sie macht sich bemerkbar, wenn es im Daumen zieht, im Handgelenk und sogar an der Arminnenseite entlang bis zum Ellenbogen: Das sind Anzeichen dafür, dass man mit dem Tippen und Wischen auf dem Smartphone eindeutig übertrieben hat.

Die Mediziner an der Uniklinik Leipzig haben immer häufiger junge Patienten mit diesen Symptomen. Die Diagnos ist dann oft eindeutig, sie haben einen "Handy-Daumen", erklärt Ergo- und Physiotherapeutin Norina Weisenbilder, also eine Art Sehnenscheidenentzündung des langen Daumenbeugers, der am Unterarm entlang läuft.

Wenn unsere Daumenmuskulatur immer nur dieselben Bewegungen zur Handfläche hin übers Handydisplay macht, kommt das Strecken und Abspreizen unseres wichtigsten Fingers zu kurz. Kommt es zur Entzündung, heißt es vor allem: Handy weglegen! Allerdings reicht es nicht aus, die Hand ruhig zu stellen, so Weisenbilder.

Wir versuchen die Muskulatur ein bisschen zu entspannen und zu stabilisieren mit einem Kinesiotape und dann Triggerpunkte – das sind sehr hartnäckige Muskelverspannungen – zu lösen und auch natürlich das Bindegewebe und die Faszien zu lösen und damit ein bisschen Erleichterung zu verschaffen.

Norina Weisenbilder

Wo Handy-User Friseurinnen Konkurrenz machen

Der "Handy-Daumen" ist eine typische Junge-Leute-Krankheit, erklärt die Ergo- und Physiotherapeutin. Früher waren Patienten mit denselben Symptomen eher Mitte 60 und hatten ihr Leben lang gearbeitet, heißt es vom Leipziger Uniklinikum. Das ist heute anders: Die Patienten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren haben akute Beschwerden, wie Mediziner sie sonst aus dem Berufsalltag zum Beispiel bei Friseurinnen kennen.

Der Daumen-Test und die Merkelraute

Zum Arzt sollte man spätestens dann gehen, wenn sich der Daumen nur noch unter Schmerzen bewegen lässt. Aber man kann schon früher herausfinden, ob eine Sehnenscheidenentzündung im Anmarsch ist und zwar mit dem so genannten Dehntest nach Finkelstein. Physiotherapeutin Weisenbilder erklärt den Selbsttest für den rechten Daumen: "Man legt den Daumen in die Faust, schließt die Faust und bewegt das Handgelenk nach rechts. Das zieht dann am Daumengrundgelenk oder auch am Handgelenk und am Handballen. Dann sollte man schon ein bisschen was tun."

Aber was genau kann man machen? Eisenbilder rät, das Handy mit beiden Daumen zu benutzen und zwischendurch die Finger abzuspreizen, also zu dehnen, und die "Merkelraute" zu machen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin rät, das Handy auch beidhändig zu bearbeiten, um den meistbelasteten Daumen zu entlasten. Die Behörde hatte 2016 wissenschaftliche Studien aus der Zeit von 2007 bis 2015 erfasst und ausgewertet, die sich mit den gesundheitlichen Folgen durch die Nutzung von Handys und Tablets befassen. So waren neben dem "Handydaumen" auch Beschwerden an Nacken, Kopf, Oberarm, Unteram, Schulter Handgelenk und Augen festgestellt worden.

Dieses Thema im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30. Januar 2019 | 10-13 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell | Radio | 17. Juli 2018 | 08:20 Uhr

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