Weltkrebstag Die Hälfte aller Krebsfälle ist vermeidbar

Krebs - für viele ist die Krankheit immer noch mysteriös und schicksalhaft. Wird es mich treffen oder nicht? Wir schauen auf Vorerkrankungen in der Familie, auf Umweltverschmutzung und auf Statistiken - aber immer noch zu wenig auf uns selbst. Das sagen Wissenschaftler aus den USA. In einer Studie zu Krebs-Neuerkrankungen kommen sie zu dem Schluss: 42 Prozent der Fälle hängen mit Faktoren zusammen, auf die wir in unserem Leben direkten Einfluss haben.

Frau zerbricht eine Zigarette
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Im Grunde wissen wir doch alle, was gesund ist: genügend Bewegung, am besten an der frischen Luft, nicht rauchen und nicht zu viele Steaks und Süßigkeiten. Diese Empfehlungen haben wir schon so oft gehört, dass wir sie auswendig können. Und doch halten sich viele Menschen nicht daran. Sollten sie aber, sagen Wissenschaftler von der "American Cancer Society", denn es könnte einer Krebserkrankung vorbeugen. Auch das ist grundsätzlich vielen Menschen bekannt. Die Neuigkeit liegt aber in der hohen Zahl, die in einer Studie festgestellt wurde: Fast die Hälfte aller Todesfälle durch Krebs sind vermeidbar.

Erschreckende Zahlen

Um zu untersuchen, was genau Krebs verursacht, haben die Forscher mehr als 140.000 Ärzte und Krankenschwestern aus den ganzen USA befragt und in zwei Gruppen eingeteilt - eine mit hohem und eine mit niedrigem Risiko:

Wer heißt "gesunder Lebenswandel"? Nach der Einteilung der Forscher schafften es nur 28.000 der 140.000 Teilnehmer in die Gruppe mit einem "geringen Krebs-Risiko". Die Voraussetzungen für die Studie:

1) niemals oder wenig geraucht
2) kein oder moderater Alkoholkonsum (≤ 1 Getränk/Tag bei Frauen bzw. ≤2 Getränke/Tag bei Männern)
3) BMI zwischen 18.5 und 27.5
4) mindestens 150 Minuten moderate Bewegung oder 75 Minuten intensive Bewegung pro Woche

Die beiden Gruppen wurden über Jahre begleitet und nach ihren Lebensgewohnheiten und ihrer Ernährung befragt. Festgehalten wurde immer, wer an Krebs erkrankt und wer daran gestorben war. Ausgenommen von der Studie hatten die Forscher spezielle Krebsarten wie Hirntumore oder Leukämie. Der Grund: Diese werden höchstwahrscheinlich von anderen Umwelteinflüssen stärker beeinflusst, als von denen, die in der Studie untersucht wurden. Die Krebsarten, die die Forscher beachtet haben (allen voran Lungenkrebs und Darmkrebs), machen aber 90 Prozent aller Fälle aus. Und dabei sprechen die ermittelten Zahlen eine deutliche Sprache:

Bauch eines Mannes mit Übergwicht
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Etwa 42 Prozent der Krebs-Neuerkrankungen (ca. 659.000 von 1,5 Millionen) und 45,1 Prozent der Krebs-Todesfälle (ca. 265.000 von 587.000) hängen mit vermeidbaren Faktoren zusammen.

US-Krebsstudie

Was sind das für Faktoren?

Die drei prominentesten Risiken sind leicht ausgemacht: Rauchen, Übergewicht und Alkohol.

  1. Allein Rauchen stand in der Studie in Zusammenhang mit weit mehr Erkrankungen und Todesfällen als jeder andere untersuchte Risikofaktor: 19% der Erkrankungen und 28,8% der Todesfälle (fast ein Drittel!) sind auf das Rauchen zurückzuführen.
  2. Übergewicht und Fettleibigkeit schafften es auf Platz 2 mit 7,8% der Erkrankungen und 6,5% der Todesfälle.
  3. Alkohol mit 5,6% der Erkrankungen und 4% der Todesfälle.

Weitere Faktoren sind:

  • Verzehr von rotem Fleisch und Wurstwaren (verarbeitet)
  • Verzehr von zu wenig Obst/Gemüse
  • Verzehr von zu wenigen Ballaststoffen
  • Bewegungsmangel
  • UV-Strahlung
  • verschiedene Virus-Infektionen wie HIV und HPV (Humanes Papillomvirus)

Unterschiede zwischen Mann und Frau

In ihrer Studie haben die Forscher außerdem deutliche Unterschiede zwischen den Krebsarten bei Männern und Frauen ausgemacht. Während Krebs bei Männern eher mit Rauchen, dem Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch, einer HIV-Infektion oder zu viel Sonne zusammenhing, waren die Übeltäter bei Frauen Übergewicht, Alkoholkonsum, eine HPV-Infektion und Bewegungsmangel. Außerdem weisen die Forscher extra darauf hin, dass es sich bei den Teilnehmern der Studie um sogenannte "health professionals" handelt, also Ärztinnen und Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger und sonstiges medizinisches Personal. Auf die Gesamt-US-Bevölkerung hochgerechnet, waren die Unterschiede sogar noch deutlicher. Also: Bei uns normalen Menschen hängt eine mögliche Krebserkrankung NOCH HÄUFIGER mit den oben erwähnten Risikofaktoren zusammen.

Die gute Nachricht

Ein hoher Teil der Krebserkrankungen ist von der Umwelt beeinflusst und kann von einer Änderung des Lebensstils verhindert werden.

US-Krebsstudie

Das heißt: Immer noch 58 Prozent der Krebserkrankungen hängen von anderen Faktoren ab, auf die wir keinen Einfluss haben. Trotzdem: Wenn so viel von Ernährung und Bewegung abhängt, dann sollten/können/müssen wir aktiv werden. Die Erkenntnisse der Studie bedeuten nun: Wir können uns sich nicht mehr herausreden. Wir wissen jetzt Bescheid. Und es liegt an uns, nicht mehr zu sagen: "Weiß ich schon", sondern "Mach ich jetzt."