Ein Mann hält sich mit beiden Händen den Mund zu
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Neue Forschungsergebnisse Herr Doktor, ich rieche nach Kohl!

von Karolin Dörner

Jedem von uns ist es unangenehm, aus dem Mund zu riechen. Bei manchen Menschen helfen aber weder Zähneputzen noch Zungenspatel oder Kaugummi. Sie haben genetisch die Veranlagung zu Mundgeruch.

Ein Mann hält sich mit beiden Händen den Mund zu
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Wir schreiben das Jahr 1997: Eine Mutter kommt mit ihren zwei Söhnen in die Stoffwechselambulanz. Ihr Problem: Die Jungs haben einen unangenehm starken Mundgeruch. Sie riechen nach Kohl. Da ging die Suche nach der Ursache los, erinnert sich Jörn Oliver Sass, Professor für Bioanalytik und Biochemie an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg:

Da ließ sich dann erstmal klären, dass das bestimmte schwefelhaltige Substanzen sind - Methanthiol und Dimethylsulfid, die den Geruch veranlassen. Dann hat es aber ziemlich lange gedauert, bis sich herausgestellt hat, was auf der molekularen Ebene dahintersteckt.

Wirsingkohl
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Zwanzig Jahre lang haben 15 Einrichtungen aus fünf Ländern an dem Phänomen geforscht und Stück für Stück sind sie der Antwort nähergekommen. Ausgangspunkt ist ein Protein. Manchen Patienten fehlt es, bei anderen arbeitet es nicht richtig.
Dieses Protein hat eine wichtige Aufgabe: Es setzt den schwefelhaltigen Stoff Methanthiol im Körper um. Wenn das nicht richtig funktioniert, staut sich das Protein im Körper an. Laut Prof. Sass wird es außerdem zu anderen Substanzen wie Dimethylsulfid umgesetzt. Das Ergebnis: fauliger kohlartiger Mundgeruch. Kaugummi hilft da nur kurzfristig. Ob das fehlende Protein noch andere körperlichen Probleme hervorruft, konnten die Forscher noch nicht nachweisen.

Was sie aber wissen, ist, warum das Protein nicht richtig funktioniert: Dahinter stehen kleine Fehler in der Bauanleitung, die in der Erbsubstanz, der DNA, liegen. Außerdem können sie in etwa schätzen, wie viele Menschen von der Krankheit betroffen sind:

Man schätzt, dass etwa jeder 300. Mensch Überträger des DNA-Fehlers ist. Wenn wenn man das weiter berechnet, würde man annehmen, dass etwa ein Mensch von 90.000 betroffen ist. Also wären es immerhin fast 1.000 Menschen in Deutschland.

Prof. Jörn Oliver Sass

Das Krankheitsbild hat auch einen eigenen Namen: Extraorale Halitosis (Atemgeruch, der nicht im Mund enststeht). Geheilt werden kann der Mundgeruch übrigens nicht, aber Professor Sass vermutet: Eine Eiweiß-Diät kann helfen, dann würden weniger der riechenden Substanzen im Körper entstehen. Und dann riecht auch der Atem nicht mehr faulig nach Kohl.

Zuletzt aktualisiert: 28. Dezember 2017, 14:56 Uhr