Zwei Hände in blaunen Gummihandschuhen halten jeweils eine kleine Ampulle in die Höhe. In der einen eine blaue Flüssigkeit, in der anderen eine rote Flüssigkeit.
Bildrechte: University of Queensland

Krebsforschung Mit Schnelltest zur Krebsdiagnose

Eine frühe Diagnose kann Leben retten, doch um Krebs zu erkennen, muss eine aufwändige Biopsie gemacht werden. Ein Schnelltest aus Australien soll innerhalb von zehn Minuten Ergebnisse liefern.

Zwei Hände in blaunen Gummihandschuhen halten jeweils eine kleine Ampulle in die Höhe. In der einen eine blaue Flüssigkeit, in der anderen eine rote Flüssigkeit.
Bildrechte: University of Queensland

Zwischen dem Verdacht auf eine Krebserkrankung und der tatsächlichen Diagnose vergeht viel Zeit. Bislang werden verschiedene Biopsieverfahren eingesetzt, um Zellen oder Gewebe aus Körperbereichen mit Auffälligkeiten - beispielsweise Knoten in der Brust oder in der Schilddrüse - untersuchen zu können. Nicht immer können Allgemeinmediziner, sondern nur Fachärzte die Proben nehmen. Die bei Biopsien gewonnenen Proben wiederum werden in speziellen Laboren untersucht. Krebsforscher der Universität Queensland wollen die Diagnosezeit mit Bluttests drastisch verkürzen. Krebszellen hinterlassen nämlich Spuren in unserem Blut, wenn sie sterben: ihre DNA. David Jones, selbst Forscher am Deutschen Krebsforschungszentrum erläutert, was die Kollegen im Norden Australiens genau machen:

Sie haben eine neue Methode dieser sogenannten Flüssigbiopsie entwickelt. Das ist gerade ein großes Thema in der Krebsforschung. Damit soll der Patient auf Krebs getestet werden mithilfe von Blut, Urin oder anderem Gewebe, an das einfacher zu kommen ist als mit einer Biopsie. Das beschleunigt die Suche nach Krebs und ermöglicht die Früherkennung, wenn sich der Krebs erst entwickelt.

Mit Gold zur Diagnose?

Während andere Flüssigbiopsie-Methoden nach typischen Mutationen im Blut suchen, die bestimmte Krebsarten verursachen, haben die Australier einen anderen Ansatz gewählt. Sie wollten gesunde Zellen von Tumorzellen unterscheiden. Dafür haben sie eine DNA-Signatur gesucht, die für alle Krebszellen charakteristisch ist. Fündig wurden sie bei der sogenannten Methylierung. Das sind Anlagerungen am Erbgut. Die unterscheiden sich den Forschern zufolge im Muster und im Ausmaß deutlich. Und das hat Auswirkungen auf ihre physikalischen und chemischen Eigenschaften, erklärt Krebsforscher Jones:

Die Methode, die die Forscher in dieser Studie verwenden, denkt die Flüssigbiopsie ganz neu. Sie nutzt ein physikalisches Merkmal der DNA und wie bestimmte chemische Marker ihre physikalischen Eigenschaften und ihre Chemie verändern. Sie schauen also nach einer neuen Eigenschaft der DNA anstatt nur nach bestimmten Mutationen.

Diese neu entdeckte Eigenschaft haben offenbar alle Krebszellen und sie sorgt bei ihnen für eine besondere Vorliebe: nämlich für Gold. Für das Testverfahren nutzen die Australier im Wesentlichen nur eine DNA-Probe und Nanopartikel aus Gold. Die Krebs-DNA bindet sich nämlich besonders gut an das Edelmetall - gesunde DNA dagegen viel weniger stark. Das Ergebnis: Der Schnelltest ändert seine Farbe, wenn Krebs-DNA im Blut ist. Den australischen Forschern zufolge dauert das Ganze nur zehn Minuten.

Zusätzlicher Test erforderlich

Doch obwohl die ersten Tests vielversprechende Resultate lieferten, ist der Heidelberger Krebsforscher Jones noch zurückhaltend. Noch sei zu unsicher, ob der neue Biomarker wirklich universell sei:

Es muss noch an viel mehr Tumorarten getestet werden. Außerdem muss man sicher sein, dass die Diagnose, dass kein Krebs vorliegt, wirklich korrekt ist. Denn es gibt klare Regeln. Momentan müsste man also noch eine normale Biopsie machen, auch wenn der Test negativ war. Es kann das, was wir derzeit nutzen, noch nicht ersetzen.

Aber in einigen Jahren, so hofft Jones, könnte so ein Schnelltest zum Alltag in der Krebsdiagnostik werden. Solche Tests könnten dann womöglich auch Auskunft über die genaue Krebsart geben. Bisher kann der australische Test nur Aussagen darüber machen, dass es Krebszellen im Körper gibt - aber nicht darüber, welche und wo genau sie zu finden sind.

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 12. Dezember 2018 | 00:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2018, 12:18 Uhr